Rheinpfalz
Mannheim: Die Regeln für das Silvester-Feuerwerk
Der Streit um das Feuerwerk erhitzt jedes Jahr vor Silvester die Gemüter. Tierschützer warnen, Feuerwehr und Notärzte richten sich auf Brände und Verletzte ein. Umweltschützer sprechen von Tausenden Tonnen Feinstaub. Erste Handelsketten wie Rewe, Hornbach oder Rossmann verzichten auf den Verkauf, andere wollen folgen. Manche Städte wie München oder Nürnberg verbieten die Knallerei im historischen Kern. Mannheim kann das nicht.
Offiziell heißt es vom Mannheimer Ordnungsamt: „Da Stadt und Polizei keine Erkenntnisse über besondere Gefahren an Silvester in diesem Jahr vorliegen, wird es kein generelles Verbot für Silvesterfeuerwerk geben – auch nicht rund um den Wasserturm, da dieser nicht als besonders brandempfindlich gilt und Schäden dort aus den zurückliegenden Jahren nicht bekannt sind.“
Doch die Tatenlosigkeit könnte andere Gründe haben. „Wir haben keine gesetzliche Handhabe gegen Silvesterfeuerwerk an öffentlichen Plätzen, selbst wenn wir wollten“, sagte Erster Christian Specht (CDU) unlängst. Sein Problem: Das Sprengstoffgesetz ist Bundessache. Mit einer kleinen Textänderung könnte das Innenministerium den Städten das Böllerverbot einfacher machen. Das soll aber erst Ende 2021 umgesetzt werden. So bleibt Specht nur das Prinzip Hoffnung: Am beliebtesten Platz für die alljährliche Knallerei, dem Wasserturm, seien Stadt und Polizei schon zufrieden, wenn es keine schweren Unfälle mit Alkoholisierten gebe. Die ganze Jugendstilanlage abzusperren, sei technisch ohnehin nicht möglich. Und an Silvester könne man auch nicht mehr Beamte als bisher zur Schicht motivieren, so der Bürgermeister.
Kanonenschläge waren gestern
Die Art der Silvesterknallerei hat sich verändert und kommerzialisiert. Wurden früher Kanonenschläge und Raketen einzeln gezündet, sind es längst ganze Artillerien. Das Angebot an Pyrotechnik reicht vom Bombenrohr mit sieben Explosionen für 20 Euro bis hin zur 512-Schuss-Batterie für knapp 200 Euro. Auch in diesem Jahr rechnet der Handel mit Umsätzen von über 130 Millionen Euro.
Diese automatisierte Knallerei zur Tages- und Nachtzeit belastet Mensch sowie Haus- und Wildtiere. An die städtischen Vorschriften, dass Kleinfeuerwerke von Personen über 18 Jahren erst ab dem 31. Dezember, 0 Uhr, bis zum 1. Januar, 24 Uhr, abgebrannt werden können, halten sich die wenigsten. Kontrollen finden nicht statt, weil die Polizei dazu nicht in der Lage ist. Lediglich das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen soll genauer beobachtet werden.
Appell der Stadt
Trotz einer wachsenden Zahl von Gegnern bleibt der Stadt in diesem Jahr nur ein Appell. Im Sinne der Umwelt und zum Schutz von Tieren ruft sie zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Feuerwerkskörpern auf. Und gibt folgende Tipps: Nur Erwachsene dürfen zum Jahreswechsel Silvesterfeuerwerk nutzen. Feuerwerkskörper der Klasse II dürfen also nicht an Kinder oder Jugendliche weitergegeben werden. Nur amtlich zugelassenes Feuerwerk darf in Deutschland gekauft und abgebrannt werden. Das Schießen in der Öffentlichkeit mit Schreckschusswaffen, einschließlich das Verschießen von pyrotechnischer Munition, sei auch an Silvester und Neujahr verboten, heißt es in der städtischen Mitteilung weiter.