Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Landkreis Kusel

Massematte auf Jiddisch

Kusel: Geschäfte machen Metzger früher häufig in der jüdischen Sprache

Von Wolfgang Kauer

Eine Beheime (Kuh) mit ihrem Egel (Kalb): Jiddisch gehörte wegen jüdischer Viehhändler auf den Märkten im Kuseler Land dazu.

Eine Beheime (Kuh) mit ihrem Egel (Kalb): Jiddisch gehörte wegen jüdischer Viehhändler auf den Märkten im Kuseler Land dazu. ( Foto: m. hoffmann)

Jiddische Begriffe sind vielen älteren Menschen im Kuseler Land noch geläufig und sind Zeugnis des früheren jüdischen Lebens in der Region. Gerade Metzger nutzten das „Viehjiddisch“, um sich mit Händlern jüdischer Herkunft zu verständigen. Ein Überblick über Fachbegriffe und umgangssprachliche Worte.

Dibbere, maloche, massematte – Ausdrücke für sprechen, arbeiten und Geschäft oder Handel, die früher auch im Kuseler Land gebraucht wurden. Vorwiegend von Metzgern, die häufig Umgang mit Viehhändlern jüdischer Herkunft hatten. Um zu verstehen, was die sogenannten Viehjuden anboten – Beheime (Kuh), Schor (Ochse), Egel (Kalb) oder Chasser (Schwein) –, durfte den örtlichen Fleischern „die jiddisch Sproch“ nicht fremd sein.

Die Metzger kauften das Vieh auf Märkten oder beim Händler. Beide Male war „Jiddisch“ für sie ebenso berufswichtig wie für die Bauern, die ihr Vieh anboten. Ein Beispiel, wie ein Handel zwischen Bauer und Viehjude ablaufen konnte:

Händler: „Ich geb dir beis meis schiwwem Schuck (270 Mark) fer doi Beheime (Kuh, manchmal auch „Pore“ genannt).“ Bauer: „Gimmel meis Schuck (300 Mark) und kän Pschidem (Pfenning) wenischer, oder es werd kä Massematte (Geschäft) draus.“

 

Jiddisch war keine Sprache im eigentlichen Sinn. Jeder, der es gebrauchte, sprach auch deutsch, wenn auch stark landsmannschaftlich eingefärbt. Es war nicht zu verwechseln mit dem Jiddisch des osteuropäischen Judentums, einer Verkehrs- und Literatursprache. Das auch in der Pfalz gebräuchliche „Viehjiddisch“ war eine Art Mischdeutsch.

Das wurde in Kusel und Umgebung auch außerhalb der Metzgereien und Viehmärkte teilweise verstanden. Was ein „Kazzuv“ und ein „Kaphro“ waren, wusste jeder; ein Metzger und ein Bauer eben. Wenn nicht, konnte er sich in der Broschüre „Die geheime Geschäftssprache der Juden“ kundig machen.

Auch in der vor allem Ludwigshafener Umgangssprache sind Ausdrücke aus dem Jiddischen zu finden. Sie dürften älteren Leuten auch in unserer Region durchaus vertraut sein.

Einige Beispiele:

achiele - essen

beschummeln - betrügen

betucht - wohlhabend

Dalles - Armut, Not, Erkrankung

Geseire – Gejammer

kappores - tot, pleite

koscher – rein, einwandfrei

macholle – zahlungsunfähig

Macke - Schlag, Mangel, Fehler

Massel - Glück

mauscheln - undurchsichtige Vereinbarungen treffen

meschugge - verrückt

Mischpoke - Gruppe von zweifelhaftem Ruf

Moos – Geld

Reiwacj - Gewinn, Profit

Schaute oder Schote - Narr, Schuft

Schtuss - Dummheit

schigger - betrunken

Schlammassel - Unglück

Schmus - Gerede, Schmeichelei

Schmu - Täuschung

schoofel – gemein, schlecht

Tacheles - Ziel, Zweck

Tinneff - Schmutz, Schund

Uschbes - unzuverlässiger Mensch

vermasseln - verpfuschen, zunichtemachen

Zoores - Zank, Schwierigkeiten

Zosse - Pferd.

Kusel-Ticker