Landtagswahl 2021 RHEINPFALZ Plus Artikel Das Duell der Spitzenkandidaten: Baldauf gegen Dreyer

Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oppositionsführer Christian Baldauf im SWR-Studio.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oppositionsführer Christian Baldauf im SWR-Studio.

Die Spitzenkandidaten von SPD und CDU lieferten sich am Freitagabend unter den Augen des TV-Publikums eine unaufgeregte Diskussion: Regierungschefin Malu Dreyer und Herausforderer Christian Baldauf trafen eine Stunde lang im SWR aufeinander. In der Endphase des Wahlkampfes bleibt das Coronavirus zwar ein wichtiges, aber nicht das dominierende Thema.

Christian Baldauf war mit einer doppelten Hypothek angetreten: Zum einen hatten gerade zwei Umfragen die SPD vor der CDU gesehen. Zum anderen hatte Malu Dreyer wenige Stunden vor der Sendung bekannt geben können, dass die Geschäfte ab Montag in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz öffnen dürfen.

Baldauf ließ sich das nicht anmerken, versuchte seine Kontrahentin beim Lächeln noch zu überbieten. Dreyer präsentierte sich als verantwortungsvolle und erfolgreiche Krisenmanagerin, die den Bürgern Lob für ihre Disziplin in der Pandemie spendete. Der Oppositionsführer hielt ihr entgegen, dass noch mehr als 100.000 Senioren über 80 Jahren nicht geimpft seien.

Heißes Eisen Flughafen Hahn

Moderator Fritz Frey lenkte die Debatte auf das heiße Eisen Flughafen Hahn. „Der ganze flugaffine Bereich“ sei von der Insolvenz des chinesischen Haupteigentümers nicht betroffen, ließ Dreyer Kritik an der Landespolitik abtropfen. Und es sei in dieser Krisenzeit „ein bisschen Glück“, dass der Hahn auf Fracht gesetzt habe. – Das klinge so: „Wir sind nicht mehr Eigentümer, also muss uns das nicht mehr scheren“, konterte Baldauf. Er forderte eine Vision für den Flughafen: Ein Wirtschafts- und Innovationszentrum müsse dort entwickelt werden.

Dreyer kommt viel länger zu Wort

Zu Beginn des letzten Viertels der Sendung blickte der Moderator sorgenvoll auf die Redezeiten der Kontrahenten. Nach den Spielregeln sollten Herausforderer und Amtsinhaberin am Ende nahezu gleich lange gesprochen haben. Doch Dreyer war viel länger zu Wort gekommen. Mit der Frage, wie sie es mit dem Thema Windräder im Pfälzerwald halte, wollte Baldauf Punkte sammeln. Dort, wo die Windhöffigkeit stimme und es landschaftlich vertretbar sei, dürfen Windräder angesichts des Klimawandels auch im Pfälzerwald kein Tabu sein, bekannte Dreyer Farbe.

Und so haben die Mainzer RHEINPFALZ-Korrespondenten das TV-Duell gesehen:

Arno Becker: Vielleicht zu wenig Baldauf

Es hat durchaus ordentlich begonnen für CDU-Mann Christian Baldauf: Beim Thema Corona verkneift er sich Attacken auf die Ministerpräsidentin. Bei diesem Thema kann auch Dreyer im Duell nicht wirklich punkten. Beim Thema Wirtschaftspolitik platziert der CDU-Mann reichlich Positionen seiner Partei. Vor allem auf diesem Feld bringt er Dreyer ordentlich in Verlegenheit. Er schmiert ihr zwei Milliarden Euro Investitionsstau bei Landes- und Gemeindestraßen aufs Brot. Beim Thema Hahn lässt Baldauf die Ministerpräsidentin schwach aussehen. Ganz anders beim Thema Schulen. Die Ministerpräsidentin lässt die Kritik am „Bildungschaos“ abprallen. Baldauf redet zu wenig. lauscht den Worten Dreyers mit sichtbarem Unwohlsein. Schon nach 45 Minuten hat Dreyer fast fünf Minuten länger geredet. Baldauf kriegt die Chance, ausführlich über Landwirtschaft und Umwelt zu reden. Das Höfesterben müsse gestoppt werden, ist eine der wenigen Botschaften, die er unters Volk bringt. Es könnte zu wenig gewesen sein.

Karin Dauscher: Überraschend stark

Christian Baldauf hat keine Chance, aber er hat sie genutzt. Das könnte das Fazit des SWR-Duells sein – an dem Tag, an dem die Umfragewerte erstmals deutlich zugunsten der SPD ausschlagen. Der CDU-Spitzenkandidat ist frisch, ausgeruht, gut vorbereitet. Er greift an, ohne zu giften. Ministerpräsidentin Malu Dreyer dagegen hat einen schwierigen Start. Sie verhaspelt sich, scheint noch sehr im Tagesgeschäft festzustecken, im Corona-Krisenmanagement. Erst bei den Themen Bildung und Kommunen ist sie konzentrierter und wirkt überzeugend. Beim Flughafen Hahn sieht Dreyer keinen Handlungsbedarf, Baldauf stellt Ideen vor, wie das Gelände jenseits des Fluggeschäfts entwickelt werden kann. Geschickt von Baldauf: Er fordert Dreyer heraus, sich grundsätzlich für die umstrittene Windkraft im Pfälzerwald auszusprechen – an Plätzen, die windhöffig sind und landschaftlich verträglich. Dreyer stellt dagegen fest, dass Baldauf nichts dazu sagt, wie er dem Klimawandel begegnen will – und das ist ganz sicher ein Punkt für Dreyer.

Der Herausforderer: Christian Baldauf.
Der Herausforderer: Christian Baldauf.
Die Amtsinhaberin: Malu Dreyer.
Die Amtsinhaberin: Malu Dreyer.
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