Wilgartswiesen
Neuer Podcast „(Un)Endlich Wald“: Ruheforst thematisiert Tod und Trauer
2300 Menschen haben bereits ihre letzte Ruhestätte im Ruheforst Südpfälzer Bergland in Wilgartswiesen gefunden. Wenn das Team des Waldfriedhofs auf dem 37 Hektar großen Gelände nach dem Rechten schaut, kommt es immer wieder mit Angehörigen ins Gespräch und erlebt verschiedene Facetten des Trauerns – und das Bedürfnis, über dieses schwere Thema zu reden. „Wir wollen eine Plattform anbieten, auf der Menschen, die selbst Verluste erlebt haben, von ihren Gefühlen und Erfahrungen erzählen. Zu Wort kommen aber auch Menschen, die in der Begleitung von Hinterbliebenen ihre Berufung gefunden haben und Unterstützung auf dem Weg zurück ins eigene Leben leisten können“, erklärt Mitarbeiterin Michaela Runck. Aus diesem Gedanken heraus sei die Idee zu einem Podcast entstanden. Und so geht am Freitag die erste Folge von „(Un)Endlich Wald“ online.
Die Gesprächspartner des bekannten Moderators Michael Daub, den der Ruheforst für das Projekt gewinnen konnte, sind so vielfältig wie die Menschen, die in dem 200 Jahre alten Buchenmischwald oberhalb von Wilgartswiesen Teil der Erde werden. An den dortigen Bäumen und Findlingen seien Alte und Junge begraben, Kranke, für die der Tod auch eine Erlösung sein könne, Naturverbundene wie passionierte Wanderer und Jäger oder Menschen, die bewusst diese Bestattungsart wählten, um Angehörigen keine Grabpflege aufzuerlegen. „Wir hatten auch mehrere Suizid-Fälle im vergangenen Jahr“, berichtet Michaela Runck. Und im Regenbogenbiotop könnten Eltern von ihren Sternenkinder Abschied nehmen.
Der Verlust des eigenen Kindes
Wie sich Eltern fühlen, deren Kinder während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt sterben, weiß Nina Bernhart von der Selbsthilfe-Initiative Leere Wiege in Landau. Sie will in der vierten Folge des Podcasts für das Thema sensibilisieren. Den Verlust ihres Kindes musste auch Kirsten Halbwax verkraften. Ihr siebenjähriger Sohn Max starb an einem Hirntumor, während sie gerade mit einem weiteren Kind schwanger war. „Ihre Geschichte hat mich sehr berührt. Dieser Konflikt, den sie mit sich austragen musste, das eine Kind gehen zu lassen und gleichzeitig das neue Leben anzunehmen“, erklärt Runck. Doch die Zweibrückerin habe aus ihrem persönlichen Schicksalsschlag heraus die Motivation gefunden, sich für Eltern zu engagieren, die selbst ein Kind verloren haben. Mittlerweile hat sie sich zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen und leitet ein Trauercafé für verwaiste Eltern, worüber sie in der zweiten Folge berichten wird.
Dass Männer anders trauern als Frauen erlebt Michaela Runck immer wieder, wenn sie Angehörige an den 1500 bislang belegten Ruhebiotopen trifft. So kam das dreiköpfige Podcast-Team auch auf die Idee, den Autor des gleichnamigen Buchs einzuladen. Der Trauerbegleiter Thomas Achenbach aus Osnabrück wird in Folge drei zu hören sein. Folge fünf liege ihrer Kollegin Jacqueline Mayer sehr am Herzen, sagt Runck, da sich diese der buddhistischen Lehre verbunden fühle. In Otterberg bei Kaiserslautern gibt es einen Shaolin-Tempel. Mit dessen Abt Shi Heng Zong wird Moderator Daub über das Thema Buddhismus und Waldbestattungen sprechen. „Das ist etwas ganz Ungewöhnliches, ich bin selbst gespannt“, blickt Runck auf das Kommende.
Schon 40 Prozent kaufen Baumgrab zu Lebzeiten
Für die sechste Folge plant das Team ein Gespräch mit Vertretern beider Kirchen. Diese wird den Abschluss der ersten Staffel bilden. Aber das Ruheforst-Trio hat schon Ideen für weitere interessante Sprecher. „Wir warten aber zunächst ab, wie der Podcast überhaupt ankommt“, der über den Marketing-Etat des Ruheforsts, der von der Gemeinde Wilgartswiesen betrieben wird, finanziert wird. Vielleicht könnte dann auch das Thema Vorsorge zur Sprache kommen. Denn immer mehr Menschen wollten selbstbestimmt festlegen, wie ihr letzter Weg sein wird, berichtet Runck.
Von den Verträgen für Ruhebiotope in Wilgartswiesen würden noch etwa 60 Prozent bei Sterbefällen abgeschlossen. Mittlerweile schon etwa 40 Prozent kauften sich ihr Baumgrab schon zu Lebzeiten. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ende habe deutlich zugenommen, ist Runcks Beobachtung. „Für viele ist es tröstlich, wenn ihre Wünsche in die Gestaltung der Beerdigung einfließen können. Und viele wollen ihren Kindern auch die Entscheidungslast abnehmen.“ Eine Bestattung auf dem Ruheforst kostet einmalig zwischen 560 und 1100 Euro – je nach Alter des Baums, den man wählt. Die Asche des Verstorbenen wird in einer biologisch abbaubaren Holzurne aus dem Bestand des Ruheforstes beigesetzt und verbleibt in der Erde, sodass das, was bleibt, in den ewigen Kreislauf der Natur übergehen kann. Ruheforstwälder sind für 99 Jahre unter Schutz gestellt. Der 2007 eröffnete Wilgartswiesener Waldfriedhof hat somit eine vertraglich vereinbarte Laufzeit bis 2106, in der dieser nicht forstlich bewirtschaftet und dem natürlichen Werden und Vergehen überlassen wird.
Start des sechsteiligen Podcast am Freitag
Am Freitag, 19. Januar, erscheint die erste Folge. Den Auftakt macht der Leiter des Ruheforsts. Revierförster Bernhard Klein wird nicht nur über die Entstehung und Philosophie des Waldfriedhofs berichten, sondern auch das Thema Waldsterben in den Blick nehmen und wie die Zukunft unserer grüne Lunge im Zeichen des Klimawandels gesichert werden kann.
Info
Der Podcast „(Un)Endlich Wald“ erscheint jeweils am dritten Freitag im Monat. Start der sechsteiligen ersten Staffel ist am Freitag, 19. Januar. Den Podcast finden Sie unter www.ruheforst-suedpfaelzerbergland.de/podcast und überall dort, wie es Podcasts zu hören gibt.
