Meinung
Ausgang des Klimagipfels: Schlecht für junge Leute
Wenn man so will, fand der diesjährige Welt-Klimagipfel auf drei verschiedenen Bühnen statt: an zwei Ferienorten, im ägyptischen Scharm el Scheich und auf der indonesischen Insel Bali, sowie in Washington. Die jetzt zu Ende gegangene zweiwöchige COP27 in Ägypten war das eigentliche Klimatreffen, zeitgleich fand ein kurzer G20-Gipfel im Pazifik statt. Doch auch der Ausgang der Zwischenwahlen in den USA, die den beiden Mammuttreffen vorausgingen, war wichtig. Denn das Ergebnis der Kongresswahlen bestimmt den Handlungsspielraum des US-Präsidenten, in diesem Fall Joe Biden.
Alle außenpolitischen Abmachungen der USA – auch in der internationalen Klimapolitik – müssen vom Senat gebilligt werden, der komplett neu gewählt wurde. Dass die Republikaner den US-Senat wider Erwarten nicht gekapert haben, hilft Joe Biden – aber auch dem Weltklima. Wiederholt haben die US-Amerikaner beim Klima ja Großes verkündet, doch unter einem anderen Präsidenten oder bei einer geänderten Machtkonstellation wurde alles wieder kassiert.
China und USA reden wieder
Auf dem anschließenden G20-Gipfel in Indonesien, auf dem Biden wegen der halbgewonnenen Wahl selbstbewusster auftreten konnte, erreichte die Welt sodann eine gute Nachricht: Der größte Verursacher von Treibhausgasen (China) und der zweitgrößte (USA) wollen nach langer Eiszeit wenigstens beim Klima wieder intensiver miteinander reden. Fakt ist: Globaler Klimaschutz ist ohne die Kooperation der beiden Riesen unmöglich. 2021 entfielen auf China und die USA 44 Prozent der weltweiten Treibhausgase.
Das war’s im Wesentlichen aber auch schon mit den guten Nachrichten. Denn die G20 rangen sich ansonsten in Sachen Klima nur zu Appellen durch, die man in ähnlicher Form schon kannte. Dabei sind immer wieder Forderungen laut geworden, die jährlichen Welt-Klimagipfel mit 200 Staaten abzuschaffen – zugunsten der G20. Stehen die in diesem Format versammelten Länder doch für vier Fünftel der globalen Wirtschaftskraft – und für über 80 Prozent des weltweiten Ausstoßes an Kohlendioxid. Doch eine COP, ein „traditioneller“ Klimagipfel, bei dem die ärmeren Länder ihre Anliegen und Ängste wegen der Folgen der Erderhitzung vortragen und Druck auf die reicheren Staaten ausüben können, ist eben keineswegs durch ein Machtkartell der wichtigsten Staaten zu ersetzen.
Historischer Schritt
In der Tat ereignete sich beim eigentlichen Klimagipfel am Roten Meer Historisches: Erstmals nach drei Jahrzehnten Klimaverhandlungen einigten sich die Staaten unterm Dach der Vereinten Nationen darauf, einen Fonds zum Ausgleich von Klimaschäden zu schaffen. Allerdings: Heikle Fragen sind ungeklärt. Fragen wie: Welche ärmeren Länder sollen überhaupt Entschädigungen für Dürren und untergehende Städte erhalten? Und: In welchem Maße sollen auch Schwellenländer wie China, die viel Treibhausgas ausstoßen, neben den „alten“ Industrieländern einzahlen?
In einem anderen Punkt muss man indes ein historisches Versagen feststellen. Obwohl klar belegt ist, dass die Anstrengungen der Nationalstaaten nicht ausreichen, um den Klimawandel stark genug zu dämpfen, gab es in Ägypten keine Verpflichtungen zum Nachschärfen. Schlimmer noch: Die Ursache der Krise, das Verbrennen fossiler Stoffe, wird nicht wirklich beim Namen genannt. Das bereits im Vorjahr beschlossene allmähliche Aus für Kohle wird zwar erneut bekräftigt, zu Öl und Gas findet sich – so gut wie nichts. Die Förderländer und ihre Lobbyisten haben sich erneut durchgesetzt. Das sind schlechte Nachrichten für junge Menschen.