Mutterstadt
Hannelore Zwierlein für jahrelanges Engagement ausgezeichnet
Sie verlor nicht viele Worte, als Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) ihr die Ehrenplakette von Mutterstadt verlieh. Zuvor erhielt sie vom rheinland-pfälzischen Innenminister Michael Ebling (SPD) die Freiherr-von-Stein-Plakette. Beide Auszeichnungen sind der Dank für ihre jahrzehntelange Arbeit in der Kommunalpolitik. Man hat den Eindruck, für sie ist das der Ehre zu viel. Doch es ist besonders heute nicht selbstverständlich, einer Sache treu zu bleiben, auch noch mit 77 Jahren.
Politik, genauer gesagt, politisches Engagement in der CDU, das ist der Ur-Mutterstadterin quasi in die DNA eingeschrieben. Ihr Großvater Ferdinand Schott war bis zu seinem frühen Tod in den Nachkriegsjahren für kurze Zeit Bürgermeister von Mutterstadt. Ihr Vater war ebenfalls ein engagierter CDUler. Als Finanzbeamter teilte er sich seine Amtsstube mit Helmut Kohls Vater. Von klein auf war Hannelore Zwierlein mit eingebunden, wenn es zum Beispiel galt, bei den Waldfesten mitzuhelfen, von denen bis heute mindestens eines in der Saison vom Mutterstadter CDU-Ortsverein ausgerichtet wird. „Damals gab es die Gebäude der Walderholung noch nicht, da wurde mit einem Stand improvisiert“, erzählt sie ein bisschen wehmütig aus ihrer Kindheit.
Eiskalter Wahlkampf
Als junge Frau trat sie in die Junge Union ein. Und, „wie das früher eben so war“, traf sie sich mit Freunden in den katholischen Jugendgruppen. „Viel Auswahl an Freizeitangeboten gab es ja damals nicht“, erzählt sie. Mit 19 Jahren lernte sie ihren späteren Mann Franz-Georg kennen. Der Friesenheimer war ebenfalls in der Jungen Union und dann in der CDU aktiv. Gemeinsam klebten und hängten sie in jungen Jahren Plakate oder trugen Flugblätter aus. „Einmal war Wahlkampf im Winter, was haben wir gefroren“, erzählt sie und muss lachen. Eines war ihr dabei immer wichtig: die Gemeinschaft. „Ich habe schon immer Leute um mich herum gebraucht.“
Und sie mag es, mit Zahlen zu arbeiten. Nach dem Abitur wusste sie aber erst einmal nicht so recht, was sie mal werden möchte. „Doch rumlungern, das gab’s bei meinem Vater nicht“, erzählt sie. Und da in seinem Finanzamt gerade Aushilfen gesucht wurden, bewarb sie sich. Aus ein paar Wochen sind dann 45 Dienstjahre geworden. Bis zu ihrer Pensionierung arbeitete sie im Finanzamt Ludwigshafen.
Mit 21 Jahren, gerade volljährig, heiratete sie ihren Franz-Georg, 1966 kam Tochter Bettina zur Welt, und in Mutterstadt wurde das eigene Zuhause gebaut. Kind und Vollzeitjob – da wäre es eigentlich verständlich gewesen, wenn die Kommunalpolitik erst einmal hintenansteht. Doch weit gefehlt. Sie blieb der Mutterstadter CDU treu und ist bis heute Schatzmeisterin. Die Umstände seien für sie aber auch gut gewesen, erzählt sie. Ihre Eltern sprangen regelmäßig als Babysitter ein. Und mit ihrem Mann zog sie am gleichen Strang. „Der Partner muss mit dahinterstehen, sonst ist so ein Ehrenamt kaum möglich.“
Gleichberechtigt gefühlt
1986 rückte sie in den Mutterstadter Gemeinderat nach; Fraktions-, Ausschuss- und Ratssitzung füllten nun zusätzlich den Terminkalender aus. Sie war in Ausschüssen für Soziales, Kultur und natürlich im Finanzausschuss vertreten. Denn: Die Politik wurde dort gemacht, weiß sie. Im Rat war sie damals eine von zwei Frauen. „Aber ich war keine Quotenfrau“, betont sie. Sie ist überzeugt: Wenn eine Frau was kann und was zu sagen hat, dann wird sie gehört – auch ohne Quote. „Ich habe mich hier im Ortsverein unter den Männern immer gleichberechtigt gefühlt“, sagt sie, weiß aber sehr wohl, dass das nicht die Regel war. Es ist ihrer Meinung nach wichtig, dass Frauen sich politisch engagieren. „Sie haben einen anderen Blick auf die Themen und sie sind in der Kommunikation diplomatischer, manchmal wirken sie auch harmonisierend.“
Der Anteil der Frauen im Rat ist in den Jahren größer geworden, doch nun fehlt es immer öfter überhaupt an Nachwuchs. Ein Problem, das nach ihrer Auffassung viele Ursachen hat. Das Berufsleben sei anstrengender geworden, die Generationen lebten oft nicht mehr an einem Ort – was ein Problem bei der Kinderbetreuung sei. Und: „Die Leute möchten sich nicht mehr so gern einer Sache verpflichten“, sagt Hannelore Zwierlein ganz offen, stellt aber auch gleich klar, dass das keine allgemeine Schelte sein soll.
Früher mehr Spannungen
Anprangern oder angreifen, das ist so gar nicht ihre Art: „Das bringt nichts, vor allem nicht in der politischen Debatte.“ Gremien, in denen sich ständig die Köpfe heißgeredet werden, seien ihr ein Gräuel. „Das hätte ich auch nicht lange mitgemacht“, sagt sie. An vielen Entscheidungen, die Mutterstadt veränderten, hat sie mitgewirkt: etwa am Bau der Mandelgraben-Grundschule, des Palatinums oder an der Erschließung des Neubaugebiets Am Alten Damm.
Doch es seien nicht die einzelnen Projekte, die sie stolz machen, sondern, dass die großen Würfe von allen Parteien im Konsens beschlossen wurden. „Das war in meinen Anfängen in der Politik nicht so, da gab es viele Spannungen zwischen den Parteien“, erzählt sie. Heute gehen Ratsmitglieder jeder Fraktion nach den Sitzungen noch zusammen essen. „Das entspricht schon mehr meinem Bedürfnis nach Harmonie“, gibt sie zu.
Nach dem plötzlichen Tod ihres Manns 2010 fokussierte sie sich auf ihr kirchliches Ehrenamt. Bis 2014 war sie noch Gemeinderatsmitglied, unter anderem als stellvertretende Fraktionsvorsitzende, danach noch einige Jahre in den Ausschüssen. Der Verlust ihres Partners sei einschneidend gewesen. Früher seien sie beide immer gern gereist, „ohne ihn ist es nicht mehr dasselbe“. Gegen das Alleinsein helfen ihre Ehrenämter. „Es gibt kaum einen Tag in der Woche, an dem ich nicht unterwegs bin. Und das ist gut so.“