Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Wirt erzählt, was aus den Möbeln der Kneipe Beisl wird

Die Besitzer und langjährigen Betreiber, von links Laura Perez, ihre Söhne Angel und Camilo junior und ihr Mann Camilo senior.
Die Besitzer und langjährigen Betreiber, von links Laura Perez, ihre Söhne Angel und Camilo junior und ihr Mann Camilo senior.

Angel Perez verkauft den ehemaligen Beisl in Ernstweiler und dessen Inhalt. Im Interview erzählt er, warum man im Sportheim Trulben bald Beisl-Ausstattung vorfindet.

In Scharen haben sich am Sonntag die Schnäppchenjäger beim Ausverkauf im ehemaligen Gasthaus Beisl in Ernstweiler eingefunden. Privatleute sicherten sich Erinnerungsstücke, Gastronomen kauften professionelle Geräte und Möbel. Mario Moschel hat sich mit dem ehemaligen Beisl-Betreiber Angel Perez unterhalten.

Vorige Woche war gar nicht klar, ob der Sonntagsflohmarkt überhaupt noch stattfinden würde. Seit Donnerstagabend wurden Sie von Interessenten ja förmlich überrannt. Haben die Käufer unter der Woche nur Großgeräte und Möbel gekauft?
Nein, das kann man so nicht sagen. Wenn die hier waren, haben sie auch Kleinkram mitgenommen wie Geschirr und Gläser. Ganz viele Gastronomen waren hier. So wird man in Zweibrücker Gaststätten ganz sicher noch das ein oder andere Beisl-Teil finden können. Auch die Straußbuben Ernstweiler haben einiges mitgenommen – wie Schilder und Thekenteile. Ein Pizzeriabesitzer hat eine Menge Stühle gekauft. Jemand, der für eine Brauerei arbeitet, hat den halben Biergarten mitgenommen. Diesen Möbeln wird man demnächst im Biergarten des Sportheims Trulben begegnen. Auch ein gewerblicher Ankäufer war da, aber der hat recht wenig gekauft. Der will ja auch verdienen, da haben wir beschlossen, es lieber direkt an die Endkunden zu verkaufen. Da bekommen wir ein wenig mehr und der Kunde zahlt trotzdem weniger.

Was sich da noch so alles findet!
Was sich da noch so alles findet!

Wer hat die Küche gekauft? Ging die en bloc weg?
Nein. Die Hälfte ist noch da. Die andere Hälfte ist an drei verschiedene Käufer aus der Gegend gegangen. Im Vorfeld, also die Woche über, hatten sich sehr viele Gastronomen gemeldet. Darunter auch das Rote Kreuz, das Gastronomie betreibt. Aber auch viele Einzelpersonen, die viel mit dem Beisl zu tun hatten früher, wie zum Beispiel die Ernstweiler Straußbuben.

Wie lange hat Ihre Familie die Gaststätte betrieben?
Wir haben ihn 15 Jahre lang als Wirte selbst betrieben. 1998 hatten wir eröffnet, das steht in der Vita auf unserer Homepage. Die endet zwar 2015, aber sie wird erst einmal bestehen bleiben. Bei der Facebook-Seite haben wir schon überlegt, ob wir die löschen.

Schöne Schilder.
Schöne Schilder.

Was ist jetzt noch zu haben?
Viele Gläser und Geschirr. Lampen, Schilder, und es sind tatsächlich ein paar Tische und Stühle übrig geblieben. Ein Mann wollte alle kaufen, hat sich dann aber anders entschieden. Ich habe vielen Interessenten abgesagt, die schreibe ich jetzt noch mal an. Auch Bestecke, Töpfe und Hifi-Anlage sind noch da.

Gibt es eine Deadline?
Am 19. Juli beginnt im Haus der Umbau zu Wohnungen. Der Käufer hat gesagt, sie fangen unten an. Dann können wir im dritten Stock noch Sachen lagern. Die werden wir übers Internet verkaufen, weil wir nicht wollen, dass sie weggeworfen werden. Für Sachen, die gar keiner will, werden wir beispielsweise den Kinderschutzbund anschreiben.

Blutet Ihnen eigentlich das Herz?
Ich brauche eine Woche Ruhe, dann wird es noch mal bluten. Aber meine Verabschiedung vom Beisl war eigentlich schon 2019, als wir mit der letzten Feier zugemacht haben.

