Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Debüt auf großer Bühne: die 23-jährige Annike Debus aus Herxheim

Ihr erstes professionelles Künstlerfoto: Annike Debus
Ihr erstes professionelles Künstlerfoto: Annike Debus

Pop wollte Annike Debus eigentlich singen – wie viele Teenager. Doch ihre Gesangslehrerin hat etwas in ihrer Stimme gehört, das die damals 15-Jährige für die Opernbühne empfohlen hat. Dort ist die Herxheimerin jetzt angekommen.

Frankfurt, Düsseldorf oder vielleicht München. Wohin es Annike Debus demnächst verschlagen wird, das weiß sie noch nicht. An allen drei Musikhochschulen hat sie sich für den Master-Studiengang beworben, wenn sie demnächst ihren Bachelor in Mannheim gemacht hat. Nicht, dass sie mit der Uni, ihrem Professor Timothy Sharp oder ihren anderen Lehrern unzufrieden wäre – im Gegenteil. Er fördere seine Studierenden ganz toll, erzählt die 23-Jährige. „Aber ich würde gerne auch mal einen anderen Input bekommen von jemandem im selben Stimmfach.“

Szenenprojekt an der Musikhochschule
Szenenprojekt an der Musikhochschule

Angefangen hat die junge Sängerin mit ihrem Studium 2019 – vier Semester als Sopranistin. Und dann plötzlich realisiert, dass sie in der tieferen Lage des Mezzosoprans viel unangestrengter singen kann. „Die Stimmlage hat nichts damit zu tun, wie hoch man singen kann, sondern damit, wo man sich am wohlsten fühlt“, sagt sie. „Doch die Stimme verändert sich mit den Jahren. Viele tiefe Stimmen gehen später ins dramatische Sopranfach, weil sie ein größeres Volumen besitzen, wie man es als Wagner-Sängerin braucht.“

Mit natürlichem Vibrato ausgestattet

Ihre Stimmlage sieht man der hoch aufgeschossenen Südpfälzerin, deren Eltern beide aus Aachen stammen, schon an. Kleinere Frauen mit kurzem Hals haben auch kürzere Stimmbänder – wer einen längeren Hals besitzt, singt also eher tiefer. Das Ungewöhnliche, das ihre Jockgrimer Gesangslehrerin Nina Schromm schon in jungen Jahren an Annike Debus festgestellt hat: ein natürliches Vibrato und dass sie mit klassischer Technik sang, also in den Kopf- und Mittelregistern.

Einige solcher Zufälle haben bei ihrer Berufswahl zusammengespielt, erzählt sie. Denn sie ist – anders als viele ihrer Kommilitonen – nicht in einer klassischen Musikerfamilie aufgewachsen. Gefördert wurde ihr Talent trotzdem. Neben dem Privatunterricht sang Annike Debus früh in Chören und wählte Musik als Leistungskurs an der Maria-Ward-Schule in Landau.

„Würde es immer wieder so machen“

Nach dem Abi stand ihr Berufswunsch fest. „Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, ob man am Ende damit sein Geld verdienen kann“, sagt Annike Debus. „Doch ich würde es auf jeden Fall immer wieder so machen. Gesang ist eine so erfüllende Lebensaufgabe.“ Schlimm sei gewesen, in der Corona-Pandemie mitanzusehen, wie ältere Jahrgänge vom Studium gleich in die Arbeitslosigkeit wechselten. Da stand sie selbst zum Glück noch ganz am Anfang.

Der Mut hat die Herxheimerin nicht verlassen. Natürlich würde sie gerne nach dem Studium an einer Opernbühne ankommen. Sie hofft auf eine Stelle im Opernstudio eines Theaters als Start eventuell für ein richtiges Engagement. „Ich habe große Lust auf Theater, Bühne, Kostüme, Oper.“ Angetan haben es ihr vor allem Händel-Opern – „die haben tolle Rollen für Mezzosopran“. Doch sie weiß: „Am sichersten ist es, sich nicht auf eine Sache zu fokussieren.“ Es gebe auch viele Möglichkeiten, als Solistin für Konzerte engagiert zu werden und selbst zu unterrichten. Dafür hat sie auch Pädagogik belegt.

Das Lampenfieber hat sie im Griff

Um ihren Weg zu machen, hat sie neben dem Studium Meisterkurse bei Rudolph Piernay und Snezana Stamencovic absolviert. Auch bei ihren Bewerbungen für das Masterstudium ist es mit einem Schreiben aus der Ferne nicht getan. Sie hat geschaut, an welchen Musikschulen renommierte Mezzosopranistinnen unterrichten, ist hingefahren und hat sich bei den Professorinnen in privaten Gesangsstunden vorgestellt.

Szenenabend der Opernschule mit Annike Debus (rechts) als Hänsel mit Annik Mörth als Gretel.
Szenenabend der Opernschule mit Annike Debus (rechts) als Hänsel mit Annik Mörth als Gretel.

Und sie knüpft Kontakte. Erste szenische Bühnenerfahrungen sammelte sie an der Opernschule Mannheim als „Hänsel“. Als „kleine Meerjungfrau“ und „Dornröschen“ ist sie derzeit in Musicalproduktionen der Musikbühne Mannheim zu erleben, von der sie seit Februar 2022 für Titelpartien verpflichtet wird. Ihr Professor Sharp unterstützt seine Studierenden mit Empfehlungen. So bekam Annike Debus im Februar die Chance, auf ganz großer Bühne zu debütieren: mit einem Altsolo bei der Musikwoche Hitzacker mit der Kantate „Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem“ (BWV 159) unter der Leitung von Albrecht Meyer.

Konzertabend der Musikhochschule Mannheim mit Annike Debus (rechts) als Hänsel und Annik Mörth Foto.
Konzertabend der Musikhochschule Mannheim mit Annike Debus (rechts) als Hänsel und Annik Mörth Foto.

Im April war die Herxheimerin zum ersten Mal bei den Schwetzinger Festspielen mit Liedern und Duetten von Dalberg, Danzi und Gail zu hören. Ende Mai wird sie als Solistin bei einer Operngala mit dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode auftreten. Und am 25. Juni singt sie in der Misa a Buenos Aires von Palmeri mit dem philharmonischen Chor Heilbronn unter der Leitung von Till Drömann. Nur Fäden in die Südpfalz habe sie bislang noch nicht spinnen können, sagt sie. „Schade, ich würde gerne auch hier Engagements annehmen.“

Auftritt bei einem Konzertabend der Hochschule
Auftritt bei einem Konzertabend der Hochschule

Vor einem vollen Konzertsaal zu stehen und zu singen, mache ihr nichts aus. Je öfter man auftrete, desto besser habe man das Lampenfieber im Griff, sagt die 23-Jährige. „Aufnahmen, bei denen alles perfekt sein soll, sind schwieriger als Liveauftritte.“ Sängerinnen und Sänger kann Aufregung mehr hemmen als andere Musikern – müssen sie doch ihre Atmung im Griff haben, die bei Stress gerne mal kurz und flach wird. „Doch man kennt irgendwann seinen Körper und weiß wie er reagiert“, hat Annike Debus festgestellt.

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