Die Wochenend-Meinung
Outlet-Touristen in die Zweibrücker Innenstadt locken? Vergesst es endlich!
Es kann ja wirklich keiner sagen, wir hätten’s nicht versucht. Erinnert sich noch jemand an die Idee des früheren FDP-Chefs Bernd Kaufmann, Outlet-Besucher mit einem Pferde-Omnibus runter in die Stadt zu karren? Oder ans Konzept City Outlet in der früheren Kaufhalle? Ein Vierteljahrhundert sind solche Ideen jetzt alt. Das ist eine Generation. Gebracht hat es wenig.
Wie denn auch? Warum sollen die Kunden nach ihrem Besuch im Outlet noch in die Stadt fahren? Das Fabrikverkaufszentrum, wie es früher immer genannt wurde, mausert sich immer weiter. Wenn ich dort oben meinen Kaffee trinken, mein Eis essen und meinen Burger mit Fritten bestellen kann, was bietet mir dann die Innenstadt noch? Warum sollte jemand, der 500 Kilometer hin und zurück fährt, um im Outlet 300 Euro zu sparen, das Geld dann wieder für eine Übernachtung und Essen im Restaurant ausgeben? Und wenn die Kinder was erleben wollen, warum sollen sie ins Hallenbad, wenn es zuhause auch eins gibt? Dann vielleicht doch lieber in die Eishalle oder zum Schwarzlicht-Minigolf ins World of Fun direkt neben dem Outlet.
Es klappt ja auch mit den Studenten nicht
Zweibrücken hat am Rande des Flugplatzgeländes genau das bekommen, was es bestellt hatte: Eine eigene kleine Einkaufssiedlung vor den Toren der Stadt. Das hat Zweibrücken bundesweit bekannt gemacht. Es schafft Arbeitsplätze und sorgt für Steuereinnahmen. Aber Touristen in die Stadt zu locken, das war nie mehr als Beifang. Die Zweibrücker können zufrieden sein mit dem, was sie da oben haben. Sie können auch aufhören, sich weiter anzustrengen. Es klappt ja schon mit den Studenten auf dem Kreuzberg nicht richtig. Wer aus Frankfurt zum Einkaufen hierher fährt, wird sich weder das Gestüt noch das Stadtmuseum oder den Rosengarten anschauen.
Nicht falsch verstehen: Zweibrücken ist eine schöne kleine Stadt, in der man gut leben kann! Wenn man eben hier lebt. Wer aber nur zu Besuch kommt, dem dürfte es ähnlich gehen wie mir, wenn ich in Rottweil oder in Osterburken auf einen Anschlusszug warte: Alleine wegen der römischen Ausgrabungen leg’ ich keinen Zwischenstopp ein.
Die meisten Ideen locken keine Leute her
Vor über 15 Jahren gab es im Zweibrücker Land das Programm Ilek, Integrierte Ländliche Entwicklung. Die Dorfbewohner überlegten, was man in ihrer Region machen könnte, damit das Geld bei ihnen bleibt und nicht nur in der Stadt oder in Nachbarregionen ausgegeben wird. Schnell stellte sich heraus: Die meisten Ideen locken keine Leute her, aber sie machen die eigene Heimat ein Stück lebenswerter. Der Wasserspielplatz in Contwig und der tolle Exe am Zweibrücker Bleicherbach sind zwei Beispiele: Sie rechtfertigen sicher keine stundenlange Anfahrt. Aber sie sind eine Riesenbereicherung für die Familien von hier.
Darauf kann sich Zweibrücken konzentrieren. Und dabei gerne auch mal etwas schräg denken. Dafür braucht es nicht mal Beratungsbüros aus Darmstadt oder Aachen, von deren Vorschlägen man dann erst mal gar nichts mehr hört oder die am Ende sagen, eigentlich ist es doch ganz in Ordnung, wie es ist. Es braucht aber Einfallsreichtum und Mut oder mindestens Entschlossenheit. Wer weiß: Vielleicht kommt am Ende sogar etwas ganz Besonderes heraus. Etwas, was sogar die Outlet-Besucher in die Stadt lockt. Obwohl Zweibrücken sich nicht für andere anstrengt, sondern für sich und seine Bewohner.