Rockenhausen
Seit anderthalb Jahren gesperrter Fußweg sorgt für Verärgerung
Wer ein paar Minuten am Rockenhausener Stadtausgang Richtung Dörrmoschel das Treiben auf der L386 beobachtet, dem wird schnell klar: Mit 50 „Sachen“, wie es das nahestehende Ortsschild vorschreibt, ist hier kaum ein Verkehrsteilnehmer unterwegs – stadtein- wie stadtauswärts verleitet die breite und übersichtliche Fahrbahn dazu, noch ein bisschen länger beziehungsweise schon etwas früher Gas zu geben.
Daran ändert wenig, dass hier zwei Einmündungen auf die Landesstraße treffen: die vom Inkelthalerhof – dem Sitz des Diakoniewerks Zoar – kommende und am Baugebiet Römerhof vorbei durch den Pfingstborn führende K12 sowie die Verbindungsspange zur B48. An dieser, durch Linksabbiegerspuren verbreiterte Kreuzung die Straße zu überqueren, ist keine gute Idee. Doch genau das machen seit Mitte 2021 viele Anwohner, die vom Pfingstborn in die Innenstadt wollen.
Durchgang existiert seit vielen Jahren
Denn der kürzeste Weg dorthin führt durch die Gutenbrunnenstraße – eine Sackgasse, die zwischen der Landes- und dem Zubringer zur Bundesstraße verläuft. Sie endet kurz vor besagter Kreuzung, auf der anderen Seite gelangt man durch die Unterführung am Bahnhof zum Zentrum. „Seit vielen Jahren“, so Erich Schneider, der im Pfingstborn wohnt, gibt es für Fußgänger einen Durchgang zur Gutenbrunnenstraße. Dazu müssen sie zunächst auf dem Bürgersteig zirka 50 Meter entlang der L386 Richtung Krankenhaus – und damit weg von der Kreuzung – gehen. Über eine Querungshilfe (Schneider: „Die wurde damals extra gebaut“) erreichen sie den auf der anderen Seite gelegenen, zirka 20 Meter langen Verbindungsweg.
Besser gesagt: Sie erreichten ihn. Denn seit Mitte 2021 ist die Passage durch zwei Schrankenzäune blockiert. Ausgangspunkt war ein Eigentümerwechsel des Grundstücks; der neue Besitzer hat auf dem bislang brach liegenden Areal ein Gebäude errichtet. Dass während der Bauzeit der Durchgang aus Sicherheitsgründen gesperrt war – dafür hat der frühere Stadtbeigeordnete und das heutige Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion Verständnis. Im Gegensatz zur Beobachtung, „dass zwar seit Monaten für den Außenputz ein Gerüst am Haus steht, es aber nicht vorwärts geht.“ Und vor allem ärgert sich Schneider, dass die Verbindung seither nicht genutzt werden kann – obwohl, wie er wisse, die Stadt über ein Wegerecht verfüge.
Geradeaus über die Kreuzung
Stattdessen, so der 74-Jährige, hätten sich die Fußgänger ihre eigene Route gesucht. Und die führt nicht, wie vorgesehen, vom Pfingstborn links hoch zur Ampel am Krankenhaus und von dort über einen kleinen Weg zur Unterführung am Bahnhof. Denn diese Strecke ist rund 150 Meter länger – die meisten bevorzugen daher eine andere Variante: Sie gehen an der Kreuzung geradeaus über die Straße, queren durch eine Öffnung in den Sträuchern eine Grünfläche und erreichen so die Gutenbrunnenstraße.
Das aber missfällt Schneider: „Dort beginnt schon die Abbiegespur zum B-48-Zubringer, die Straße ist daher viel breiter als am bisherigen Übergang.“ Generell sei die Stelle unübersichtlich, weil drei Straßen zusammenkommen, „und viel Verkehr ist hier auch“. Schließlich stellt die L386 eine wichtige Verkehrsachse zwischen dem Donnersberger und Kuseler Land dar, dazu die Anbindung von Zoar und der B48 – gerade am Morgen, im Winter noch dazu im Dunkeln, sei hier einiges los.
Auch Kinder überqueren die Landesstraße
Zudem seien zu der Zeit Kinder aus dem Pfingstborn – darunter einige von dort untergebrachten ukrainischen Familien – sowie dem Römerhof auf dem Schulweg, so Schneider. Und nicht zuletzt passierten beeinträchtigte Menschen, die in Zoar-Außenwohngruppen leben, häufig die Fahrbahn.
