Speyer
Wir über uns: Mehr als Kaninchenzüchter
Wie wird eigentlich die Zeitung gemacht? Einmal im Monat berichten Mitglieder der RHEINPFALZ-Lokalredaktion Speyer in dieser Rubrik über den Arbeitsalltag, über neue Entwicklungen und andere Themen von „hinter den Kulissen“. Heute gibt es ein Lob der Landberichterstattung.
Klischees über den Landbewohner gibt es reichlich: Spießig, konservativ und ein bisschen einfach gestrickt soll er sein, denkt so mancher Städter. Auch über den Land-Reporter gibt es Vorurteile: Da gibt’s doch nur über Kaninchenzüchter und den Bauern mit den dicksten Kartoffeln zu schreiben. So etwas in der Art hört man als Journalist, der über kleinere Gemeinden berichtet, schon manchmal. Komplett falsch ist das noch nicht einmal: Natürlich sind das Vereinsleben – wie die viel beschworenen Kaninchenzüchter – oder die Landwirtschaft wichtige Themen für uns Land-Redakteure. Doch was der Spötter verkennt: 1. Auch solche Themen liegen vielen Menschen am Herzen. 2. Sie können oft spannend verpackt werden, wenn man sich etwas Mühe gibt. Und 3. Die Landberichterstattung ist natürlich noch viel mehr als das.
In den Speyerer Umland-Gemeinden, über die wir berichten – von Waldsee im Norden bis Lingenfeld im Süden – leben rund 40.000 Menschen. Das sind kaum weniger als in der Stadt Speyer. Die Geschichten über spannende Personen, sei es jemand mit einem ungewöhnlichen Hobby, einem interessanten Beruf oder einem schweren Schicksal, gibt es also hier genauso wie in der Stadt. Auch gebaut oder saniert wird hier jede Menge: Straßen, Schulen, Sporthallen – schließlich ist der „Speckgürtel“ oft sogar finanziell besser aufgestellt als die Stadt, auf die alle schauen. Auch diese Themen beschäftigen die Landbewohner – und damit uns. In den Gemeinderäten wird ebenso ernsthaft gestritten und diskutiert wie im Stadtrat. Außerdem gibt es noch jene Themen, die nicht vorhersehbar sind, und bei denen auch der Städter plötzlich den Blick aufs Land richtet. Erinnert sei an die Gasexplosion in Harthausen 2013.
Klar, Vereinsversammlungen können hartes Brot sein. Doch auch in diesen können sich interessante Themen verstecken. Und wenn nicht, dann wird eben von uns in der gebotenen Kürze berichtet, wer der neue Vereinsvorsitzende ist, denn auch darauf warten viele, wenn sie morgens die Zeitung aufschlagen. Diese Land-Leute sind übrigens – das können wir nach zahllosen Gesprächen sicher sagen – zu 99 Prozent äußerst umgängliche Menschen. Vielleicht manchmal sogar tatsächlich ein Stück bodenständiger und unaufgeregter als der Städter, was die Arbeit für uns angenehm macht. Alles in allem könnte man sagen: Es ist überraschend viel los auf dem Land. Und wenn das tatsächlich mal nicht der Fall ist – Stichwort Sommerloch – dann muss man eben nur etwas tiefer nach den spannenden Geschichten graben. Dort stecken sie nämlich.
Der Autor
Timo Leszinski, 40, ist seit elf Jahren Redakteur. Seit rund zwei Jahren ist er in der Speyerer Redaktion mit Nadine Klose für die Umland-Gemeinden zuständig.