Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar zu Nachtzügen: Bitte aufwachen

Die österreichische ÖBB ist mit 26 Linien größter Nachzuganbieter in Europa.
Die österreichische ÖBB ist mit 26 Linien größter Nachzuganbieter in Europa. Foto: dpa

Im Klimapaket der Bundesregierung fehlt ein wichtiger Punkt: ein optimiertes Nachtzug-Netz.

Nachtzüge? Wer braucht denn so was? Warum zehn Stunden Zug fahren, wenn der Flieger viel schneller und oft billiger ist? So denken viele. Und konnten sich lange bestätigt fühlen, weil die Flugreise als schick und die Bahn als altmodisch galt. Mit dürftigen Angeboten hat gerade die Deutsche Bahn AG diesen fatalen Trend noch verstärkt.

Doch seit der Klimadebatte und den Fridays-for-Future-Protesten weht ein neuer Wind. Um Zeichen zu setzen, verzichtet die junge Klima-Aktivistin Greta Thunberg aufs umweltschädliche Fliegen, fährt zu Konferenzen lieber 40 Stunden mit dem Zug oder gar mit dem Segelschiff über den Atlantik. Was zeigen soll: Es geht auch anders.

Angebote eingestellt

Nachtzüge können eine prima Alternative sein, gerade zu den besonders schädlichen Kurzflügen im Inland oder in Nachbarländer. Im besten Fall steigt man abends in den Zug, macht sich auf der Liege oder im Privatabteil lang, spart die Kosten für eine Nacht im Hotel und kommt am nächsten Morgen ausgeschlafen und pünktlich mitten im Stadtzentrum an. Das schöne Gefühl, etwas Gutes für die Umwelt getan zu haben, gibt es gratis dazu.

Doch die Politik verschläft das Thema bis heute, wie das Klimapaket der Bundesregierung zeigt. Längst hätte ein attraktives Nachtzugnetz in Europa durch politische Allianzen gefördert werden können. Zum Beispiel durch sehr niedrigere Trassenpreise, einheitliche Buchungssysteme und hohe Investitionszuschüsse für Liege- und Schlafwagen. Doch kaum etwas ist passiert. Im Gegenteil: Unter den Augen der Regierung Merkel durfte der frühere DB-Chef Grube als Totengräber sogar alle Nacht- und Autozüge komplett einstellen.

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