Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Woogbach und Speyerbach: Als Verkehrswege jahrhundertlang nützlich

Woog- und Speyerbach: Das Teilungswehr bei Hanhofen.
Woog- und Speyerbach: Das Teilungswehr bei Hanhofen.

Wald erzählt Geschichte(n): Immer wieder stößt man bei Touren durch Wald und Wiesen im Rhein-Pfalz-Kreis auf Bäche. Floßbach, Rehbach, Woogbach und Speyerbach sind meist recht schmal und auffällig gerade. Das hat durchaus seine Gründe: In diesem Teil unserer Waldserie „triften“ wir ab.

Dort ein Stück Floßbach, da ein bisschen Rehbach, hier ein paar Meter Woogbach. Der Floßbach zweigt in der Nähe von Schifferstadt vom Rehbach ab und mündet in die Isenach. Der Rehbach ist der linke Mündungsarm des Speyerbachs. Und der Woogbach ist der linke Seitenarm des Speyerbachs. Na, verwirrt? Das kann man nämlich werden, wenn man die vorderpfälzischen Bachläufe auf der Landkarte und im Internet verfolgt. „Bei Spaziergängen durch Wald und Wiesen trifft man immer wieder ganz real auf die Bäche und fragt sich, wo sie herkommen und wohin sie fließen“, sagt Volker Westermann, Bildungsförster beim Forstamt Pfälzer Rheinauen. „Interessant ist das Netz, das sie bilden. Wie schnurgerade sie sich oftmals durch die Landschaft ziehen – was kein Zufall ist.“

Auf der Wasserstraße

Zu Demonstrationszwecken stehen wir bei Hanhofen am Teilungswehr. Hier gibt der Speyerbach ein Teil seines Wassers für den Woogbach ab. „Und hier sieht man sehr gut, wie der Bachlauf künstlich begradigt und der Uferrand befestigt ist“, sagt Westermann. „Damit sich Stämme besser transportieren ließen.“ Holztrift lautet das Stichwort für diese Waldgeschichte. Es ist eine sehr alte Geschichte. „Bereits im Mittelalter überlegten sich die Menschen, wie sie Brennholz und Bauholz möglichst einfach und kostengünstig transportieren konnten. Es gab wenige Straßen. Die Eisenbahn war noch nicht erfunden. Aber es gab ein gutes Netz an Bächen vom Pfälzerwald bis in die Vorderpfalz, das weiter ausgebaut wurde. Es entwickelte sich ein neues Gewerbe“, berichtet der Förster.

Andenken an die „Triftler“. Trifterlebnispfad bei Elmstein.
Andenken an die »Triftler«. Trifterlebnispfad bei Elmstein.

Der Begriff Triften ist ein Begriff, der sich aus dem Wort Treiben entwickelt hat. Im engeren Sinne versteht man unter Triften den Transport von losen kurzen Holzstücken im fließenden Wasser, der vom Ufer aus gesteuert wird. „Die Bäche, die man dafür nutzte, nannte man entweder Trift- oder Floßbach“, erklärt Westermann. Der Unterschied zum Flößen, bei dem zusammengebundene Stämme auf größeren Flüssen und Strömen transportiert wurden, wird damit klar. Die drei wichtigsten Triftbäche im Pfälzerwald in Richtung des Rheins waren der Speyerbach, die Queich und die Wieslauter. Der Speyerbach lieferte das Wasser für den Floßbach. Und damit wären wir wieder beim Irrnetz der Bachläufe. „Ich nehme mal an, die Triftler hatten den Überblick. Und das Holz kam gut vom Wald in die Städte, wo es die Menschen brauchten“, meint Westermann.

Am Rehbach soll alten Dokumenten zufolge schon 1285 Holz geflößt worden sein. Für den Oberlauf des Speyerbachs ist die Holztrift für das Jahr 1330 urkundlich bezeugt. 1403 wurde der Speyerbach per königlicher Verfügung den Flößern ganzjährlich für ihre Arbeit freigegeben. Das waren die Anfänge. „Die Menschen brauchten aber immer mehr Holz. Im 18. und 19. Jahrhundert waren Waldarbeiter in der Pfalz – Elmstein war ein Zentrum – das ganze Jahr über beschäftigt, Bäume zu fällen und sie in triftbare Holzscheite zu zerlegen“, sagt Westermann. Die Stämme wurden in die Städte gebracht. Etwa nach Mannheim. Die Stadt brauchte nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg Holz zum Wiederaufbau. „Wald wurde zu dieser Zeit arg ausgebeutet.“ Aus diesem Grund entwickelte sich dem Förster zufolge das forstwirtschaftliche Handlungsprinzip der Nachhaltigkeit. „Sprich: Nur so viel Holz zu schlagen, wie auch wieder nachwachsen kann.“

