Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel CDU zu geplanter Schulmensa: Das muss kostengünstiger gehen

Beim umstrittenen Mensaprojekt für die Pestalozzischule geht es nur um eine Ausgabeküche. Vor Ort gekocht wird nicht.
Beim umstrittenen Mensaprojekt für die Pestalozzischule geht es nur um eine Ausgabeküche. Vor Ort gekocht wird nicht.

Eine einfache Grundschulküche für annähernd eine Million Euro – das darf ja wohl nicht wahr sein! So in etwa war im Dezember die Reaktion der CDU im Bobenheim-Roxheimer Gemeinderat nach einer Kostenschätzung von Planern. Jetzt hat die Fraktion durchgesetzt, dass Alternativen für eine Mensa geprüft werden.

In der Grundschule Pestalozzi sind die Gegebenheiten für die Mittagsverpflegung der über die Unterrichtszeit hinaus betreuten Kinder nicht optimal. Vor 2019 nutzten die Grundschüler die benachbarte Realschulmensa. Zwischen 13 und 14 Uhr ging es dort entsprechend hoch her, und die Kleinen trafen auf die Großen, was beide Schulleitungen nicht so gut fanden. Deshalb wurde in der Grundschule der Mehrzweckraum zum Speisesaal, und es wurden Gerätschaften besorgt, mit denen auch die Essensausgabe in diesem Raum stattfinden konnte.

Damals, so berichtet es der zuständige Fachbereichsleiter Frank Unvericht, sei man davon ausgegangen, dass die Schülerzahlen und damit die Anzahl der Kinder, die Betreuung und ein Mittagessen brauchen, bald wieder zurückgehen würde. Doch dann kam der Gesetzgeber und kündigte für 2026 eine Änderung an. „Aus dem bisher freiwilligen Angebot der Schulträger wird ein Rechtsanspruch“, sagt Unvericht. Er erwartet, dass sich wegen der gesetzlichen Vorgaben ab 2026 die Anzahl der von der Grundschule auszugebenden Schulessen verdoppelt oder gar verdreifacht. Da liegt es auf der Hand, dass über die Einrichtung einer Mensa für die Pestalozzischule nachgedacht werden muss.

Tobias Walter: „10.000 Euro pro Quadratmeter“

Das Architektenbüro Diehl wurde beauftragt, die baulichen Möglichkeiten und ihre geschätzten Kosten zu untersuchen. Das Ergebnis vor Weihnachten: 893.000 Euro für einen Anbau an den Mehrzweckraum. Tobias Walter (CDU), selbst Architekt, stellte das Projekt oder vielmehr die Kosten bereits in diesem frühen Stadium der Planung infrage und erwirkte eine Vertagung. „Denn das wären ja Baukosten von 10.000 Euro pro Quadratmeter plus Unterhaltung und Ausstattung“, verdeutlichte das Ausschussmitglied die Dimensionen des Projekts.

Die Planer und Ingenieure stiegen noch mal tiefer in die Materie ein und entdeckten Einsparpotenzial. Zum Beispiel braucht eine Küche zum reinen Ausgeben angelieferter Speisen keinen teuren Fettabscheider. Die abgespeckte Kostenschätzung lautet nun 774.000 Euro, und zwar mit der Option auf Landeszuschüsse aus zwei unterschiedlichen Töpfen. Bürgermeister Michael Müller (SPD) geht davon aus, dass die Gemeinde selbst dann „nur“ 500.000 Euro aufwenden muss.

Suche nach Alternativen

Diese Aussichten genügten der CDU-Fraktion in der jüngsten Bauausschusssitzung aber nicht, um mit einem uneingeschränkten Ja die Zustimmung dafür zu geben, dass die Gemeinde in die nächsten honorarpflichtigen Leistungsphasen einsteigt und die Fachleute ihre Planungen auf der Idee eines Anbaus fortsetzen. „Zuerst sollte mal die Leistungsphase drei erfüllt werden“, sagte Walter. Eine Kostenberechnung sei nämlich sehr viel genauer als eine Kostenschätzung.

Was die Christdemokraten aber eigentlich untersucht haben wollen, sind Alternativen. Eine Überlegung lautete Anfang März, die Küche der leerstehenden Gaststätte Jahnstube an der Jahnhalle (Gemeindeeigentum) als Ausgabeküche zu nutzen. Auch der Vorraum der großen Sporthalle neben der Realschule plus (Kreiseigentum) komme infrage, weil es dort eine kleine gastronomische Infrastruktur gibt. Und schließlich gebe es vielleicht Möglichkeiten, zur Mitbenutzung der Realschulmensa zurückzukehren und diese zu optimieren.

Projekt abhängig von Antragsfristen

Dem Bürgermeister schmeckten diese Ideen nicht, und die SPD-Fraktion favorisierte den Anbau. „Ich halte die Vorschläge Jahnstube und Sporthallenfoyer für ganz schwer oder gar nicht umsetzbar“, sagte Michael Müller und verwies unter anderem auf die Nutzung der Jahnhalle durch die Vereine und auf die langwierigen Entscheidungsprozesse in den Gremien des Rhein-Pfalz-Kreises. CDU-Mitglied Michael Voll zog in der Sitzung ein Ass aus dem Ärmel: Landrat Clemens Körner (CDU) hatte ihm auf die Frage nach der Nutzung der Kreissporthalle geschrieben: „Das müsste man mal mit dem spitzen Bleistift anschauen, aber an uns soll’s nicht liegen.“

Architekt Christopher Diehl gab zu bedenken, dass mit den Fördertöpfen, die er im Sinn hat, Antragsfristen verbunden seien. Ein Anbau müsse dem Land bis Ende September samt Planunterlagen angezeigt werden. Gelinge das nicht, könne erst 2027 mit dem Bau begonnen werden. Der Bürgermeister schlug schließlich vor, sich einfach mehr Zeit für eine Entscheidung zu lassen und das ganze Projekt um ein Antragsjahr zu verschieben.

Mit sieben Jastimmen bei vier Neinstimmen lautete die Entscheidung am Ende so: Die Firma Diehl arbeitet bis zum Stadium der Kostenberechnung weiter an der Anbauvariante, die Idee Jahnstube wird fallengelassen und hinsichtlich einer Mitbenutzung von Realschulmensa oder Sporthallenfoyer geht die Gemeinde in Gespräche mit dem Landkreis. Dann werden alle Ergebnisse präsentiert und – das hatte Frank Sommer (Grüne) für notwendig erklärt – zur Beurteilung aus pädagogischer Sicht zunächst im Schulträgerausschuss beraten.

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