Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Coronakrise: Todeskurve zeigt nach oben

130 Todesfälle gab es bisher in Rheinland-Pfalz im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.
130 Todesfälle gab es bisher in Rheinland-Pfalz im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.

In Rheinland-Pfalz sind seit Beginn der Corona-Pandemie bereits 130 Menschen gestorben. Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren gab es landesweit insgesamt 101 Tote durch Grippe. Aber kann man dies überhaupt vergleichen?

Der erster Todesfall im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Rheinland-Pfalz wurde am 19. März bekannt: Es war eine 84-jährige Frau aus dem Westerwaldkreis, die zwei Tage zuvor in instabilem Zustand in eine Klinik in Bad Ems eingeliefert worden war. Sie wurde auf die Intensivstation gebracht, verstarb aber kurze Zeit später. Seitdem ist die Anzahl der Corona-Toten in Rheinland-Pfalz ständig gestiegen – am Mittwoch im Vergleich zum Vortag allein um 13 Fälle auf jetzt 130.

Auch in der Pfalz gab es nach der Übersicht des Landesuntersuchungsamtes (LUA) – Stand: Mittwoch, 10.30 Uhr – vier neue Todesfälle: so im Donnersbergkreis, im Kreis Kusel, im Rhein-Pfalz-Kreis und im Kreis Südliche Weinstraße.

Vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie war teils behauptet worden, das neuartige Coronavirus sei weniger gefährlich als die Grippe. Ein Blick auf die Todesfälle, die das Landesuntersuchungsamt, im Zusammenhang mit der Influenza nennt, zeigt allerdings: Pro Jahr sind es lediglich ein Dutzend Fälle, eine Ausnahme ist das Jahr 2018 mit 44 Fällen. In den vergangenen zehn Jahren gab es in Rheinland-Pfalz demnach insgesamt 101 bestätigte Grippe-Tote. Seit Beginn der Corona-Pandemie im März dieses Jahres sind es in Rheinland-Pfalz dagegen schon 130 Corona-Tote – das ist bereits das Zehnfache der 13 Grippetoten in diesem Jahr. Und die Corona-Todeskurve wird sicher weiter ansteigen.

Unterschiedliche Zählung der Todesfälle

Doch ein Vergleich der beiden Entwicklungen ist nur eingeschränkt möglich. Die Zählung der Todesfälle sei bei Corona und Grippe unterschiedlich, sagt LUA-Sprecher Achim Ginkel: „Wir haben uns vor Jahren im Landesuntersuchungsamt darauf festgelegt, bei Anfragen zu Grippe-Todesfällen immer die Zahl zu nennen, bei denen im Meldesystem vermerkt ist, dass die Betroffenen ursächlich an der Grippe verstorben sind.“ Das sei eine sehr enge Definition. Bei Corona würden dagegen derzeit nach der Vorgabe des Robert-Koch-Instituts (RKI) alle Todesfälle „im Zusammenhang“ mit diesem Virus gezählt. Dies sei eine eher weit gefasste Definition, die höhere Zahlen zur Folge habe.

Es sei letztlich immer eine Festlegung, wie ein Fall im Meldesystem hinterlegt werde, so Ginkel weiter. In dem vom Arzt ausgestellten Totenschein stehe nicht „Tod durch Grippe“, denn die Menschen würden nicht am Erreger selbst, sondern an den Folgen und Komplikationen einer Infektion und letztlich an Herz-, Organ-, Kreislaufversagen und ähnlichem sterben. Erst die spätere Recherche durch die Gesundheitsämter mache eine Zuordnung zu einem Infektionsgeschehen erst möglich, sagte Ginkel: Und dann müsse jemand nachträglich die Entscheidung treffen, ob ein Patient „ursächlich an der Krankheit“ oder „im Zusammenhang“ mit einer Erkrankung gestorben sei.

Der Blick auf die Grippesaison 2017/18

In der Grippesaison 2017/18 hatte es besonders viele Erkrankungen gegeben, damals wurden deutschlandweit 1671 laborbestätigte Todesfälle durch Grippe registriert. Die Anzahl der im Zusammenhang mit Influenza stehenden Todesfälle schätzt das Robert-Koch-Institut aber für 2017/18 auf rund 25.000. Eine Zahl, die sich freilich auf einen Zeitraum von mehreren Monaten bezieht. Die Anzahl der bisherigen Corona-Toten in Deutschland gab das RKI am Mittwoch mit 4879 an. Ihre Anzahl hat sich zuletzt in den vergangenen zwölf Tagen verdoppelt.