Wir laufen ein bisschen am Woogbach entlang. „Das mussten die Triftknechte auch“, erzählt Westermann. „Sie hatten lange Stangen mit einem Haken, um die Holzscheite anzuschubsen, wenn sie sich verhakten und stauten. Ich habe einen Aufsatz des Maxdorfer Heimatforschers Walter Sattel zu dem Thema gelesen. Demnach waren während der Triftzeit – die Saison dauerte etwa von Ende September bis Ende April – zwischen Elmstein und dem Rhein immer rund 50 Triftknechte an den Bächen beschäftigt. Und was ich richtig interessant fand: Für eine Übernachtung in der Herberge oder einer Mühle zahlten sie mit einem Holzstück.“

Noch ein paar interessanten Fakten aus Sattels Aufsatz: Es herrschte damals Bachstadenrecht, jeder Anrainer an einem Bach musste den Triftknechten und Bachinspektoren – sie kontrollierten die Triftstrecken – erlauben, auf Fußpfaden am Ufer entlang zu gehen. Es entwickelte sich mit der Zeit eine eigene Infrastruktur. „Mit der Zuschlagung der Pfalz zu Bayern 1816 erfolgte das Triften und der Ausbau der Bäche stabsmäßig“, erzählt Westermann. Um die Bäche für den Triftbetrieb nutzen zu können, wurden sie nicht nur begradigt und die Ufer befestigt, wie wir es etwa hier bei Hanhofen sehen. Es mussten auch Läufe für eine bessere Strömung verengt und vertieft, an Mühlen Bypässe gelegt werden, um sie zu „umschiffen“. Im Pfälzerwald wurden Triftwooge angelegt. Heute werden diese kleinen Stauseen oftmals zum Baden benutzt. Über diese Staubecken wurde Schwallwasser in die Bachläufe gegeben, um das Holz anzustubsen, das Männer an den Einwurfstellen ins Wasser warfen. „Das Ganze war eine unglaublich harte Arbeit. Und zwar jeder Arbeitsschritt. Denn die Bäume mussten ja noch von der Stelle im Wald, an der sie geschlagen wurden, zu einem der Bäche transportiert werden. Dafür ging es quer durch den Wald mit einer Art Schlitten. Das war auch sehr gefährlich“, berichtet Westermann.

Am Floßbach

Mit dem Förster fahren wir zum Floßbach. Denn durch den Rhein-Pfalz-Kreis zieht sich ein Flüsschen, das für unser Thema heute den passenden Namen trägt. Für den Maxdorfer Historiker Sattel besonders erwähnenswert, weil am Floßbach-Ufer später Maxdorf entstand. Anders als die anderen Triftläufe geht er nicht von West nach Ost, sondern zieht sich von Süd nach Nord. Der Querverlauf war laut Sattel nur möglich, weil er von der Schleuse am Rehbach bis zur Isenach bei Lambsheim immerhin ein Gefälle von drei Metern hat. „Das Holz musste ja in Schwung bleiben“, meint Westermann. Wir schauen ins Floßbach-Wasser. Ja ... so ganz leicht ist eine Strömung zu erkennen ... Wir werfen ein Holzstückchen hinein. Kleines Trift-Experiment am Rande. Die Zeiten, dass sich hier ordentliche Baumstämme vorbeischoben, sind lange vorüber. „Mit der Eisenbahn war alles vorbei“, sagt Westermann. 1847 nahm eine Bahn ihren Verkehr zwischen Neustadt und Ludwigshafen auf, der Triftbetrieb in der Pfalz verlor bald an Bedeutung.

Ein Stück Floßbach.
Ein Stück Floßbach.

Dort ein Stück Floßbach, da ein bisschen Rehbach, hier ein paar Meter Woogbach. Die alten Triftrouten sind aber noch da und zeugen von dem alten Gewerbe. Nur teils saturiert ziehen sie sich begradigt und befestigt durch die Vorderpfalz, durch Wald und Wiesen. „Dieses mal erzählen uns eigentlich die Bäche eine Geschichte“, meint Westermann und lacht. Der Titel? Der Förster überlegt und sagt mit einem Schmunzeln: „Wie der Wald in die Stadt schwamm.“ Oder: Voll abgetriftet.

Die Serie

Wald erzählt Geschichte, oft seine eigene. Wie er entstanden ist zum Beispiel. Aus welchen Bedürfnissen heraus. Oder welche Ereignisse ihn prägten. Wald erzählt aber auch Geschichten: dramatische, romantische und bisweilen sehr lustige.

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