Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Vor 140 Jahren: Zwei Dörfer unter Wasser

Kreisbeigeordneter Manfred Gräf mit Grundschülern in der Bobenheim-Roxheimer Bücherei. Dort erinnern zwei Stellwände an das hist
Kreisbeigeordneter Manfred Gräf mit Grundschülern in der Bobenheim-Roxheimer Bücherei. Dort erinnern zwei Stellwände an das historische Hochwasser vor 140 Jahren.

Am Jahreswechsel 1882/83 erlebte Bobenheim-Roxheim eine Hochwasserkatastrophe. Altbürgermeister Manfred Gräf hat sein Wissen darüber fürs Kreisjahrbuch und für eine kleine Ausstellung zusammengefasst, und zwar so, dass Kinder damit etwas anfangen können.

„Das Leben am Fluss“ heißt Gräfs Artikel im Jahrbuch 2023 des Rhein-Pfalz-Kreises, der mit 20 bunten Bildern illustriert ist, die Drittklässler der Grundschule Pestalozzi in Bobenheim-Roxheim gezeichnet haben. Zu sehen sind sie bis 31. Januar in der Gemeindebücherei und wahrscheinlich beim Neujahrsempfang der Gemeinde am 15. Januar in der Jahnhalle.

In seinem Beitrag schildert Gräf, der Beigeordneter des Landkreises ist und der CDU angehört, die Ereignisse im Winter vor 140 Jahren am Beispiel der Familie von Valentin und Apollonia Voll, die um Weihnachten herum weiteren Nachwuchs erwarteten. „In meiner Zeit als Sonderschullehrer habe ich auch Geschichte unterrichtet“, sagt der 70-Jährige. „Daher weiß ich: Das geht am besten über persönliche Geschichten, die dann in den größeren Zusammenhang gestellt werden.“

Lehmhäuser einfach weggespült

So geht Gräf vor, als er Ende Dezember in der Bücherei die Schüler der Klassen 4a und 4b empfängt, die im Schuljahr zuvor die Bilder gemalt haben. Da ging es im Unterricht um den Rhein, die Besiedlung seiner Ufer und den Klimawandel, der Flüsse wieder zu einer Bedrohung werden lässt. Der Pädagoge erzählt, wie die Bobenheimer und Roxheimer bereits im November bei Dauerregen Angst bekamen. Das Haus der Familie Voll ist aus Lehm gebaut, was später der Grund sein wird, warum sich das Gebäude in den Fluten einfach auflöst.

In der Überlieferung von Gräfs Verwandtschaft heißt es, der kleine Jakob Voll habe seinen Vater zum Dienst als Dammwächter begleitet und mehr als sonst auf dem kleinen Bauernhof mithelfen müssen, weil es seiner Mutter und der am 18. Dezember geborenen Schwester Christine nicht gut gegangen sei. Unterdessen bahnt sich das Unheil in den Alpen an, wo plötzlicher Föhn die Schneemassen in kürzester Zeit zum Schmelzen bringen. „Radio, Fernsehen, Handy, Zeitung und Wetter-App“, zählen die Grundschüler auf, als Gräf sie fragt, wie man denn heute vor so einer Gefahr gewarnt werden kann.

Notbehelf in Kleinniedesheim

In der Neujahrsnacht 1882/83 bricht der Deich, und die Wassermassen ergießen sich von Süden her über Roxheim, dann über Bobenheim. Die meisten Bewohner können froh sein, wenn sie nicht ertrinken, ihr Hab und Gut geht weitgehend verloren. Familie Voll kommt, wie etliche andere, vorübergehend im Kleinniedesheimer Schloss unter, bevor die Landesregierung – die Pfalz gehört damals zu Bayern – Hilfe leistet mit dem Bau von Notunterkünften.

„So schnell kann man in eine Notsituation kommen“, sagt Gräf zu den Pestalozzischülern, die das aber wohl längst verstanden haben, denn die Flutkatastrophe vor anderthalb Jahren an der Ahr ist nicht an ihnen vorbeigegangen. Dafür, dass sie so beeindruckende Bilder für das Kreisjahrbuch gemalt haben, bekommen sie von Manfred Gräf ein „Honorar“, das in die Klassenkassen wandert.

Er selbst spannt noch einmal den Bogen zur Gegenwart, zu Deichverstärkungen, Polderbau und Sicherheitskonzepten. Denn der Hochwasserschutz in der nördlichen Vorderpfalz, für den er sich als Bürgermeister von Bobenheim-Roxheim sehr engagiert hat, ist für ihn nach wie vor ein wichtiges Thema. Nicht nur als Stoff für den Heimatkundeunterricht.

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