Hofläden
Direktvermarkter profitieren von Corona-Krise
„Es klappt super, wir sind begeistert!“ – Das Fazit von Ina Freyer vom Schönbornerhof bei Homberg in der Nordpfalz ist eindeutig. Der Hofladen, den sie zusammen mit ihrem Mann Bernd vor etwas mehr als einem Jahr eröffnet hat, hat sich gelohnt. Beinahe monatlich haben die Freyers ihr Sortiment erweitert, als nächstes steht an, das einfache Holzbüdchen, das mittlerweile aus allen Nähten platzt, durch ein festes Gebäude zu ersetzen. Auch einen eigenen Wurst- und Zerlegeraum wollen die Freyers, die eine eigene Rinderherde haben, in Angriff nehmen. Das Einkaufsverhalten der Leute habe sich deutlich verändert, sagt Ina Freyer: „Hier sind weniger Menschen, das ist einfach anders, als wenn ich im Supermarkt einkaufe.“ Die Kunden seien auch offener dafür, über ihre Lebensmittel und deren Herkunft nachzudenken – nicht zuletzt wohl wegen diverser Skandale im Zusammenhang mit Lebensmitteln und den Berichten über die Bedingungen, unter denen bei großen Fleischverarbeitern gearbeitet wird, mutmaßt Freyer.
„Die Leute gehen gern in so regionale, kleine Läden“
Auch Andreas Jester aus Mechtersheim in der südlichen Vorderpfalz kann von einem positiven Gang der Geschäfte in seinem Hofladen berichten, den er im Sommer des vergangenen Jahres eröffnet hat. „Wir sind zufrieden“, sagt er. Während der andauernden Corona-Krise hat er einen Lieferservice eingerichtet, der Dienstags und Freitags Adressen in der Umgebung anfährt. In den nächsten zwei Wochen will er seine Verkaufsfläche verdoppeln, um für die Spargelzeit gewappnet zu sein. „Dass die Leute wieder den Weg zum Hofladen gefunden haben, das freut uns.“
Positives kann auch Sandra Guhl vermelden. Das Gehöft der Guhls in Gerhardsbrunn auf der Sickinger Höhe hat erst im September des vergangenen Jahres seinen eigenen Hofladen bekommen, und dort laufen die Geschäfte sehr gut. „Die Leute gehen gern in so regionale, kleine Läden, lieber als in einen großen Supermarkt“, berichtet sie von ihren Erfahrungen mit den Kunden. Bei den Menschen gebe es ein Umdenken im Bezug auf ihr Einkaufsverhalten.
„Corona-Pandemie war ein Katalysator“
Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd (BWV) hat nach Auskunft von Pressesprecher Andreas Köhr keine Daten dazu, wie groß der Anteil von Hofläden am Gesamteinkommen der Betreiber ist: „In vielen Betrieben dürfte es nicht der Hauptanteil sein, das ist seltenst der Fall.“ Ausnahmen seien lediglich hochspezialisierte Betriebe wie solche, die auf Erdbeeren oder Spargel setzten. In der Statistik tauchen die Hofläden nicht direkt auf, sie laufen dort unter „Direktvermarktung“, wozu auch das Betreiben eines Marktstands zählt und sonstige Verkaufswege, bei denen die Ware eben direkt vom Landwirt in die Hand des Kunden wandert.
Klar sei aber: „Die direktvermarktenden Betriebe in der Pfalz profitieren davon, dass die Leute verstärkt regional kaufen“, so Köhr. „Die Corona-Pandemie war dafür ein Katalysator.“ Einige Hofläden hätten auch zusätzlich ein Lieferservice-Angebot eingeführt oder Automaten angeschafft. Ob es einen langfristigen Effekt gebe, sei im Moment noch nicht abzusehen. „Wir würden uns wünschen, dass das Angebot weiter geschätzt wird.“
Landwirtschaftskammer berät
Die Hofläden gälten als Lebensmittelhandel und dürften daher auch unter Corona-Bedingungen durchgehend öffnen, wenn deren Betreiber das wollten, erläutert BWV-Sprecher Köhr. Das habe seines Wissens auch überall gut funktioniert, auch unter den strengeren Hygiene-Regeln der Corona-Verordnungen. „Die schon länger einen Laden hatten, wussten ja schon gut, was sie zu tun haben.“ Laut den vorläufigen Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020, die im Januar veröffentlicht wurden, setzen von den 16.400 bestehenden Betrieben in Rheinland-Pfalz 1500 auf Direktvermarktung als zusätzliche Einkommensquelle.
Wer einen Hofladen aufbauen will, kann das praktisch aus dem Stand tun – oder sich unterstützen lassen: So bietet zum Beispiel die Landwirtschaftskammer (LWK) Beratung und Infomaterialien zum Thema an. Das reicht von der Einstiegsberatung für Leute, die über einen Hofladen nachdenken, bis hin zu Angebotschecks, bei denen bestehende Läden, Gastronomien oder auch Gästezimmer auf Verbesserungsmöglichkeiten überprüft werden.
