Winnweiler
Bischoff-Brauerei: Insolvenzverfahren startet mit treuen Geschäftspartnern und guten Umsätzen
„Ein Insolvenzverfahren ... das klingt ja erstmal ganz schlimm. Man denkt, dann ist alles vorbei“, gibt Sven Bischoff zu, dass es ihm schwergefallen war, sich mit dem Gedanken abzufinden. Doch mit der Ankündigung des zweiten Lockdowns im November habe er sich der Argumentation des Insolvenzrechtsanwalts Volker Müller nicht mehr entziehen können. „Zumal mir von Anfang an klar war, dass der Lockdown mindestens bis Ende März dauern wird“, sagt Bischoff. Mit Müller, Geschäftsführer der Dillinger W+ST Rechtsanwaltsgesellschaft, hatte der Chef der Winnweilerer Traditionsbrauerei schon seit vergangenen Sommer immer mal wieder in Kontakt gestanden, als die fehlenden Umsätze zunehmend tiefere Spuren hinterließen.
Konzentration aufs Tagesgeschäft
Am 16. Dezember stellte Bischoff den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Das bedeutet: Das Unternehmen kann seine Geschäfte in Eigenregie weiterführen. Damit das Insolvenzgericht einem solchen Antrag zustimmt, muss es realistische Aussichten auf eine erfolgreiche Sanierung des Betriebs geben. Und es muss sichergestellt sein, dass das Verfahren ordentlich nach den insolvenzrechtlichen Vorgaben abgewickelt wird. Daher steht Bischoff ein Generalbevollmächtigter, Müller, zur Seite.
Eine gute Lösung, wie Volker Müller befindet, der bereits Hunderte von Insolvenzverfahren abgewickelt hat und der in fast täglichem Austausch mit dem vom Gericht bestellten Sachwalter Jürgen Roth (Kusel) steht. „Ich kümmere mich sozusagen um die rechtlichen Rahmenbedingungen, und Sven Bischoff kann sich endlich wieder voll aufs Tagesgeschäft konzentrieren.“ Für dieses sei in der zunehmenden finanziellen Schieflage tatsächlich immer weniger Raum geblieben, bestätigt Bischoff.
Umsatz zum Jahresstart höher als geplant
Geblieben ist beim Brauereichef der Optimismus, mit dem er sich schon am Tag nach der Beantragung des Insolvenzverfahrens geäußert hatte. Müller stimmt mit ein. „Wir haben sozusagen einen Musterstart hingelegt“, freut sich der Generalbevollmächtigte. „Wenn man sich anschaut, wo wir vor sechs Wochen gestanden haben und wo wir heute stehen, dann muss man mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein.“
Zum einen seien alle relevanten Kunden und Zulieferer mit an Bord geblieben. „Wir haben die rechtlichen Rahmenbedingungen in vielen Gesprächen besprochen, und sie sind akzeptiert worden“, erläutert Müller. Zum anderen laufe der Januar – „für eine Brauerei ein durchweg schlechter Monat“ (Müller) – bislang überraschend gut. In den ersten zwei Wochen des Jahres stellt sich der Umsatz laut Sven Bischoff „ein Drittel besser als geplant“ dar. Während der heimische Fassbierabsatz nach wie vor gegen null tendiere, habe es vor allem aus Asien und Südamerika Bestellungen gegeben. Es handele sich bei den Kunden um Händler mit eigenen Marken, „die wir in den vergangenen beiden Jahren akquiriert haben und die ihr Geschäft jetzt auf uns fokussieren. Wir ernten die Früchte unserer Arbeit“. Ohne Corona, so glaubt der Brauereichef, hätte sich das womöglich schon 2020 ausgezahlt.
„Keine Übernahme durch andere Brauerei“
Zum 1. März wird das derzeitige vorläufige zu einem ordentlichen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Bis dahin wird das Insolvenzgeld für die nach wie vor 44 Mitarbeiter vorfinanziert. Jene Mitarbeiter stellt Volker Müller ausdrücklich heraus, für die hohe Identifikation mit dem Unternehmen und die Unaufgeregtheit, mit der sie das Ganze begleiten.
Am groben Zeitplan hat sich nichts geändert: Das von Bischoff vor Monatsfrist ausgegebene Ziel, das Verfahren solle bis Sommer abgeschlossen sein, sei realistisch, sagt Volker Müller. „Wir sind dran an Lösungen, die das ermöglichen werden.“ Es gebe verschiedene Alternativen, wie Bischoff für die Zukunft aufgestellt, eventuell auch für externe Kapitalgeber interessant werden kann. Ausschließen allerdings könne er, sagt Sven Bischoff, dass es zu einer Übernahme durch eine andere Brauerei kommen könnte.