ARBEITSWELT
Mittags ein Minutenschläfchen: Wie sinnvoll ist eine Sommer-Siesta in unseren Gefilden?
Südeuropa glüht gerade. 44 Grad und mehr. Bei uns in der Pfalz ist der bisher heißeste Tag des Sommers schon etwas her: Das war vielerorts der 9. Juli mit rund 35 Grad; jene Tageshöchstwerte wurden zwischen 15 Uhr und 16 Uhr gemessen. Dieser Mittwoch soll hier nun immerhin der heißeste Tag dieser Woche werden mit über 29 Grad in der Spitze.
Harte körperliche Arbeit im Freien kann gerade in der Mittagshitze sehr gefährlich sein. Auch im Büro arbeitet es sich gemeinhin nicht ganz so gut, wenn die Raumtemperatur 30 Grad oder mehr beträgt. Und weil das vor allem am Nachmittag der Fall ist, rät etwa Johannes Nießen, „komplexe Arbeitsanforderungen“ gerade im Sommer lieber in die frühen Morgenstunden zu verschieben.
Morgens früh gleich produktiv arbeiten
Der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wir sollten uns bei Hitze an den Arbeitsweisen südlicher Länder orientieren: Früh aufstehen, morgens produktiv arbeiten und mittags Siesta machen, das ist ein Konzept, das wir in den Sommermonaten übernehmen sollten.“
Wichtig ist, das kennt jeder, dass man möglichst früh in der Morgenkühle das Büro gut durchlüftet. Das hilft gerade dann, wenn die Räume nicht klimatisiert sind und gar so liegen, dass die Morgen- oder Mittagssonne sie schön erwärmt. „Bei starker Hitze sind Menschen nicht so leistungsfähig wie sonst. Schlechter Schlaf bei fehlender Abkühlung in der Nacht führt zusätzlich zu Konzentrationsproblemen“, sagte Nießen.
Auf den eigenen Körper hören
Da stehen viele Menschen von sich aus gerne früh auf und machen sich ans Tagwerk. Gewährt der Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten, ist das auch in diesem Fall der Produktivität zuträglich. Jeder hat seinen eigenen Biorhythmus und spürt, was für ihn gut ist. Ob er eine Siesta machen will, um produktiver zu sein, kann jeder gut selbst testen. Manche schwören auf einen mittäglichen Kurzschlaf von sieben bis zehn Minuten, andere lassen es zur Mittagszeit nur langsamer angehen.
In Spanien gibt es trotz vieler durchgehend geöffneter Supermärkte noch Beispiele für längere Mittagspausen; manche Geschäfte schließen etwa zwischen 14 und 17 Uhr und machen dann abends länger auf. Ob das für die Beschäftigten im Sommer auch bei uns gut wäre? Das hängt stark von der individuellen Situation ab – etwa von den Schul- oder Kindergartenzeiten des Nachwuchses, den eigenen Zeiten, Sport oder Musik zu machen oder auch denen der Kinder.
Gemütliches Mittagessen statt Kurzschlaf
Einen längeren Mittagsschlaf während der Siesta halten die wenigsten Spanier noch. Ein gemütliches Mittagessen mit leckeren Getränken oder eine Runde Schwimmen sind eher angesagt. Dafür müssen sie abends dann länger arbeiten.
„Siesta in der Hitze ist sicherlich kein schlechter Vorschlag“, schrieb Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Dienstag auf Twitter. „Das sollten aber Arbeitgeber und Arbeitnehmer selbst aushandeln“, betonte der Gesundheitsminister. Medizinisch sei das „sicher für viele Berufe sinnvoll“. Bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern setzt das Flexibilität voraus – und eine gute Organisation. Nur dann lässt sich in Ruhe eine Sommer-Siesta zelebrieren.