Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Tommy Schneller Band überzeugt auf ganzer Linie

Für überraschende Wendungen gut: die Tommy Schneller Band.
Für überraschende Wendungen gut: die Tommy Schneller Band.

Der Saal des „Kulturzentrums Altes Kaufhaus“ in Landau bildet eine vielseitige Konzertkulisse. Bevor am folgendem Tag ein gediegenes Klaviertrio für Liebhaber der Musik Franz Schuberts spielte, fanden sich am Samstagabend die Besucher in einer Atmosphäre wieder, die an die Location „Fillmore West“ in San Francisco erinnerte. Dort gab es vor über fünfzig Jahren legendäre Konzertereignisse mit Aretha Franklin, King Curts, Jimi Hendrix und vielen anderen Soul- und Rockstars.

Diese Musik steht Pate für die Mischung der Tommy Schneller Band: Soul, Blues, Funk und eine Prise Jazz. Tommy Schneller spielt Tenorsaxophon und singt. Er kommt vom Blues. Sein musikalischer Mentor war Red Holloway. Der amerikanische Blues- und Bebopsaxophonist war in den 90er Jahren auf Europatournee und Tommy Schneller war sein Busfahrer. Der durfte dann jeden Abend für ein, zwei Stücke zu Red auf die Bühne. Das öffnete Türen für eigene Auftrittsmöglichkeiten.

Schneller hat eine professionelle Band um sich, bestehend aus der Rhythmusgruppe mit Schlagzeug (Oliver Spanuth), Bass (Olli Gee), Keyboards (Kirill Vorwald), Gitarre (Fabio Nettekoven) sowie aus einem Bläsersatz mit Gary Winters, Trompete, Dieter Kuhlmann, Posaune, und dem Bandleader selbst. Die Bläsersätze sind messerscharf, man hört, dass die Bläser schon viele Jahre zusammenspielen. Ihre Soli sorgen für Gänsehaut – darüber transportiert treffend der Gesang Schnellers die Ieichte Ironie seiner Texte. Sein Timbre und seine Diktion liegen irgendwo zwischen Dr. John und Johnny Guitar Watson.

Nah dran am wirklichen Leben

Die Texte handeln von „Themen aus dem Leben“. Dabei geht es um Fragen wie diese: Was macht man, wenn einem die Putzfrau wegläuft („Cleaning Lady Blues“)? Wie entkommt man der Ödnis des Arbeitslebens („Higher & higher“)? Wie wird man zum Superhelden in der Beziehung („Super Hero“)?

Das Songmaterial ist zum allergrößten Teil selbst verfasst, einige Stücke sind vom deutschen Bluesgenie Henrik Freischlader mitkomponiert. Sie bedienen – in positiver Weise – gängige Harmonie- und Rhythmusmuster der Genres mit einigen überraschenden Wendungen. Die musikalische Bandbreite reicht von Moll-Blues, angeshuffeltem Swing, über Atlantic-Soul bis zum knallharten Funk. Damit werden die Hörerwartungen der Besucher im „Alten Kaufhaus“ offenbar voll erfüllt.

Bemerkenswerte Solo-Einlagen

Das Programm wird nicht abgespult, jedes Bandmitglied hat genügend Freiraum zur Gestaltung seiner Soli. Erwähnt werden sollte das dynamische Gitarrensolo in „Too through with you“ oder das jazzige Keyboardsolo in „Higher and higher.“

Vorsorglich hatte der Kulturverein die Stühle im Saal entfernt. Bald herrschte eine ausgelassene Tanzstimmung im – großteils – Ü-40-Publikum, nicht zuletzt angefeuert durch die Moderation Schnellers. Der Sonntag konnte kommen.

x