Pfalz
Wie man einen Pfälzerwald-Verein rettet: Drei Vereine haben es geschafft
Es steht schlecht um den Pfälzerwald-Verein (PWV) Münchweiler. Mitglieder gibt es genug, nur den Vorstand will keiner übernehmen – der Verein befindet sich in Auflösung. „Das ist traurig, aber noch sind wir hoffnungsvoll, dass sich vielleicht doch noch jemand findet“, sagt Florian Bilic. Der Hauptgeschäftsführer des PWV ist selbst erst 29 Jahre alt und betont, dass es auch anders gehen kann. Die Ortsgruppen in Rheinzabern, Leimen und Thaleischweiler-Fröschen hätten es rund um die Vorstandsmitglieder Simon Bauer, Tim Rether und Pascal Rivera Campos geschafft, weitere junge Menschen zu finden, die die Vereine inzwischen leiten.
Schritt 1: Die Ausgangslage
Alle Ortsgruppen freuen sich, wenn sie Mitglieder finden, einige brauchen diese besonders dringend. Der PWV Rheinzabern stand vor einem Jahr kurz vor der Auflösung. Auch nach drei Sitzungen konnte kein neuer Vorstand gefunden werden, erzählt der 34 Jahre alte Simon Bauer, der den Verein heute leitet. In Thaleischweiler-Fröschen sah es im Januar 2022 ähnlich aus: Der Hüttenbetrieb konnte wegen fehlender Dienste nicht fortgeführt werden, der Vorstand wollte nicht weitermachen, berichtet der jetzige Vorstandsvorsitzende Tim Rether. Und Pascal Rivera Campos, der seit März dem Vorstand des PWV Leimen angehört, berichtet, dass es um seinen Verein ebenfalls schlecht stand: „Der vorherige Vorsitzende hat praktisch alle Ämter übernehmen müssen, ohne ihn hätte der Verein nicht so lange bestehen können.“
Schritt 2: Das Problem bekannt machen
Um junge Leute zu finden, die rettend eingreifen können, müssen diese von der Situation erfahren. In Rheinzabern und Leimen war es Zufall, dass Bauer und Rivera Campos mit dem Verein in Kontakt gekommen sind. Geholfen hat, die Situation im Ort publik zu machen und Menschen an Festen und bei den Hütten anzusprechen. „Dass der Verein keinen neuen Vorstand findet, war Dorfgespräch“, sagt Bauer. Rivera Campos sei mit seiner Fußballmannschaft an der Leimener Schutzhütte gewesen, als sie auf den Verein zu sprechen kamen. „Ich wusste nicht mal so richtig, dass es einen Pfälzerwald-Verein in Leimen gibt“, sagt der 32-Jährige. Rether hingegen ist seit 2016 Mitglied im PWV Thaleischweiler-Fröschen. Als er anbot, Hüttendienste zu übernehmen, habe er gehört, dass sich der Vorstand auflösen wollte und sei aktiv geworden.
Schritt 3: Die Arbeit aufteilen
Dass die Aufgabe, den Verein vor der Auflösung zu bewahren, nicht von einer Person bewältigt werden kann, war den Männern schnell klar. Mitstreiter kann man zum Beispiel offensiv suchen. Rether habe dazu zunächst die Vereinssatzung studiert und geschaut, welche Posten es zu besetzen galt. Dann habe er eine Infoveranstaltung organisiert, „zu der gleich etwa 25 Interessierte in meinem Alter kamen“, sagt der 27-Jährige. Mit Bekannten, alle zwischen 26 und 33 Jahre alt, habe er den neuen Vorstand gegründet. Eine zweite Möglichkeit, um Hilfe zu finden: die jeweiligen Freundeskreise mobilisieren. So haben es Bauer und Rivera Campos gemacht und sich den Aufgaben gemeinsam mit Freunden und Freundinnen gestellt. „Am Anfang haben wir uns nur ein bisschen darum gestritten, wer den ersten Vorsitz übernimmt“, sagt Bauer und lacht.
Schritt 4: Neue Mitglieder finden
Ist der Erhalt des Vereins gesichert, kann der frische Wind genutzt werden, um ihn auszubauen und zu vergrößern. „Es gab einen richtigen Schub. Auch durch Mundpropaganda und den Freundeskreis. Nach dem Motto: Wenn ihr mitmacht, wollen wir auch dabei sein“, berichtet Rivera Campos. Innerhalb von wenigen Wochen war der Leimener Verein von 32 auf 90 Mitglieder gewachsen. Neben diesem Dominoeffekt sind es Feste und Veranstaltungen, die die Möglichkeit bieten, interessierte Besucher zu Mitgliedern zu machen. In einem Jahr hat der PWV Thaleischweiler-Fröschen 120 neue Mitglieder gefunden. „Allein bei unserem Eröffnungsfest haben sich bestimmt 30 neue Leute gefunden“, berichtet Rether. Um junge Menschen anzusprechen, sei es sinnvoll, neue Ideen auszuprobieren. Eine Schnaps-Bar auf dem Weihnachtsmarkt und ein Burger-Essen seien bei der jüngeren Generation beispielsweise gut angekommen.
Schritt 5: Mit Vorurteilen aufräumen
Als traditioneller Verein hat der PWV bei manchen einen Ruf als Verein für alte Leute. Um mit Vorurteilen aufzuräumen, hilft es, Vorteile zu betonen. So hat es Rivera Campos gemacht. „Wir wollten den Leuten zeigen, dass es kein Verein für Alte, sondern ein Verein für alle ist“, erklärt er. Wandern, grillen und bei einer Schorle zusammensitzen, mache man privat ohnehin häufig, sagt der 32-Jährige. Mit dem Argument, all das in einem Verein erleben zu können, habe er viele begeistern können. „Sportvereine gibt es viele, der Pfälzerwald-Verein hat ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Rether vom PWV Thaleischweiler-Fröschen. Für ihn sei der Verein, mit dem er Zeit mit Freunden, aber auch in der Natur verbringen könne, ein Rückzugsort.
Schritt 6: Für Neues offen sein
Der neue Vorstand steht, der Verein ist gerettet – zumindest fürs Erste. Damit es in einigen Jahren nicht wieder gefährlich wird, sind Neuerungen wichtig. In Thaleischweiler-Fröschen habe man zum Beispiel in ein Mitglieder-Verwaltungsprogramm investiert, das die zuvor geführte Tabelle ersetzt. Die Kommunikation und das Bezahlen der Vereinsbeiträge würden dadurch erleichtert, sagt Rether. Genau wie Bauer und sein Team vom PWV Rheinzabern sei man außerdem dabei, den Social-Media-Auftritt der Vereine auszubauen. Damit wollen sie die jüngeren Generationen ansprechen und über Aktivitäten informieren.
Schritt 7: Das Angebot anpassen
Was das Angebot angeht, sollte für alle Mitglieder etwas dabei sein. Dabei müsse nicht immer allen alles gefallen, sagt Rether aus Thaleischweiler-Fröschen. „Unsere Faschingsdisco war zum Beispiel einigen älteren Mitgliedern zu wild, dafür freuen die sich aufs nächste Schlachtfest“, sagt der 27-Jährige. „Wir wollen Wanderungen für Rentner und Senioren und einen Stammtisch anbieten. Geplant ist auch ein Jugendcamp im Sommer, um der Jugend etwas zu bieten“, sagt Rivera Campos vom PWV Leimen.
