Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schattentheater: Blick hinter die Kulissen von „Moving Shadows“

So beweglich sind die Menschen hinter den Bildern.
So beweglich sind die Menschen hinter den Bildern.

Mit Körpern Geschichten erzählen – aber nicht vor oder auf der Leinwand, sondern dahinter. Das ist die Arbeit der Schattentheater-Truppe Mobilés. Choreographin Michaela Köhler-Schaer plaudert aus dem Nähkästchen.

Michaela Köhler-Schaer, eine von drei bis heute aktiven Choreographen und Regisseuren der ersten Stunde der Gruppe Mobilés neben Harald Fuß und Stefan Südkamp, ist sich sicher, worin die Faszination des Schattentheaters liegt: „Zwei Menschen tanzen über die Bühne und mit einem Mal stehen da zwei Elefanten. Ein Arm wird zum Rüssel. Dann geht der Elefant auseinander und ich sehe wieder die Menschen. Diese Transformation ist für den Zuschauenden das Faszinierende.“ Und natürlich eine einfache aber unterhaltsame und mitreißende Geschichte „mit Humor und Herz“ zu den Bildern.

Die Truppe aus Tänzern, Schauspielern, Akrobaten und Zirkusartisten stammt ursprünglich aus der Deutschen Sporthochschule in Köln. Dort wurde Mobilés 1979 als kleine Arbeitsgruppe gegründet. Durch die Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Jerome Savary, Pantomimen wie Eberhard Kube und dem Clown Peter Shub erweiterte die elfköpfige Gruppe mit immer wieder wechselnden freien Künstlern ihr darstellerisches Spektrum und spielte auch mal auf Industrie-Events. „Eines Tages kam ein Kunde auf uns zu und wollte sein neues Produkt als Schattenperformance visualisiert haben“, erinnert sich Köhler-Schaer. „Als Bewegungsspezialisten haben wir gesagt: ,Jo, klar. Machen wir!’, und haben gemerkt, wie viele Bilder wir mit unseren Körpern kreieren können. Unsere Kreativität kennt bis heute keine Grenzen.“

Wie geht das überhaupt?

Das Publikum stellt sich oft eher eine technische Frage. „Die Leute wollen tatsächlich am liebsten immer hinter die Bühne gucken, nach dem Motto: ,Hä? Wie geht das überhaupt?’ Sie können sich oft nicht vorstellen, wie aus dieser Dreidimensionalität hinter der Bühne mit einer Leinwand und einer Lichtquelle, die sieben Meter daneben steht, ein zweidimensionales Schattenspiel entstehen kann.“

Pannen gab und gibt es bei so vielen komplexen Bild-Konstellationen natürlich auch. „Hinter der Leinwand geht es oft wild zu. Das Schlimmste, was schief gehen kann, ist wenn die Technik versagt. Das ist uns ein Mal passiert – da ging uns der Beamer kaputt. Und klar gab es auch mal Momente, wo einer die Reihenfolge nicht im Kopf hatte und wir wollen eine Kirche bauen, aber ein Darsteller meint, jetzt wäre der Elefant dran. Dann denkt der Zuschauer zurecht, dass da etwas nicht stimmt“, sagt Köhler-Schaer.

Liebenswert, lustig, tollpatschig

Sie selbst, die meistens auf der Bühne mit von der Partie ist, ist gegen solche Aussetzer auch nicht gefeit. „Ich habe das Stück gemacht und trotzdem bringe ich dann die Reihenfolge durcheinander. Da ist man darauf angewiesen, dass der andere einem auf die Sprünge hilft. Es sind einfach unendlich viele Bilder, die direkt nacheinander kommen.“ Helfende Requisiten sind nur schmückendes Beiwerk, „denn ich kann nicht alles mit meinem Körper darstellen. Aber fast“, sagt Köhler-Schaer und verrät: „Bei der ein oder anderen aus einem Aussetzer geborenen Improvisation schmeißen sich die Künstler hinter der Leinwand fast weg vor Lachen.“

Das bekannteste Programm namens Moving Shadows, mit dem Mobilés seit 2013 auf Tour waren, stammte von Harald Fuß und drehte sich um eine Liebesgeschichte mit kleinen Fantasiewelten links und rechts. Mit Moving Shadows II, bei dem Köhler-Schaer die Regie führt, schuf das Team eine erneute Liebesgeschichte durch das Leben eines Protagonisten – „bisschen liebenswert, aber auch sehr lustig und tollpatschig“.“ 2019 konnte die Truppe damit noch einige Shows mitnehmen, bevor die Pandemie Fahrt aufnahm.

Die Corona-Krise konnte die Stamm-Belegschaft nicht auseinanderreißen. „Wir sind alle so bekloppt und so verrückt und solche Überlebenskünstler, dass wir alle beisammen geblieben sind“, wirft Köhler-Schaer lachend ein. Doch die Zurückhaltung des Publikums hinterlasse Spuren. „Leider ist es immer noch so, dass alle Veranstaltungen, die nicht gerade von Robbie Williams oder Helene Fischer sind, völlig unter den sonst normalen Ticketverkäufen liegen. Das ist für die Häuser schwierig. Das ist für die Kommunen schwierig. Und das ist natürlich auch für die Künstler schwierig.“

Termin

Moving Shadows, Kasino im Kammgarn Kulturzentrum Kaiserslautern, Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr. Tickets online.

x