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Mittwoch, 15. Januar 2020 Drucken

Südwest

Ein Jahr „Fridays for Future“ - Ausrufezeichen für den Klimaschutz

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„Fridays for Future“ in Speyer.

„Fridays for Future“ in Speyer. (Foto: Lenz)

Die jungen Klima-Aktivisten sind ungeduldig. Seit einem Jahr gehen sie auf die Straße. Aber passiert ist aus ihrer Sicht kaum etwas. An diesem Freitag gehen die Proteste in ihr zweites Jahr. In Mainz werden Tausende zu einer zentralen Demonstration erwartet.

Das Stadtklima haben sie schon verändert, der globale Klimawandel aber ist nicht gestoppt. Seit einem Jahr laufen, hüpfen und tanzen Schülerinnen und Schüler mindestens einmal im Monat an den „Fridays for Future“ durch Mainz, meist unterstützt von Eltern, Studierenden und Wissenschaftlern sowie abgestimmt mit gleichzeitigen Aktionen an vielen weiteren Orten. Am 18. Januar 2019 traten 1800 junge Menschen in Mainz zum ersten Mal in einen Schulstreik und folgten so der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die am 20. August 2018 vor dem Reichstag in Stockholm in den „Schulstreik für das Klima“ trat.

„Das war damals unfassbar viel“, sagt Maurice Conrad über die Beteiligung am ersten Schulstreik von „Fridays for Future“ in Mainz. Seitdem wird mindestens einmal im Monat eine Demonstration oder ein Aktionstag organisiert, mit Teilnehmerzahlen zwischen 250 (August) und 10 000 (September). Für den kommenden Freitag erwarten die Veranstalter einer zentralen Demonstration in Mainz 7000 bis 10.000 Teilnehmer aus Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Ausrufung von Klimanotständen in der Region

„Wir haben es in diesem einen Jahr geschafft, unvorstellbar viele Menschen zu mobilisieren“, sagt Conrad. „Was wir nicht geschafft haben, ist, diese Mobilisierung von Menschen in politisches Handeln umzusetzen.“ Zwar sei auf kommunaler Ebene einiges passiert, was in die richtige Richtung gehe, etwa die Ausrufung eines Klimanotstands in Mainz, Trier, Landau und Koblenz.

„Aber auf der Bundesebene sieht es sehr dünn aus“, fügt der Aktivist hinzu. Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung sei letztlich nur das Eingeständnis, die 2015 vereinbarten Pariser Klimaziele nicht mehr erreichen zu können - also die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf deutlich unter zwei Prozent im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. „Diese Handlungslosigkeit wollen wir beenden“, sagt Conrad, der mit 19 Jahren als bislang jüngstes Mitglied in den Mainzer Stadtrat gewählt wurde und die Piratenpartei vertritt.

Australien wird in den Blick genommen

Conrad sieht „Fridays for Future“ zurzeit mitten in einem Prozess zur Weiterentwicklung ihrer Strategie: „Die Ortsgruppen überlegen: Wie treten wir in diesem Jahr auf?“ Einfach so weitermachen, komme für die meisten nicht in Frage. „Man muss sich weiterentwickeln als politische Bewegung, sonst gehen wir unter.“

Dazu soll auch eine thematische Weiterentwicklung gehören. Bei der ersten Demonstration in diesem Jahr werden zum einen der Klimawandel als Fluchtursache, zum anderen die Brände in Australien in den Blick genommen. „In Australien sieht man, wie die Klimakrise ein ganzes Land lahmlegen kann“, sagt der Schüler Shkodran Jonuzi aus Morschen im hessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Kontakte zur Landespolitik festigen

Weiterführen wollen die jungen Aktivisten auch die Kontakte zur Landespolitik. Zwar sei ein Treffen mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) „eher ein Kaffeekränzchen als eine politische Debatte“ gewesen, sagt Conrad. Eine sinnvolle Sache sei aber der vom Bildungsministerium und der Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler (LSV) gestartete Runde Tisch für einen nachhaltigen Schulalltag. Die Idee dazu entstand unter dem Eindruck der „Fridays for Future“. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zeigte sich beim Start des Runden Tisches „sehr froh über dieses Engagement, dass sich Schülerinnen und Schüler politisch engagieren für diese Ziele, die für uns alle überlebenswichtig sind“.

Die Schülerkundgebungen sind an keiner Partei spurlos vorbeigegangen. Den stärksten Rückhalt erfährt die Bewegung von den Grünen. „Die Forderungen von „Fridays for Future“ sind nicht nur radikal, sondern auch wissenschaftlich begründet“, sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag Rheinland-Pfalz, Bernhard Braun. Mit den Aktionen der jungen Menschen sei das Thema Klimaschutz ganz nach oben auf die politische und gesellschaftliche Agenda gebracht worden.

„Parents for Future“ in Mainz auf der Straße

Alle seien weiterhin aufgefordert, Druck zu machen um eine wirksame Reduzierung der CO2-Emissionen zu erreichen, erklären die Mainzer „Parents for Future“ vor der ersten großen Demo im neuen Jahr. Das Motto dazu bringt die wachsende Ungeduld der Aktivisten zum Ausdruck: „#DieUhrTickt - Ein Jahr? Nix passiert!“ |dpa/lrs

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