Kanu
Zweibrücker Wassersportfreunde können endlich wieder auf den Schwarzbach
Als die Trainer Stefan Loch und Angel Perez von den Wassersportfreunden Zweibrücken, zusammen mit den Perez-Töchtern Alva und Smilla, Julius Didi, Lukas Werner und Leo Lapp, am Donnerstagnachmittag nahe des früheren Dorndorf-Geländes mit ihren Kajaks aufs Wasser gehen, ist es erst das zweite Freiwassertraining in diesem Jahr. Gestartet ist die gemischte Gruppe am Bootshaus und dann gegen die Fließrichtung auf dem Schwarzbach zur wenige hundert Meter entfernten Trainingsstrecke mit Toren gepaddelt.
„Wir haben sofort angefangen, als es wieder erlaubt war. Die Freigabe, dass bis zu zehn Leute gleichzeitig trainieren können, kam an einem Wochenende. Direkt montags haben wir losgelegt“, erklärt Loch. Die Kanuten könnten zurzeit ziemlich normal trainieren, weil die Trainingsgruppe weniger als zehn Sportler umfasst. Auf dem Wasser halten sie ohnehin durch die Boote Abstand, Masken sind nicht nötig. „Solange wir nicht im Stand Gruppenkuscheln machen, geht das“, meint Loch trocken.
Im Winter viel Trainingsrückstand angehäuft
Im Winter blieben etliche Trainingseinheiten auf der Strecke. Die Wettkampfsportler haben laut Loch meist alleine trainiert. Ansonsten hatten sich die älteren Kanuten individuell im Rahmen der Zwei-Haushalte-Regel getroffen. Trainingsrückstand besteht dennoch.
Ganz ausgefallen sind die Trainingseinheiten für die Kleineren. „Eskimorollen-Training im Winter war nicht drin, weil kein Hallenbad öffnen durfte. Jede Form von Hallentraining in der Sporthalle war ebenfalls nicht möglich. Uns blieb nur der Bach – und bei minus 5 Grad macht das Achtjährigen keinen Spaß“, erzählt Loch. Die größte Schwierigkeit für den Verein sei allerdings, den Nachwuchs überhaupt bei der Stange zu halten. Stefan Loch geht davon aus, dass die lange Zwangspause automatisch auch die Zahl der aktiven Kanuten reduziert. „Das zeigt sich aber jetzt erst richtig, wenn man sieht, wer wieder kommt und wer nicht“, so Loch.
Motivationsprobleme durch fehlende Wettkämpfe
Und dann ist da noch das generelle Motivationsproblem. „Wofür trainiert man überhaupt, wenn es keine Wettkämpfe gibt?“, stellt der Kanutrainer die Frage in den Raum, die über jeder Trainingseinheit schwebt wie ein Damokles-Schwert. Die ersten Rennen sind traditionsgemäß Ende März – zu Nicht-Corona-Zeiten. Die offizielle Saisoneröffnung in diesem Jahr ist jedoch verschoben auf Juli. An Ostern standen früher normalerweise Trainingslager an, die fallen in diesem Jahr flach. Um den 1. Mai sollten die Süddeutsche Meisterschaft im bayrischen Günzburg sein. „Aber richtig vorstellen kann sich das keiner. Zumal es bislang keine legalen Übernachtungsmöglichkeiten gibt“, unterstreicht der Paddel-Coach.
Und wie läuft es bei Familie Jung? Die „Stars“ der Kanu-Abteilung der Wassersportfreunde waren am Donnerstag fürs Training entschuldigt. Die vier Jungs Erik, Niels, Ulf und Holger aus Höheischweiler waren laut Loch in der Corona-Zeit wieder häufig im „Hotel Mama“, aber die älteren studieren und müssen langsam wieder an ihre Studienorte zurück. Holger Jung hat dieses Jahr Abitur gemacht und sich daher auch ein wenig rar gemacht. Im Januar hatte er zusammen mit seinem Bruder Ulf noch spektakulär den Saarburger Leukbach-Wasserfall bezwungen.
Wassersportfreunde suchen neuen Nachwuchs
Etwas Gutes kann Stefan Loch der derzeitigen Situation abgewinnen: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass unsere Inzidenz unter 50 liegt. Und wir haben den Schwarzbach“, erinnert er an die guten Trainingsmöglichkeiten in Zweibrücken. Und Wettkämpfe? „Die Meisterschaften haben vergangenes Jahr alle stattgefunden, das wird auch in diesem Jahr so sein“, hofft Loch. Die Qualifikation Anfang Mai soll durchgezogen werden, der Verband will auch internationale Wettkämpfe über die Bühne bringen. Für die Deutschen Titelkämpfe müssen sich die Kanuten bei den regionalen Meisterschaften qualifizieren. Die Westdeutschen wurden laut Loch aber gerade abgesagt. Für den Süden gibt es noch leise Hoffnung, wobei auch hier die praktische Umsetzung bei einer Zweitagesveranstaltung schwierig ist.
Die Wassersportfreunde um Stefan Loch trainieren dennoch tapfer auf die Wettkämpfe hin. „Schreib’, wir suchen Nachwuchs“, diktiert der Trainer. Gerade jetzt könne man ja wieder trainieren.