Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die Türkei muss gegen Putin klare Kante zeigen

Ein spezielles Verhältnis: der türkische Staatspräsident Erdogan (links) und sein russischer Amtskollege Putin.
Ein spezielles Verhältnis: der türkische Staatspräsident Erdogan (links) und sein russischer Amtskollege Putin.

Die russische Attacke auf Odessa ist auch eine Provokation für Ankara. Denn die Türken sind Schutzmacht des Getreide-Deals.

Monatelang haben türkische Unterhändler an einer Lösung für die festsitzenden Getreidevorräte in der Ukraine gearbeitet. Schließlich gelang es ihnen gemeinsam mit den Vereinten Nationen eine Lösung zu finden, um 20 Millionen Tonnen Getreide mitten im Krieg zu den Weltmärkten zu bringen. Damit könnte die globale Versorgungskrise teilweise gelöst werden.

Den Applaus aus der ganzen Welt hatte die Türkei bei Vertragsabschluss am Freitag deshalb verdient. Doch die Freude hielt nicht einmal 24 Stunden. Der russische Raketenangriff auf den Hafen der ukrainischen Stadt Odessa zeigt, dass der eigentliche Härtetest für die türkische Außenpolitik gerade erst begonnen hat. Der Beschuss ist eine gezielte Provokation gegen das Istanbuler Abkommen, das Moskau selbst unterzeichnet hat.

Glaubwürdigkeit in Gefahr

Der türkische Präsident Erdogan muss jetzt etwas tun, was er seit Kriegsbeginn sorgsam vermieden hat: Er muss sich gegen Russland stellen. Bleibt er weiter bei seiner wachsweichen Linie gegenüber Wladimir Putin, setzt er die Glaubwürdigkeit seines Landes aufs Spiel.

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