Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel VR-Bank baut neu und schließt Filialen

Bauplatz: Zwischen dem Bestandsgeläude der VR-Bank (links) und dem „Seppelskasten“ (hinten) entsteht ein Ergänzungsbau.
Bauplatz: Zwischen dem Bestandsgeläude der VR-Bank (links) und dem »Seppelskasten« (hinten) entsteht ein Ergänzungsbau.

2020 war wegen der Corona-Ungewissheiten „ein Jahr wie noch nie“ mit letztlich „sehr gutem Wachstum“ für die Vereinigte VR-Bank Kur- und Rheinpfalz. Sie hat bisher wenige Kreditausfälle, erwartet aber schwierige Monate für viele Geschäftskunden. Das Institut baut in Speyer und Frankenthal neu, schließt aber auch drei Filialen.

Wenn Vorstandssprecher Rudolf Müller und sein Stellvertreter Dirk Borgartz zum Jahresbilanzgespräch einladen, können sie seit Jahren fast nur von Wachstum berichten. Das Geschäftsgebiet ist zuletzt 2019 bei der Fusion mit der Lambsheimer RV-Bank gewachsen. Für Juni 2021 ist die nächste Fusion mit der Raiffeisenbank Freinsheim geplant. Mit der Dürkheimer VR-Bank ist ein Kooperationsprojekt angelaufen. Dazu kommen die Geschäftszahlen: plus 8,3 Prozent bei der Bilanzsumme 2020, plus 4,8 Prozent bei den Einlagen, plus 8,7 Prozent beim Kreditvolumen (siehe „Daten & Fakten“).

Nur bei einem Kennwert geht es nach unten: der Anzahl der Filialen, die sich auch 2021 verringern wird. Die Beindersheimer Filiale wird der in Heßheim zugeschlagen, die in Birkenheide dem Maxdorfer Nachbarstandort, in Römerberg schließt Mechtersheim und bleibt nur Heiligenstein erhalten. Diese drei Schritte würden wohl Ende März vollzogen, es seien noch Details zu klären, so die Vorstände, die sich aus Beindersheim Kritik anhören mussten.

In Römerberg sei man im Gespräch mit der Gemeinde auch wegen der Zukunft der bankeigenen Immobilie in Mechtersheim, sagte Müller. Die Kundenfrequenz im gesamten Filialnetz sei seit 2015 um 40 Prozent zurückgegangen; Corona habe die Tendenz nochmals beschleunigt. Mit noch 40 Filialen und 750 Mitarbeitern bleibe man aber in der Fläche stark. Zum Teil wurden auch Öffnungszeiten eingeschränkt. In Speyer-West solle ein Teil der bisherigen Filialfläche vermietet, der Rest aber weiterbetrieben werden.

Zehn-Millionen-Euro-Investition in Speyer

Der Platzbedarf in der Speyerer Zentrale steigt, weil nach Fusionen jeweils Mitarbeiter hinzugekommen sind. Auf dem Firmengelände soll deshalb ein neues Verwaltungsgebäude entstehen. „Wir wollen im Sommer mit dem Bau beginnen, die Genehmigung ist erteilt“, berichtete Müller. Das Gebäude solle 70 bis 80 Arbeitsplätze plus Veranstaltungsräume im zweiten Obergeschoss sowie darüber eine Dachterrasse umfassen. Es werde vom Speyerer Büro ADS Architekten geplant und knapp 10 Millionen Euro kosten. Die schmale Seite ist zur Oberen Langgasse hin geplant, die längere sei auf das Bestandsgebäude gerichtet, mit diesem aber nicht verbunden. Weil das Haus auf Stelzen stehen werde, fielen nur wenige Parkplätze weg.

Schwieriger gestalten sich die Bemühungen um den Bau einer neuen Regionaldirektion am Jahnplatz in Frankenthal. Für den geplanten Anbau an die Koppsche Villa im bisherigen Entwurf hatte es keine Genehmigung der Stadt gegeben. Müller kündigte jetzt für März oder April den ersten Aufschlag mit einer neuen Planung in den städtischen Gremien an. Der Baukörper werde „zurückgenommen“, die Abstände zu den Nachbarn würden vergrößert. Die Investoren hoffen auf eine Einigung in der zweiten Jahreshälfte.

Daten & Fakten

Geschäftstrends 2020

Vorstandssprecher Rudolf Müller bezeichnet den Kreditbestand als „Wachstumsmotor“ für die Vereinigte VR-Bank. 2020 ging er von 3,82 Milliarden auf 4,15 Milliarden Euro in die Höhe. Vor allem Immobilienfinanzierungen seien gefragt, so Müller: „Die Pandemie hat die Nachfrage nochmals befeuert, die Region ist stark, der Markt gesund.“ Die Bilanzsumme wuchs von 5,1 auf 5,52 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss bleibt konstant zwischen 9 und 9,5 Millionen Euro. Die Dividende werde für 2020 ungefähr halbiert, dürfe aber laut Bankenaufsicht – im Gegensatz zu anderen Instituten – ausgeschüttet werden. Die drei eigenen Investmentfonds seien zu „Flaggschiffen“ im Anlagebereich geworden. Sie machten 269,3 Millionen im Wertpapierbestand von 1,71 Milliarden aus und hätten sich 2020 sogar in der Sicherheitsvariante besser entwickelt als der Dax. Wenn die Bank bei Privatanlegern mit mehr als 100.000 Euro ins Gespräch über mögliche Negativzinsen gehe, würden oft auch diese Fonds als Alternative vorgestellt, so Vorstand Dirk Borgartz: „Das Aktien- und Wertpapiergeschäft wächst ständig.“

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Sauber aufgestellt

Hiobsbotschaften wie von der Commerzbank wird es von der Vereinigten VR-Bank Kur- und Rheinpfalz nicht geben.

Die Schließungs- und Entlassungspläne der Commerzbank beschäftigen auch ein regionales Institut wie die in fast der ganzen Vorderpfalz heimisch gewordene Speyerer VR-Bank. „Mal sehen, ob die Filiale in Speyer offen bleibt“, sagt Vorstandschef Rudolf Müller mit Bezug auf den Frankfurter Kahlschlag. Die VR-Filialschließungen 2021 – drei an der Zahl – seien dagegen „homöopathisch“.

Es gibt mehrere Erfolgsfaktoren des Speyerer Instituts. Es ist nah am Kunden im reichen BASF- und SAP-Land. Es ist stark bei den Geschäftskunden, für die es laut Müller „alles tut, um jetzt in der Corona-Krise unnötige Insolvenzen und Kreditausfälle zu verhindern“. Es stellt sich andererseits aber auch mit Fusionen, eben jenen Filialschließungen sowie Negativzinsen ohne Sentimentalitäten wirtschaftlich sauber auf.

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