Musik der Wilden Zwanziger Soli für Pinsel und Zeichenstift: Robert Nippoldt und das Trio Größenwahn in Pirmasens

Lassen ein wildes Jahrzehnt wieder aufleben: Christian Manchen, Lotta Stein, Christoph Kopp und Robert Nippoldt.
Lassen ein wildes Jahrzehnt wieder aufleben: Christian Manchen, Lotta Stein, Christoph Kopp und Robert Nippoldt.

„Allegro non troppo“ heißt ein Film von Bruno Bozzetto von 1976, in dem ein Zeichner als Solist zur Orchestermusik Zeichentrickfilme improvisieren muss. Kauzig, liebenswert, tief beseelt, so komisch wie traurig. An diesen heute leider vergessenen Geniestreich erinnert „Ein rätselhafter Schimmer“, ein Programm, das, von begeisterten Reaktionen beflügelt, nun Station macht in Pirmasens.

Als poetische Amüsier-Show im Stil der Wilden Zwanziger kündigen Robert Nippoldt und das Trio Größenwahn ihren Auftritt an, der Live-Zeichnungen Nippoldts mit Gassenhauern und Chansons von Marlene Dietrich, Friedrich Hollaender bis hin zu den Comedian Harmonists verbindet. „Eine lockende Stimme, ein flotter Bass, ein swingendes Klavier. Das ist Musik, zu der die Füße tanzen wollen – so auch die Pinsel! Und das tun sie tatsächlich: Live vor den Augen der verblüfften Zuschauer zaubern sie im Takt ein ebenfalls ausgelassen tanzendes Paar auf die weiße Leinwand“, heißt es vorab von Veranstalterseite.

Und so stellt sich auch die Bühne dar: Die lässigen Barmusiker, im Retro-Look an Piano und Kontrabass, eine Diseuse, zwischen cool und lasziv, und in einer Ecke, versteckt hinter seinen Utensilien und Arbeitsleuchten, der Zeichner, dessen solistische Strich- und Pinselbeiträge auf eine Leinwand übertragen werden. Mit Kreide, Bleistift und Tusche wird so in wenigen Augenblicken das Berliner Stadtschloss zur Musik wieder aufgebaut, und die Gedächtniskirche erhält ihr Dach zurück. „Dank Kamera und Groß-Projektion sind die Zuschauer ganz nah dran – an jedem Strich, den die Künstlerhand mit lässiger Eleganz zu Papier bringt“, wird versprochen.

In der Summe entsteht auf der Bühne ein breites Panorama für alle Sinne – von der „Scherenschnitt-Inszenierung“ der Seeräuber-Jenny aus der „Dreigroschenoper“ bis zum ekstatischen Zerlegen eines Konzertflügels durch die Comedian Harmonists oder Huldigungen an die Anfänge des Tonfilms.

Die Musik dazu besorgt das Trio Größenwahn, drei Könner, die „mit Verve und Humor den Klassikern der damaligen Zeit neues Leben einhauchen“. Das Ensemble verbindet den Gesang von Lotta Stein mit Christian Manchens flotter, solider Pianoarbeit und den Läufen und Pulsschlägen von Christoph Kopp am Kontrabass.

Info

»Ein rätselhafter Schimmer«: Robert Nippoldt/Trio Größenwahn; Pirmasens, Festhalle, Fr 19.4., 20 Uhr; Karten: pirmasens.comtec-web.de

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