In Rheinland-Pfalz gibt es laut Landesuntersuchungsamt (Stand Mittwoch) derzeit 5638 Corona-Infizierte, das sind 85 Fälle mehr als am Vortag. 3881 Menschen, die sich infiziert hatten, gelten mittlerweile wieder als genesen.

Erst Schulstart am Montag, dann doch wieder Schließungen?

Das Mainzer Bildungsministerium hält an seiner Absicht fest, ab Montag die Schulen in Rheinland-Pfalz für einen Teil der Schüler schrittweise wieder zu öffnen. Doch das Ministerium schließt gleichzeitig nicht aus, dass man sich erneut zu Schulschließungen gezwungen sehen könnte.

Wissenschaftler der Universitäten Kaiserslautern, Trier und Koblenz-Landau hatten am Dienstag ausdrücklich davor gewarnt, die Aufnahme des Schulunterrichts komme zu früh. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Infektionszahlen infolge der Schulöffnung signifikant ansteigen, sei als „sehr groß einzuschätzen“, sagte Thomas Götz, Professor für Mathematik an der Universität Koblenz-Landau. Es könne zu einer Verfünffachung des Todesfälle kommen. Mit mathematischen Simulationen hatte die Forschergruppe die Auswirkung der Schulöffnung auf den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie abgeschätzt.

Ministerium schließt Kurswechsel nicht aus

Das Bildungsministerium verteidigte am Mittwoch seine Pläne. Ziel aller Maßnahmen sei es stets gewesen, die Infektionszahlen so weit zu reduzieren, dass die Kurve flach wird und man genug Kapazitäten in den Kliniken für die Erkrankten zur Verfügung habe. Das sei gelungen, sagte Ministeriumssprecherin Sabine Schmidt. Deshalb hätten Bund und Länder leichte Lockerungen der Kontaktverbote beschlossen. Dazu gehörten auch Schulöffnungen in einem begrenzten Umfang. In Rheinland-Pfalz betreffen sie zunächst ein Drittel der Schüler. Schmidt: „Bei diesen schrittweisen Schulöffnungen stehen selbstverständlich Infektions- und Gesundheitsschutz an erster Stelle.“

Doch das Ministerium schließt einen Kurswechsel nicht aus: Gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden werde man das Infektionsgeschehen und auch die Erfahrungen mit der schrittweisen Öffnung sehr genau beobachten und auswerten. „Je nachdem wie sich die Situation verändert, kann das auch bedeuten, dass Schulen wieder geschlossen werden müssen oder die nächsten Schritte zurückgestellt werden“, sagte Schmidt.

Hygieneplan: Keine Masken im Unterricht

Der Neustart des Schulbetriebs wird mit einem Hygieneplan begleitet. Er sieht etwa vor, dass in den Unterrichtspausen und im Schulbus eine Mund-Nasen-Maske getragen werden soll. Im Unterricht selbst sei dies aber bei gewährleistetem Sicherheitsabstand nicht erforderlich, heißt es in dem Plan des Bildungsministeriums. Zur Vermeidung einer Virus-Übertragung muss in der Schule ein Abstand von mindestens 1,50 Metern eingehalten werden. ros

Alle Fakten zum Stand der Corona-Infektionen in der Pfalz stehen hier.

Ab Montag beginnt in Rheinland-Pfalz schrittweise wieder der Schulunterricht. Die Schulen waren wegen der Corona-Krise seit 16.
Ab Montag beginnt in Rheinland-Pfalz schrittweise wieder der Schulunterricht. Die Schulen waren wegen der Corona-Krise seit 16. März geschlossen.
Ein Hygieneplan des Mainzer Bildungsministeriums für die Schulen fordert auch im Unterricht das Einhalten der Abstandsregeln.
Ein Hygieneplan des Mainzer Bildungsministeriums für die Schulen fordert auch im Unterricht das Einhalten der Abstandsregeln.
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