Holocaust-Gedenken
Eine heikle Personalie spaltet Israel
Es ist eine unwürdige Posse, die sich da um einen der symbolträchtigsten Posten des jüdischen Staats abspielt. „Ich will mein Geld zurück“, witzelt der Israeli Yosi. Seine Erbtante hat vor 20 Jahren ihr gesamtes Geld der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vermacht. Und jetzt will Benjamin Netanjahu, der israelische Ministerpräsident, ausgerechnet Effi Eitam zum Direktor des Museums machen. Eitam, vormaliger General, ist berüchtigt für Anordnungen an Soldaten, besonders brutal gegen Palästinenser vorzugehen. Später wurde er Abgeordneter, nannte israelische Araber einen „Krebs“, sie seien „dunkle Mächte“, die umgebracht oder vertrieben werden müssten.
Klingt so ein Direktor der weltberühmten Gedenkstätte, die ein Ort des Erinnerns und der Versöhnung ist, wo die Menschheit ermahnt wird, zu verstehen, was passiert, wenn Menschen verächtlich gemacht werden?
Protest von Holocaust-Forschern
Die Israelin Margalit zuckt mit den Achseln. „Ich erwarte nicht mehr. Spätestens im vergangenen Januar hat man gesehen, dass auch in Yad Vashem vor allem politische Zwecke verfolgt werden.“ In der Tat: Bei den hochkarätig besetzten Feierlichkeiten zur Auschwitz-Befreiung vor 75 Jahren kam erst im Anschluss an die offizielle Veranstaltung ein Überlebender zu Wort. Stattdessen durften Staatsoberhäupter aus der ganzen Welt reden. Kritiker sprachen von einer Instrumentalisierung des Holocaust zu staatspolitischen Zwecken.
Immerhin: Die Personalie Effi Eitam hat einen Aufruhr ausgelöst. 750 internationale Holocaustforscher, Überlebende und Museumsdirektoren, unter ihnen auch Cilly Kugelmann, bis 2017 Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin, haben protestiert. Eitams „hasserfüllte Rhetorik“ stehe „im Widerspruch zu der erklärten Mission von Yad Vashem“.
Yosis Vater, der 1945 als Sechsjähriger von den Russen in Theresienstadt befreit wurde, sagt es so: „Effi Eitam als Direktor von Yad Vashem wäre das Absurdeste, was ich seit Langem gehört habe.“ Es gebe doch genügend Leute, die sich auskennen. „Warum nicht die?“ Noch muss das Parlament, die Knesset, die Besetzung des Postens absegnen. Israelischen Medien zufolge ist es unwahrscheinlich, dass Netanjahus Koalitionspartner Benny Gantz der Personalie Effi Eitam zustimmt. Dem Ansehen Israels hat sie schon jetzt geschadet.