Kurzum: „Es kommt immer wieder zu gefährlichen Situationen, zum Glück hat es bislang noch keinen Unfall gegeben.“ Unverständlich ist ihm, dass sich die Sperrung so lange hinzieht: „Ich habe die Sache mehrmals im Stadtrat angesprochen, nachgefragt – aber es tut sich einfach nichts.“
Wegerecht neu ausgehandelt
Stadtbürgermeister Michael Vettermann und Erster Beigeordneter Werner Dietz bestätigen auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass ein Wegerecht besteht. Dieses sei 2001 festgeschrieben, im Zuge des Grundstücksverkaufs an den jetzigen Eigentümer aber neu verhandelt worden, so Dietz. Denn aus baulichen Gründen könne der Durchgang an bisheriger Stelle nicht wieder geöffnet werden. In Gesprächen habe man schließlich eine Lösung gefunden, die der städtische Bauausschuss auch einstimmig abgesegnet habe.
Wie Dietz erläutert, sollen Fußgänger demnach künftig nach Überqueren der L386 am Fahrbahnteiler nicht wie früher geradeaus, sondern zunächst auf dem Seitenstreifen ein Stück nach rechts und dann auf der anderen Seite des Hauses vorbei in die Gutenbrunnenstraße laufen. Der damit verbundene minimale Umweg sei akzeptabel, so die Stadtspitze. Die neue Trasse werde entsprechend gekennzeichnet und durch eine zusätzliche Laterne ausgeleuchtet – sobald die Bauarbeiten auf dem Grundstück abgeschlossen sind. Dass sich diese so lange hinziehen, sei „unglücklich“, so Dietz: „Das schmeckt uns auch nicht.“
Eigentümer: Lange Wartezeit auf Firmen
Eigentümer Roman Döring bedauert gegenüber der RHEINPFALZ ebenfalls die lange Dauer der Maßnahme: „Weder ist das Absicht noch will ich jemanden ärgern. Es liegt ja auch in meinem Interesse, so schnell wie möglich fertig zu werden.“ Doch die aktuellen Wartezeiten in der Baubranche seien allgemein bekannt: „Ich habe alleine vier Monate länger als geplant auf den Balkon gewartet.“ Neben dem Außenputz müsse noch die PV-Dachanlage installiert werden. „Ich kann kein Zeitfenster nennen, aber versichern, dass die Maßnahme schnellstmöglich abgeschlossen und dann sofort der alternative Weg angelegt wird.“
Bis dahin könnten Fußgänger zwar den Heckendurchgang benutzen , den er regelmäßig freischneide. Danach sollten sie aber statt geradeaus nach rechts zum Fahrbahnteiler und dort auf die andere Seite wechseln. „Ich habe sogar Split auf dem Grünstreifen verteilt, damit dieser besser begehbar ist. Aber letztendlich ist es das persönliche Risiko jedes Einzelnen, wo er die Straße überquert“, so Döring. Er betont, dass „ich von Beginn an aktiv an der Suche nach Lösungen mitgewirkt habe“. Zudem sei der Bauausschuss, dem er selbst für die CDU-Fraktion angehört, in jeden Schritt eingebunden.
Mit Kreisel „kommt“ Zebrastreifen
Dietz und Vettermann machen zwei Ergänzungen: Erstens habe es auch vor der Sperrung Personen gegeben, die den kürzesten Weg durch die Hecken und über die Kreuzung genommen hätten. „Es gibt keine Garantie, dass sich in Zukunft jeder an die offizielle Strecke hält“, so Dietz. Und das Ganze sei ohnehin ein Provisorium, bis – wann auch immer – in diesem Bereich der schon seit Jahren geplante Kreisel errichtet wird. Vettermann: „Dann gibt es dort einen Zebrastreifen und das Thema ist endgültig erledigt.“
Ganz glücklich ist Erich Schneider mit der Vereinbarung nicht. Er hat Bedenken, dass die etwas umständliche Streckenführung angenommen und nicht trotzdem die Abkürzung durch die Hecke bevorzugt wird. Und er moniert, dass beim Grundstücksverkauf das Wegerecht aus der Hand gegeben wurde. Vor allem aber hofft Schneider, dass der neue Weg zügig genutzt werden kann. Denn „besser als die aktuelle Situation ist es in jedem Fall“.