Grossbritannien
Wieder leere Regale im Königreich
Im Dezember waren es die Eier, die auf der Insel knapp wurden. Jetzt ist es das Gemüse. Immer mehr britische Supermärkte müssen Tomaten, Gurken oder Salat rationieren. Die Briten stehen vielerorts wieder vor leeren Regalen. Ein Viertel aller Kunden, meldete die Statistikbehörde ONS, gebe an, dass die Lebensmittel, die sie kaufen wollten, nicht erhältlich seien. „Salat könnte ein Luxus für Monate werden“, lautete eine Schlagzeile in der „Times“.
Den Anfang machten diese Woche die Supermarktketten Asda und Morrisons. Sie verordneten ihren Kunden ein Limit beim Einkauf von Tomaten, Paprika, Gurken, Salatköpfen und -mischungen, Brokkoli, Blumenkohl und Himbeeren. Am Mittwoch zogen der Discounter Aldi und Marktführer Tesco nach und erlaubten nur den Kauf von drei Packungen pro Person. Die Durchsetzung der sogenannten „Fair Purchase Policy“ (etwa: gerechte Bezugsregeln) soll in erster Linie verhindern, dass sich Großhändler oder Restaurants mit Massenkäufen im Supermarkt eindecken, weil ihnen der Nachschub ausgeht. Auch für normale Kunden sollen noch Produkte übrig bleiben. Freilich kann eine Rationierung bei der Kundschaft schnell die Tendenz zum Hamstern steigern. Dadurch leeren sich Regale noch schneller.
Womöglich noch monatelang Versorgungsengpässe
Im Winter bezieht Großbritannien Gemüse und Früchte hauptsächlich aus dem Ausland. 90 Prozent an Salatprodukten und 95 Prozent aller Tomaten werden importiert, vor allem aus Nordafrika und Spanien. Der Grund für die gravierenden Nachschubprobleme seien Missernten aufgrund des schlechten Wetters, sagt Richard Price vom Online-Händler Britstore. Einen weiteren Aspekt nennt Minette Batters, Präsidentin der National Farmers Union, die 46.000 Betriebe vertritt: die rasant gestiegenen Energiepreise und die Entscheidung der Regierung, die heimische Landwirtschaft nicht zu unterstützen. Daher könnten die Versorgungsengpässe auf Monate hinaus bestehen bleiben.
Justin King, Direktor bei der Handelskette Marks and Spencer, sieht auch den Austritt aus der EU als Grund für die britische Nachschubmisere. Da Erntehelfer aus der EU ausbleiben, entstand Personalmangel, die Lohnkosten stiegen. Lieferketten werden zudem durch Zollkontrollen gestört, weil ein erhöhter bürokratischer Aufwand zu längeren Wartezeiten an den Grenzen führt – besonders bei verderblichen Waren ein Problem.