Es wird auch mal vom Hofladen abgeraten
„Die Anforderungen sind gestiegen“, sagt Elisabeth Seemer, die bei der LWK in Bad Kreuznach im Beratungsteam arbeitet. „Viele Betriebe müssen in Räume investieren, in Verarbeitungsräume, Kühlräume, Transportfahrzeuge.“ Es gibt betriebswirtschaftliche Beratungen ebenso wie juristische und organisatorische; Seemer schickt Landwirte auch weiter zu Kollegen, die Ratschläge zum hofladentauglichen Aus- und Umbau des Betriebs geben können oder dazu, wie man an Fördermittel kommt. Und es kann auch vorkommen, dass sie Betrieben abrät – entweder von einem Versuch, sich zu vergrößern, oder von einem ersten Schritt in die Direktvermarktung. Es gebe durchaus Fälle, in denen sich beim Blick auf die betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten zeige, dass sich das nicht rentieren würde.
Das Interesse an der Direktvermarktung seitens der Betriebe hat in Seemers Wahrnehmung deutlich zugenommen. Das sei nicht erst seit Beginn der Corona-Krise so, es sei aber auch in der Pandemie ungebrochen – was darauf hinweist, dass es sich duchaus um ein nachhaltiges Phänomen handelt. „Die Betriebe stellen verstärkt ihre eigenen Produkte in den Vordergrund. Vor ein paar Jahren hatten die noch ein größeres Sortiment“, erklärt Seemer. Mittlerweile achteten die Kunden aber darauf, tatsächlich Produkte aus dem örtlichen Anbau zu kaufen. Auffällig sei auch, dass viele Betriebe stärker auf Service setzten – sei es mithilfe von Automaten, die rund um die Uhr genutzt werden können, oder durch Bestell- und Lieferdienste.
Anfang mit kleinem Stand an der Straße
Wie groß die finanzielle Bedeutung der Direktvermarktung für die Betriebe ist, vermag auch die LWK nicht zu sagen, unter anderem, weil ihre Klientel betriebswirtschaftlich betrachtet ziemlich divers ist, so Seemer: Von Landwirten, die ihren Verkauf eher hobbymäßig betrieben und professionalisieren wollten, bis hin zu solchen, die schon lange im Geschäft seien.
Bei den Pfälzer Hofläden hat es oft klein angefangen, mit einem einfachen Stand an der Straße. Andreas Jester erzählt, dass sein Laden so entstanden ist. Als sonstige Informations- und Inspirationsquellen nennt er die Möglichkeit zu Schulungen beim DLR, die Angebote der Firmen, die Hofläden ausrüsten, oder auch die Spargelmesse – die „ExpoSE/ExpoDirekt“, eine Doppelmesse zum Thema Direktvermarktung mit Schwerpunkt auf Spargel und Erdbeeren, die normalerweise alljährlich im November in Karlsruhe stattfindet. Der Guhl-Hof in Gerhardsbrunn hatte vor der Eröffnung des Hofladens bereits Erfahrung mit einem Marktstand und den Angeboten, die der Betrieb in der Kürbiszeit gemacht hat, sagt Sandra Guhl – eine spezielle Vorbereitung auf den Hofladen brauchten die Guhls nicht. Ina Freyer hatte ursprünglich auf ihrem Hof einen Milchautomaten aufstellen wollen; nachdem sie aber statt der Milch- die Fleischviehhaltung als Geschäftsmodell gewählt hatten, hatte sie die Idee von einem Hofladen umgesetzt – ohne zuvor Erfahrungen auf dem Feld zu haben.
Eine Idee aus Hessen wird schon seit 2011 bei den Filialen einer Supermarktkette in Rheinhessen umgesetzt, der „Landmarkt“. Dabei werden in den Supermärkten in einem gesonderten Bereich Produkte der Landwirtschaft aus dem Umland verkauft. Die Landwirtschaftskammer – die über die Vereinigung der Direktvermarkter Rheinland-Pfalz die Geschäfte des Projekts führt – bezeichnet das Konzept als „Win-Win-Situation“, einen Gewinn für beide Seiten: Es gewähre den Verbrauchern größtmögliche Transparenz und den Landwirten einen direkten Absatzweg, ohne dass sie selbst einen Marktstand oder Hofladen betreiben müssen. Laut LWK gibt es in Rheinland-Pfalz bisher 35 Supermärkte mit einem „Landmarkt“. In der Pfalz liegt bisher keiner davon. In Hessen haben über 250 Supermärkte einen „Landmarkt“ unter ihrem Dach.