Eußerthal
875 Jahre Zisterzienserabtei: Asketisches Leben in straffer Ordnung
Dass sich das breite, saftig grüne Tal, durch das sich die kleine Eußer schlängelt, ganz gut als Lebensmittelpunkt für eine Ordensgemeinschaft eignet, kann man sich heute noch gut vorstellen. Stärker ist die Fantasie der Besucher gefordert, wenn sie den Hinweisschildern im Ort folgen und vor dem Rumpf dessen stehen, was einmal eine sechsjochige Abteikirche war, wie archäologische Funde nahelegen. Doch da helfen in Eußerthal Bildtafeln auf die Sprünge.
Seit fünf Jahren gibt es diesen Zisterzienser-Rundweg, auf dem das Leben der Mönche im besonders straff organisierten Orden erläutert wird. Eine Schautafel beschreibt das Skriptorium, dessen wenige überlieferte Handschriften nach Auflösung des Klosters in die Biblioteca Palatina des Vatikans überführt wurden. Genannt ist auch eine Auftragsarbeit für den Fürsten von Zweibrücken, die in München verwahrt wird: eine Abschrift des „Grünen Teufels“ von 1461, eines Buch über den Prozesses gegen den Teufel – damals sehr populär.
Nur im Kalfaktorium konnten sich die Brüder aufwärmen
Nachlesen kann man auf dem Rundgang über den Mönchsbau mit dem Dormitorium, den Konversenbau für die Laienbrüder und den Kreuzgang samt Brunnenhaus – so es denn eins gab wie in vielen anderen Zisterzienseranlagen. Nachweislich verfügte das Kloster über eine Sakristei, eine Bibliothek und ein Armarium, einen Bücherschrank, in den Mönche Werke aus der Bibliothek abstellen konnten. Der Kapitelsaal diente als Gemeinschaftsraum der Brüder mit einem Lesepult und der typischen umlaufenden Bank.
Das Parlatorium war ein Raum, in dem die Mönche nicht das Schweigegebot einhalten mussten. Und im Kalfaktorium als einzigem beheizten Raum in dem sonst kalten Klosterbau konnten sie sich aufwärmen. Es gab ein Abtshaus, eine Schule, die Klostermühle, die Klosterpforte und die Wirtschaftsbetriebe mit der berühmten Forellenzucht. In einem Krankenhaus betreuten die Mönche auch die Einwohner des im 16. Jahrhundert um das Kloster entstandene Dorf Eußerthal. Auch eine Herberge dürfte es gegeben haben.
Kloster schon 1560 aufgegeben
Das alles steht heute nicht mehr. Selbst die Fischzucht, die noch bis zuletzt betrieben wurde, ist inzwischen eingestellt. Schon 1561 ließ Kurfürst Friedrich III. das Kloster infolge der Reformation aufheben – zuvor war es bereits mehrfach verwüstet und geplündert worden, etwa 1525 im Bauernkrieg.
Zu sehen ist vor Ort nur noch der Mitte des 18. Jahrhunderts renovierte Teil der um 1220 begonnenen und 1259 geweihten Klosterkirche: Chor, Vierung und vier Seitenkapellen der dreischiffigen Pfeilerbasilika sowie das erste Joch des Langschiffs. Zwei Drittel des Gotteshauses aus rotem Sandstein, das der größeren Abteikirche Otterberg stark ähnelte, sind also verschwunden. Stattdessen erhielt die Kirche eine Westfassade mit Eingang und wirkt damit wie ein Zentralbau. Wie bei Zisterzienserkirchen üblich, besitzt sie keine Türme, stattdessen einen Dachreiter.
Nachttreppe fürs Gebet
Während einige der Fenster noch im romanischen Stil gebaut sind, wurden die Kreuzrippengewölbe schon frühgotisch gestaltet. In der Nordkapelle finden sich Weihwassernischen, ein Taufstein, Maßwerk-Rosetten und als ungewöhnlichstes Bauteil auf einem Türbogen das gut erhaltene Relief eines Drachens, eines Lindwurms.
Ein Fenster, das auf halber Höhe ins Auge fällt, erzählt ein Stück vom Leben der Mönche: Sein abgewetzter Sims legt nahe, dass die Öffnung einmal eine Tür war und den Mönchen als direkter Weg über die Nachttreppe vom Dormitorium in die Kirche diente, wenn sie sich mehrfach in jeder Nacht – im Winter bei eisigen Temperaturen – zum Gebet versammelten.
