Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Mit der Bundesgartenschau hat Mannheim eine große Chance

Die neue Mitte des Luisenparks.
Die neue Mitte des Luisenparks.

Damit eine Bundesgartenschau als Erfolg gilt, muss sie weit über die Veranstaltung hinaus wirken. Die Proteste vor der am Freitag beginnenden Veranstaltung waren indes groß.

Das Wort klingt nach Frühling, Sonne und jeder Menge prächtiger Pflanzen. Die Bundesgartenschau – seit 1951 findet sie alle zwei Jahre in wechselnden deutschen Städten statt. 2011 war sie in Koblenz und damit zum bislang einzigen Mal in Rheinland-Pfalz. 2021 gastierte die Buga, wie die Veranstaltung gerne abgekürzt wird, in Erfurt. Und ab heute macht die Schau für die nächsten sechs Monate Station in Mannheim – nach 1975 zum zweiten Mal. Und natürlich werden dort wie immer auch Blümchen gezeigt. Genau darum kommen wahrscheinlich die meisten Besucher. Je älter Menschen werden, desto mehr erfreuen sie sich üblicherweise an der Blütenpracht. Wenn es allerdings nur darum ginge, wären der Bevölkerung zehn Jahre Planungszeit wahrscheinlich eher schwer zu erklären. Leicht zu vermitteln war die ganze Sache vielen Mannheimern so oder so nicht.

Es geht um Dinge wie Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung, die eine Bundesgartenschau anstoßen soll. Etwas pathetischer formuliert: Es geht um eine Vision, um etwas, das die Veranstaltung an sich überdauert. Dass sie in Mannheim behaupten, ihre Bundesgartenschau werde die nachhaltigste aller Zeiten, klingt zwar gut, reicht aber nicht. Die entscheidende Frage lautet: Was bleibt von dem mit riesigem Aufwand aus dem Boden gestampften Ereignis?

Lange Vorgeschichte

Wer die große Idee dahinter verstehen will, muss die lange Vorgeschichte des Jahrhundert-Projekts zumindest grob kennen. Im Jahr 2012 verließ die in Mannheim stationierte amerikanische Armee ein zwischen den Stadtteilen Feudenheim und Käfertal gelegenes Gelände namens Spinelli. Nach und nach räumten die US-Truppen in dieser Zeit fast alle Kasernen, die kreuz und quer über Mannheim verteilt waren. Die Stadt erkannte die 500 Hektar schnell als Geschenk und schmiedete Pläne, wie die Areale für Wohnen, Gewerbe und Grün genutzt werden könnten. Und eben jener Spinelli-Park wurde für eine Bundesgartenschau reserviert. Freilich auch mit dem Hintergedanken, auf diese Weise die unterschiedlichsten Fördertöpfe in Berlin und Stuttgart anzuzapfen, aus denen viele Millionen in etliche Infrastruktur-Projekte fließen sollten.

Und am Freitag – nach Bürgerprotesten, Parteienzoff und Kritik von Umweltverbänden an aus ihrer Sicht unverhältnismäßigen Eingriffen in einem benachbarten Landschaftsschutzgebiet – kann das Fest also beginnen. Zur feierlichen Eröffnung kommt sogar der Bundespräsident, wie er das immer zu diesem Anlass tut. Dass der Luisenpark, Schauplatz der Bundesgartenschau vor 48 Jahren, mit einer extra aufgebauten Seilbahn quasi als Satellit an das Hauptgelände angeschlossen wird, hat zudem einen gewissen Charme.

Der Grünzug bleibt

Der Clou an der ganzen Buga-Sache ist aber das: Wenn alle angelegten Beete im Oktober wieder verschwunden und der letzte Stand abgebaut ist, soll der sogenannte Grünzug Nordost bleiben. Er verbindet den Käfertaler Wald im Norden der Stadt mit dem Neckar. Das Spinelli-Areal ist Frischluftschneise, Naherholungsgebiet und Artenschutzbiotop. Das ganze Projekt geht über diesen grünen Teil hinaus. Ein Radschnellweg soll ebenso entstehen wie 1800 neue Wohnungen und ein Grüngürtel mit Spielflächen am Rand des Geländes im Nordosten der Stadt.

Jetzt aber drückt erst einmal die Bundesgartenschau Mannheim ihren Stempel auf. Sie greift wie immer die großen Themen der Zeit auf. Schlagworte sind Klima, Umwelt, Energie und Nahrung. Die Veranstalter wären wohl glücklich, wenn die Besucher sich nicht nur an den Blumen erfreuten, sondern auch etwas fürs eigene Leben mitnehmen.

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