Mannheim
Schüsse auf Rocker: Täter vermutlich im Ausland
Die Staatsanwaltschaft Mannheim vermutet den 27-Jährigen, der vor drei Wochen auf Angehörige des Motorradclubs Germanen Mannheim geschossen haben soll, mittlerweile im Ausland. „Wir gehen nicht mehr davon aus, dass sich der Gesuchte noch in Deutschland aufhält“, sagte Erster Staatsanwalt Marc Schreiner auf RHEINPFALZ-Anfrage.
Der türkische Staatsbürger ist dringend verdächtig, in der Nacht vom 24. auf den 25. September vor einem Lokal im Stadtteil Waldhof sechs Mitglieder der Germanen durch Schüsse aus einer halbautomatischen Waffe, Kaliber neun Millimeter, zum Teil schwer verletzt zu haben. Das Mannheimer Amtsgericht hat Haftbefehl wegen sechsfachen Mordversuchs erlassen. Der mutmaßliche Schütze soll nach einem Streit heimtückisch eine Waffe noch unbekannten Typs gezogen und unvermittelt zwei Magazine auf die Rocker abgefeuert haben, die Rede war von 16 Schüssen. Das Fluchtfahrzeug war später in Eschborn bei Frankfurt aufgetaucht.
Keine Hinweise auf Streit mit Clans
Die Staatsanwaltschaft hat „aktuell keine Anhaltspunkte“, dass der Verdächtige dem Clanmilieu zuzurechnen sei, sagte Schreiner. Auch gehöre er keiner Rockergruppierung an, insofern gebe es auch keine Hinweise, dass die Schüsse auf Auseinandersetzungen in der Bikerszene zurückzuführen seien. Man vermute eher einen privaten Streit zwischen Einzelpersonen als Hintergrund der Tat, der Schütze sei offenbar ein Mensch „mit kurzer Lunte“, so Schreiner. Die Germanen selbst hatten von einer privaten Fehde gesprochen, die in einem länger zurückliegenden Streit eines Rockers mit mehreren Kurden in einer Shisha-Bar wurzeln könnte. Mithin könnte Rache eine Rolle gespielt haben.
Der Szenekenner Michael Ahlsdorf, langjähriger Chefredakteur der früheren Mannheimer Zeitschrift „Biker News“, glaubt ebenfalls nicht an ein Aufflammen neuer Revierkämpfe unter lokalen Rockerclubs. Zwar gebe es weiterhin Rivalitäten, auch zwischen den in Mannheim aktiven Rockervereinigungen Gremium MC und Hells Angels. Aber insgesamt habe sich das Geschehen sehr beruhigt. „Natürlich gibt es immer einzelne Mitglieder von Clubs, die auffällig werden“, sagt Ahlsdorf, sei es im Drogenhandel oder durch Gewaltkriminalität: „Rocker sind nicht zimperlich.“ Doch da werde immer auch „viel hineininterpretiert“, meint der 60-Jährige.
Nach RHEINPFALZ-Informationen gelten die Mannheimer Germanen in Sicherheitskreisen als „eher unproblematische“ Gruppierung.