Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Wer kontrolliert die KI?

Elon Musk warnt vor „mächtigen KI-Systemen“.
Elon Musk warnt vor »mächtigen KI-Systemen«.

Die Warnungen vor den Gefahren durch künstliche Intelligenz mehren sich. Aufhalten lässt sich die technologische Entwicklung aber nicht mehr. Eine kluge Regulierung ist gefragt.

Die jüngste Wortmeldung kam aus berufenem Munde: Geoffrey Hinton war einer der führenden Entwickler künstlicher Intelligenz (KI) beim Internetriesen Google. Er hat seinen Job gekündigt und in der „New York Times“ gewarnt, die Fortschritte im Feld der KI bedeuteten „ernste Risiken für die Gesellschaft und für die Menschheit“. Er verwies unter anderem auf die Verbreitung von Falschnachrichten und den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen.

Schon Ende März haben der Tech-Milliardär Elon Musk und zahlreiche Experten eine Pause bei der Entwicklung von besonders fortschrittlicher künstlicher Intelligenz gefordert: „Mächtige KI-Systeme sollten erst dann entwickelt werden, wenn wir zuversichtlich sind, dass ihre Auswirkungen positiv und ihre Risiken kontrollierbar sind.“

Man kann also nicht behaupten, wir wären nicht gewarnt worden, nachdem der Textautomat ChatGPT ein breites Publikum ins Staunen versetzt und das Potenzial dieser Technologie eindrucksvoll vor Augen geführt hat. Die KI hat seit den 50er Jahren immer wieder sogenannte Winter erlebt – Phasen, in denen die Forschung erlahmte. Damit ist aktuell nicht zu rechnen, eher dürfte sich der Fortschritt noch beschleunigen.

USA und sogar Industrie im Team Vorsicht

US-Vizepräsidentin Kamala Harris nahm die Warnungen auf, als sie sich am Donnerstag mit Spitzenvertretern führender Konzerne traf. Sie hätten bei der KI-Entwicklung „eine ethische, moralische und rechtliche Verantwortung, die Sicherheit ihrer Produkte zu gewährleisten“, mahnte sie. Gemeinsam mit Präsident Joe Biden setze sie sich dafür ein, „neue Regelungen voranzutreiben und neue Gesetze zu unterstützen“.

Der Ruf nach einer Regulierung von KI ist also unüberhörbar geworden. Bemerkenswert, dass selbst die USA und dort sogar Teile der Industrie nun zum Team Vorsicht zu gehören scheinen. Die Unternehmen aus dem Silicon Valley gründeten ihre Vormachtstellung bislang darauf, dass sie ohne große gesetzliche Beschränkungen ihren Geschäften nachgehen konnten.

Die Frage wird sein, wem eine Regulierung gelingt, die die mit KI verbundenen Risiken beherrschbar macht und gleichzeitig die wirtschaftlichen Chancen durch den Einsatz der Technologie wahrt. Dabei geht es nicht darum vorzusorgen, dass eine dem Menschen überlegene Maschine nach der Weltherrschaft greifen kann. Solche Bedrohungsszenarien gehören ins Reich der Science-Fiction. Stattdessen müssen konkrete Punkte geklärt werden: Wie soll zum Beispiel gekennzeichnet werden, dass KI im Spiel ist? Wer trägt Verantwortung, wenn Anwendungen automatisierte Entscheidungen über Menschen treffen (etwa in der Justiz)? Wie beugt man bösartigen Nutzungsabsichten vor?

Kein taugliches Modell aus China

Das von Musk & Co. ins Spiel gebrachte kurzzeitige Moratorium ist jedenfalls keine Lösung, es wäre schwer umsetzbar. China treibt derweil nicht nur die technologische Entwicklung im Bereich KI voran, sondern auch die Regulierung. Das taugt allerdings kaum als globales Modell, wird doch unter anderem auf die Beachtung der „Grundwerte des Sozialismus“ abgehoben.

Die Europäische Union wiederum beschäftigt sich schon lange mit dem Thema. Geplant sind nach Risiko der Anwendung gestaffelte Auflagen und Vorabüberprüfungen. Doch bis ein solches Gesetz beschlossen ist und tatsächlich greift, vergehen noch einige Jahre. Wer weiß, womit künstliche Intelligenz bis dahin aufwarten kann.

Lesen Sie außerdem: „Unbeherrschbar ist die künstliche Intelligenz nicht“

x