Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mal aus dem Alltag aussteigen mit besonderen Sitzbänken

Sich mal eine kleine Auszeit gönnen, das kann man auch im Alltag bei einem Spaziergang. Mit dem Angebot „Himmelwärts“ können auc
Sich mal eine kleine Auszeit gönnen, das kann man auch im Alltag bei einem Spaziergang. Mit dem Angebot »Himmelwärts« können auch Worte und Bilder wie Balsam für die Seele wirken.

„Himmelwärts“ kann der Blick derer schweifen, die sich auf den acht Ruhebänken niederlassen. Und wer sein Handy dabei hat, kann Meditationen, religiöse Texte, Wortspiele und mehr abrufen. Die gleichnamige Aktion von Gemeinde und Kirche möchte wie ein kleiner Urlaub sein – und etwas beweisen.

Zwei Frauen hatten zwei Ideen, die perfekt zueinander passten. Dannstadt-Schauernheims Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) wollte gerne mehr Bänke zum Verweilen und Ausruhen in ihrem Dorf und darum herum. Und Beate Özer, Gemeindepädagogin der protestantischen Kirchengemeinde Schauernheim, hatte schon vor Jahren mit ihren Konfirmanden Sitzgelegenheiten bearbeitet, eine Aktion, die unbedingt auch andere Gläubige mal ausprobieren sollten, wie sie fand.

Damals beklebten und beschrifteten die Jugendlichen Stühle als Collage mit Worten und Bildern, etwa aus ihrer Biografie und zu ihrer religiösen Einstellung. Herausgekommen seien Sitzmöbel so schön wie kleine Kunstwerke, die zum Nachdenken anregen. „Ich dachte, es wäre schön, wenn solche Sitzgelegenheiten auch für andere Menschen zur Verfügung stehen würden“, berichtet Beate Özer. Doch im öffentlichen Raum aufgestellte Stühle wären wahrscheinlich schnell Opfer von Vandalismus geworden, darum verwarf die Pädagogin den Gedanken wieder. Feststehende Bänke jedoch, wie die Bürgermeisterin sie im Sinn hatte, sind dafür durchaus geeignet. Hat man bei einem Spaziergang die Gelegenheit, sich auf eine Bank zu setzen und in den Himmel zu schauen, dann sei es ein wenig wie Urlaub, ein kurzes Zur-Ruhe-Kommen, ist Özer überzeugt. Und genau darum passten die Ideen so gut zusammen. An den Bänken sollen Spaziergängern Impulse zum Nachdenken, Ausruhen oder gar Meditieren gegeben werden.

Großer Anklang schon in der Entstehungsphase

Zunächst überlegten sich die beiden, Texte an die Bänke, die in und rund um Schauernheim stehen, anzubringen. Letztlich wurden es QR-Codes, da diese vielseitiger einsetzbar und der Abwechslung wegen auch veränderbar sind. Mit Gertrud Maiherzyk aus Schauernheim hatte sie ein ortskundige BUND-Mitstreiterin als Unterstützerin. Mit ihr wurden geeignete Standorte für die acht Bänke ausgesucht. „Sie sollten ruhig, aber nicht abgelegen liegen“, erzählt Özer.

Schon im Werden kam das Projekt gut an, alle acht Bänke konnten aus Spenden von Vereinen und Privatleuten finanziert werden. Es wurden sogar ganze Bänke zur Verfügung gestellt. Insgesamt kamen laut Beate Özer 5000 Euro zusammen. Und das Konzept soll in Zukunft auch in Dannstadt und Schifferstadt umgesetzt werden.

Jede Station hat einen mehrdeutigen Titel

„Für Schauernheim haben sich sogar sogenannte Kümmerer gefunden“, berichtet die Gemeindepädagogin. Sie würden immer mal wieder einen Blick auf die Bank werfen, sie sauber halten und das Areal darum herum von etwaigem Müll befreien. Die Bänke stehen verteilt auf der Gemarkung Schauernheim, eine zum Beispiel auf einem Blühstreifen im Acker, am Friedhof oder eine Rundbank vor dem Schauernheimer Gemeindehaus rund um die Linde. Acht sind es insgesamt.

Die Inhalte, die mit den QR-Codes mit mobilen Geräten wie Smartphones zum Beispiel abgerufen werden können, hat Beate Özer zusammengetragen. Jede Station hat einen mehrdeutigen Titel bekommen, wie Kraftquelle, Auszeit, Zufluchtswinkel oder „Dem Himmel so nah“. Er verrät schon ungefähr, wo die mentale Reise hingehen soll. So können geführte Meditationen sowohl als Hör- als auch in Textversion, religiöse Texte, Gedankenspiele oder Wortspiele abgerufen werden. Eine Broschüre mit einer Karte dient als Wegweiser. Es gibt sie im Rathaus, bei der protestantischen Kirche und in den Geschäften.

Kleine Hilfestellungen

Thematisch überschreibt Özer die Inhalte mit den Worten Mystik, Meditation, Zugang zu Spiritualität. „Ich glaube, das ist in jedem von uns angelegt. Mit der Aktion wollen wir einfach kleine Hilfestellungen geben, sich für diese Dinge zu öffnen“. Zum Beispiel die Kraft der Vorstellung auf den Körper zu erleben – etwa in kleinen Atemmeditationsübungen. Oder mit Worten spielen und so für ihre Wirkung sensibilisiert werden. So kann man sich zu den acht Bänken nach und nach auf den Weg machen und die verschiedenen Möglichkeiten kennenlernen.

Da alle Inhalte digital auf der Homepage hinterlegt sind, sind sie austauschbar. Das Angebot kann also verändert werden, auch um interessant zu bleiben. Dass das Bedürfnis nach einem Zur-Ruhe-Kommen, für einen Moment mal nur bei sich sein, im immer stressiger werdenden Alltag vorhanden ist, davon sind die beiden Initiatorinnen überzeugt. Wandern, Pilgern oder Yoga sind beliebter denn je.

Die Kirchenfrau in Beate Özer sieht darin aber auch die Chance, den Menschen zu zeigen, dass Kirche mehr ist als nur Gottesdienst, Kirchenfest und Kirchensteuer. Viele hätten ihren Zugang zum Glauben und zu ihrer Religiosität verloren. „Sie glauben vielleicht, Kirche gibt mir nichts mehr“, sagt sie. Das Gegenteil soll mit der Aktion bewiesen werden.

Noch Fragen?

Am Freitag, 27. August, von 17 bis 19 Uhr ist der offizielle Startschuss für die Aktion „Himmelwärts“. Die Besucher können sich dafür mithilfe der Broschüre selbst auf den Rundgang begeben. Bitte an das Smartphone, einen Becher und, wenn vorhanden , Kopfhörer denken.

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