72. Berlinale Dresen-Film gewinnt überraschend zwei Bären

Glückliche Gewinnerin: die deutsche Komikerin und Schauspielerin Meltem Kaptan mit ihrem Schauspiel-Bären.
Glückliche Gewinnerin: die deutsche Komikerin und Schauspielerin Meltem Kaptan mit ihrem Schauspiel-Bären.

Andreas Dresens Film „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ hat bei der 72. Berlinale überraschend zwei Silberne Bären gewonnen: für das Drehbuch und die Hauptdarstellerin Meltem Kaptan in der Rolle der Mutter des Bremers Murat Kurnaz, der über Jahre in Guantanamo festgehalten worden war.

Von Susanne Schütz

Die Bärenjury unter Leitung von US-Filmemacher M. Night Shyamalan hat sonst an keinen Film zwei Preise vergeben. Die beiden Silbernen Bären lassen sich als Verbeugung vor dem deutschen Gastgeber lesen und als Wertschätzung fürs eher Kommerzielle. Denn „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ hat jede Menge komödiantische Züge. Die Komikerin Meltem Kaptan spielt die Rolle der Mutter, die sich für die Freilassung ihres Sohnes einsetzt, mit viel Herz, allerdings doch nicht gerade vielschichtig.

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Und der zweite Bär, für Drehbuchautorin Laila Stieler, ist noch überraschender. Stieler selbst hatte beim Pressegespräch zur Premiere zugegeben, wie schwer es ihr gefallen sei, das Warten zu inszenieren, die lange Zeit, in der sich im Fall Kurnaz nichts tat. Auch die juristischen Detailfragen, um die es in diesem Fall geht, eignen sich nicht für spannendes Kino. Und so fehlt es dem Film, der auf ein internationales Publikum schielt, doch an Überzeugungskraft.

Goldener Bär geht nach Spanien

Die Entscheidungen für die Hauptpreise dagegen sind besser nachvollziehbar. Der Goldene Bär geht nach Katalonien, an den Film „Alcarràs“ von Regisseurin Carla Simón, der eine Familie porträtiert, die von der Pfirsichernte lebt. Doch die Plantage soll Solarpanels weichen.

Ein nachdenklicher Film über das Filmemachen hat den Großen Preis der Jury und ebenfalls einen Silbernen Bären gewonnen: „So-seol-ga-ui Yeong-hwa“ (zu deutsch: Der Film der Autorin) von Hong Sang-soo aus Südkorea. Mit dem Silbernen Bären „Preis der Jury“ zeichnete die siebenköpfige Jury den politischsten Wettbewerbsfilm aus, „Robe of Gems“ von Natalia López Gallardo (Mexiko/Argentinien/USA).

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