Die letzten vier Jahre waren sehr intensiv. Wenn man mit gefühlt 100 Hauskauf-Interessenten immer wieder durchgeht und man ein Gefühl dafür entwickelt, ob das was wird oder nicht, immer wieder Hoffnungen hat, während man bei anderen Leuten hinterher denkt, man hätte besser etwas anderes gemacht statt der zwei Stunden Hausführung. Corona hat den Verkauf natürlich auch erschwert. Daher sind wir sehr froh jetzt. Die Abwicklung wird durch einen Makler erledigt, das wird sehr wahrscheinlich recht stressfrei laufen. Andererseits ist es sehr schade, dass keine Gastronomie weitergeführt wird.

Gläser, Gläser, Gläser.
Gläser, Gläser, Gläser.

Ihre Frau leidet mehr als Sie zurzeit?
Ja, meine Frau und die Kinder auch. Unsere große Tochter Alva ist das Beisl-Kind, ist hier groß geworden. Sie ist mir hier im Beisl zum ersten Mal entgegengelaufen, als sie laufen lernte. Sie ist heute 13 Jahre alt. Als kleines Kind hat sie mit einem Taschenrechner unsere Handgeräte nachgemacht, ist an die Tische gelaufen und hat die Gäste gefragt: „Trinken?“. Dann hat sie die Bestellungen aufgenommen und später in der Küche meiner Mutter geholfen beim Salatwaschen. Das sind schöne Erinnerungen, die nimmt uns keiner. Jetzt haben wir Zeit, neue Erinnerungen aufzubauen.

Das Geschirr wird bald anderswo Dienst tun.
Das Geschirr wird bald anderswo Dienst tun.

Die vergangene Woche war für Sie wohl ziemlich stramm?
Oh ja. Am Donnerstag bekamen wir den Kaufvertrag fürs Haus zugeschickt. Ich habe mit meinem Bruder drübergeschaut und am gleichen Abend haben wir beschlossen, den Hausinhalt bei Facebook, Ebay-Kleinanzeigen und über den Mailverteiler unseres WM-Tippspiels anzubieten. Zwei Wochen zuvor hatten wir schon Inventur gemacht. Und dann wurden wir überrannt auf allen Kanälen.

Sie wollten das Haus verkaufen, nicht verpachten?
Richtig. Wir waren uns sicher, dass ein zukünftiger Betreiber nur dann mit Herzblut dabei ist, wenn es ihm auch gehört. Für mich am interessantesten war einer, der eine Spielothek reinmachen wollte. Aber es darf in 500 Meter Luftlinien-Entfernung keine andere eröffnen. Und in der Daimler-Straße bei McDonalds war eben schon eine, die näher liegt. Einer wollte eine Kampfsportschule mit Gebetshaus daraus machen. Die Kombination hätte wohl Fördergelder ermöglicht. Oft lag es am fehlenden Geld. Es gibt wenig Leute, die Geld haben und Gastronomie betreiben wollen. Das größte Problem war aber meist, dass keine Wohnung im Haus ist, sondern unten und oben Gasträume und dazwischen die Küche. Und viele waren erschlagen, wie viel das ist. Den Beisl haben wir mit durchschnittlich 13 bis 15 Leuten bewirtschaftet. Das war kein Projekt für ein Ehepaar mit zwei Bedienungen.

Hinweistafel am Sonntag.
Hinweistafel am Sonntag.

Sie haben im Haus viel renoviert?
Ja. Der Vorpächter hat sich anderweitig orientiert. Wir haben damals im Wohnzimmer gestanden, und mein Vater hat zu mir und meinem Bruder gesagt: „Das machen wir, wenn ihr helft.“ Ich war 18 Jahre, mein Bruder 21. Mein Bruder war vorher mal Gast in einer Kneipe, sonst nichts; wir hatten keine Ahnung von Gastronomie. Wir wussten gar nicht, auf was wir uns eingelassen hatten. Vom ersten Tag an kamen die Leute. Am Anfang war es eine Studentenkneipe. Mit der Zeit wurden die Gäste älter, wir auch. Wir wurden immer mehr zur Mehrgenerationengaststätte. 2002 kam der größere Umbau mit Eröffnung des Biergartens.

Wir haben aufgestockt und die Küche erst 2012 in den zweiten Stock hochgeholt. Zuvor haben wir in Hochzeiten bis zu 150 Leute aus einer 25 Quadratmeter kleinen Küche bekocht, in der nur zwei, maximal drei Leute Platz hatten. Wir haben alle zweieinhalb Minuten ein Essen rausgegeben. Die Gäste sind ja alle innerhalb einer Stunde gekommen und wollten essen.

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