Ramstein-Miesenbach
Die Tiroler Blechbläser Viera Blech im Congress Center
Vor über 400 begeisterten Besuchern, darunter viele Musiker von Blasorchestern der Region, zeigten die sieben Ausnahmemusiker von Viera Blech, alle aus Kössen und Salzburg, beeindruckend, wie vielseitig und anspruchsvoll Blasmusik sein kann. Nach dem Auftritt im Oktober 2021 blieben die Musiker auch heuer ihrem unverkennbaren Stil und ihren verrückten Ideen treu, wodurch wieder für jeden Geschmack etwas dabei war.
„Zu viert haben wir aus reinem Spaß angefangen, jetzt besteht ,Viera Blech’ schon seit 19 Jahren“, berichtete der Kössener Ensemblegründer und Komponist Martin Scharnnagl. Mittlerweile eine etablierte Größe in der Szene, tourt Viera Blech seit Jahren durch Europa, ist ein Dauerbrenner auf Festivals und landete mit diversen Eigenkompositionen richtige Ohrwürmer, die von vielen Blasorchestern nachgespielt werden. Wie ihr bereits zweiter Auftritt in Ramstein zeigte, haben die Vollblutmusiker trotz ihres großen Erfolgs ihre bodenständige und sympathische Art nicht verloren.
In zünftigem Look
Zünftig gekleidet in langer Lederhose, so traten die „Glorreichen Sieben“ auf und fegten sämtliche Vorurteile, Blasmusik sei „Dicke-Backe-Musik“ und betulich, mit Schmackes von der Bühne. Sie verblüffen mit traumwandlerischer Stilsicherheit in allen Genres, atemberaubenden Soli und Virtuosität. An ihrer Musik haben sie sichtlich Spaß. Zu ihrem Erfolgsrezept gehören auch eine ordentliche Portion Humor und ein hoher Unterhaltungsfaktor.
Mit einem Wumms begann schon der Auftakttitel „Impuls“, und er klang so mitreißend, dass man am liebsten mitgetanzt hätte. Den typischen Egerländer-Sound haben sie verfeinert und erweitert mit Anleihen aus der Rock- und Jazzmusik. Da bliesen die beiden Pustefixe Markus Nentwich und Michael Reiter auf ihrem Tenorhorn dermaßen rasante Tremolos, dass man schon zu Beginn Bauklötze staunte. Und Josef Hofer mit seinem brassigen Tuba-Sound hatte offensichtlich die Legende Ernst Mosch im Herzen. Ihre butterweichen Klänge waren in „Na Javorine“ der reinste Balsam für die Seele.
Von Märschen bis „Schwanensee“
Routiniert agierte Leader und Moderator Martin Scharnagl am Schlagzeug und gab mit großer Sensibilität den Takt an. Oft trieb er seine Mannen aber auch gehörig an – wie in „Venus“ oder in der Bearbeitung von „Schwanensee“ von Tschaikowsky. Mit verblüffender Leichtigkeit agierten auch die drei Trompeter Manfred Lugger, Alexander Wartner und Herbert Deutinger und spielten mit einer Rasanz Dinge, die andere für unspielbar halten. Vor allem: Sie trafen auch in Wolkenkratzerhöhe jede Note genau und phrasierten musikalisch einwandfrei. Von strahlend bis massiv, von kraftvoll bis gehaucht, symbolisierten sie die Schwungfedern des Septetts.
Das Spektrum des heißen Blechs offenbarte eine enorme Vielfalt an dynamischen Mustern. In Märschen schmiegten sich die Hornisten an die manchmal scharfen Kanten der Trompeter, während Josef Hofer auf der Tuba zungenakrobatisch growlte. Auf dem Leib geschrieben war diesem Meister der satten Kontraste „Farmer’s Tuba“: Seine rhythmisch brillant artikulierten Linien verblüfften ein ums andere Mal. Und Nentwich und Reiter bliesen dazu die muskulöseste, prallste Posaune und zeichneten sich durch große harmonische Freizügigkeit aus. So gelang es den lustigen Tirolern, meisterhaft, mit der Gefühlswelt ihrer Zuhörer zu jonglieren. Die verabschiedeten ihre Vorbilder mit begeistertem Beifall im Stehen.
Debüt der Eger Feger
Hörbaren Spaß am Musizieren hatte auch die Vorgruppe, die Eger Feger, mit bekannten Titeln wie „Weinkeller-Polka“, „Kaiserin Sissi“ oder „My Dream“. Für ihren ersten öffentlichen Auftritt schlugen sich die Musiker ausgezeichnet. Max Sokoli und Thomas Guhmann verbreiteten auf Horn und Posaune wohlige Wärme, während die Trompeter Jan Epp, Andreas Guhmann (Leiter des CCR) und Alexander Müller mal mit strahlendem, mal mit butterweichem Ton zu begeistern wussten. Als Solist konnte Andreas Guhmann einige Male punkten. Richtig zu grooven verstanden die „Feger“ in „Der Berg ruft“. Bei dem Paradestück „Auf der Vogelwiese“ zum Abschluss klatschten und sangen viele Besucher im Stehen mit.