Auf der nördlichen Außenwand sieht man noch, wo die heute verschwundenen Bauteile einmal angesetzt waren.
Hüter der Reichskleinodien auf dem Trifels
Erfasst wurde die Anlage vor wenigen Jahren auf der Internetplattform Kuladig („Kultur, Landschaft, Digital“). Zu lesen ist dort in einer Beschreibung des früheren Bad Bergzaberner Stadtarchivars Rolf Übel beispielsweise, dass das Kloster Eußerthal eines der ältesten Zisterzienserklöster aus der Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war. „Unter den Staufern wurde das Kloster besonders gefördert und unter den Schutz des Reiches gestellt.“ Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122 bis 1190), der 1186 Eußerthal besuchte, übertrug den Mönchen das Kaplansamt der Reichsburg Trifels und machte sie damit zu den Hütern der Reichskleinodien, die dort im 12. und 13. Jahrhundert verwahrt wurden. Bis 1529 waren sie auf Trifels in Amt und Würden. Der Fußweg, den die Brüder vom Kloster bis zur Burg absolvieren mussten, ist heute als Wanderweg ausgeschildert.
Sehr viel ausführlicher ist die Geschichte des Eußerthaler Zisterzienserklosters im ersten Band des Pfälzischen Klosterlexikons beschrieben, das das Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde herausgegeben hat. Im ersten Band ist nachzulesen, dass die Erbauung vor 875 Jahren Teil einer regelrechten Gründungswelle nach dem Vorbild der Zisterzienser im burgundischen Citeaux war, nachdem Bernhard von Clairvaux 1146/47 am Oberrhein war und unter anderem im Speyerer Dom gepredigt hatte.
Wirtschaftshöfe in der ganzen Pfalz
Die Reformbenediktiner bevorzugten für ihre asketische Lebensmaxime einsame Waldtäler. Eußerthal war ein Tochterkloster der lothringischen Abtei Weiler-Bettnach. Stifter sollen zwei Adelsfamilien gewesen sein: die Herren von Mörlheim und die Grafen von Lobdeburg-Auhausen aus Thüringen. Am inneren südlichen Chorbogen in der Kirche und an der Ostfassade findet sich das Wappen derer von Mörlheim – zwei sich greifende Handpaare. Die lateinische Inschrift lautet übersetzt: „Das Wappen des Herrn Stephan, des strengen und edlen Ritters von Merlnheim, welcher dieses Kloster stiftete im Jahre 1148“. Bestätigt wurde die Gründung in Eußerthal zehn Jahre später durch Papst Hadrian IV..
Der Besitz des Klosters wuchs durch weitere Schenkungen schnell an. Wie bei den Zisterziensern üblich, versorgte sich das Kloster mit Wirtschaftshöfen, die nicht nur im Umland lagen. Die Eußerthaler kauften Stadthöfe in Landau und Weißenburg. Ihnen gehörten Wald- und Weiderechte sowie große Ländereien vom Pfälzerwald bis zum Rhein, zwischen Trippstadt im Westen, dem Elsass im Süden und Worms im Norden, versorgten die Mönche mit Lebensmitteln, Wein und Holz. Wie viele Mönche in Eußerthal lebten, ist nicht überliefert.
Termin
Die katholische Kirchengemeinde St. Bernhard und die Ortsgemeinde Eußerthal feiert das Jubiläum 875 Jahre Zisterzienserkloster Eußerthal mit einem Bürgerempfang am 30. April, 17 Uhr, im Gemeindehaus sowie mit einem Festgottesdienst am 7. Mai, 10 Uhr, mit anschließendem Klostermarkt. Nachzulesen sind die kulturhistorischen Informationen über die frühere Klosteranlage unter www.kuladig.de.
Wandertipp: der Mönchsweg
Nicht nur besichtigen, auch wandern kann man auf den Spuren der Mönche: Der historische Weg startet an der Zisterzienserabtei in Eußerthal und führt zwölf Kilometer über die Stadtkirche in Annweiler auf die Burg Trifels. Die Mönche mussten diesen Weg früher nehmen, um ihre ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen, die Reichskleinodien auf der Feste zu hüten. Er zieht sich vorbei an Streuobstwiesen, Weinbergen und durch dichten Wald – Mönchsschilder weisen heutigen Wanderern den Weg. Unterwegs passiert man die Eselstränke mitten im Wald, den Mönchsbrunnen in Gräfenhausen und den Danziger Brunnen. Auch schöne Ausblicke bieten sich. Einkehrmöglichkeiten finden sich vor allem in den Dörfern.