Speyer
Schulen ächzen unter Last der Kontaktnachverfolgung
„Drei Leute sind morgens zwei Stunden damit beschäftigt.“ Das ist die Bestandsaufnahme von Nicole Pospich, kommissarische Leiterin der Woogbachschule. 380 Kinder zählt die Grundschule, bis zu 60 davon waren im Januar parallel krank, viele davon mit Corona infiziert. Auch eine Lehrerin, obwohl „geboostert“, sei betroffen. In Infektionsfällen übernimmt nicht mehr das Gesundheitsamt die Information der Familien auch über Quarantäne-Anordnungen – das müssen die Schulen leisten. „Viel Arbeit, aber gerade noch bewältigbar“, so Pospich.
Das Land hat am Dienstag verkündet, dass bei der Quarantäne künftig wieder ein weniger strenger Kurs gefahren wird. Demnach müssen sich nur noch infizierte Schüler absondern und nicht mehr die direkten Sitznachbarn. Dass diese jeweils ermittelt werden mussten, hatte den Schulleitungen in den vergangenen Wochen zusätzliche Arbeit beschert. „Es nimmt Ausmaße an, die schwierig werden“, ordnet etwa Ronny Wolf, Leiter des Hans-Purrmann-Gymnasiums, ein. Auch wegen der Zusatzbelastungen habe er „schon ein bisschen Sorgen vor den nächsten Wochen“, für die wegen der Verbreitung der Omikron-Variante des Virus viele weitere Infektionen prognostiziert werden.
Der Montag als Gradmesser
Um die 20 Infizierte gab es am Dienstag am „Purrmann“. „Montags kommen regelmäßig viele Fälle dazu“, berichtet Wolf. Derzeit dürften alle Klassen an die Schule kommen, es hätten aber auch schon welche nach mehreren Infektionen daheim bleiben müssen. In sechs Klassen müssten wegen Häufungen sämtliche Schüler an fünf aufeinander folgenden Tagen getestet werden. Ansonsten gibt es wie im ganzen Bundesland Schnelltest-Termine jeweils montags und mittwochs; die Landesregierung hat jetzt die Ergänzung eines dritten Termins angekündigt, zu dem am Purrmann-Gymnasium schon auf freiwilliger Basis die Möglichkeit bestand.
Bei den Erst- bis Viertklässlern an der Woogbachschule läuft das Testen laut Schulleiterin Pospich gut. Ein bis vier Kinder mit positiven Ergebnissen seien bei jeder Reihe dabei. „Die ersten Klassen sind am wenigsten betroffen, ansonsten geht es durch alle Stufen“, so die aktuelle Bilanz der Schulleiterin. Sie lobt das „inzwischen große Verständnis“ in den Familien für die Maßnahmen.
Auch „Purrmann“-Chef Wolf sieht längst Routine eingekehrt. Die Verantwortlichen wüssten mittlerweile auch mit Sonderfällen wie den zwei bis drei Schülern umzugehen, die bei jedem Schnelltest positive Ergebnisse erhielten, aber sich bei weiteren Kontrollen als negativ herausstellten. Für die Betroffenen sei es aber sehr belastend, jedes Mal wieder heimgeschickt zu werden.
Ein Viertel Minderjährige
Über die Betroffenheit der Schulen und Kitas vom Virus hat die Stadtverwaltung Speyer keinen Gesamtüberblick mehr, so Pressesprecherin Annika Siebert auf Anfrage. Sie erhalte dazu auch keine täglichen Meldungen des Gesundheitsamts mehr. Auffallend sei aber, dass in der Zeit vom 19. bis 24. Januar jeweils rund ein Viertel der Infektionen auf Minderjährige zurückzuführen sei. Die am stärksten betroffene Schule neben der Woogbachschule, für die allein am 20. Januar neun neue Fälle in der Liste stehen, sei das Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium mit zehn Fällen am 20. Januar. Die Sieben-Tages-Inzidenz bei den Unter-20-Jährigen lag am Dienstag für Speyer bei 855,5.
Mit Problemen haben auch die Kitas zu kämpfen, in der der Anteil der geimpften Kinder gering ist. „Alle sind in unterschiedlicher Intensität betroffen“, berichtet Diakon Paul Nowicki, der für die sieben katholischen Kitas in Speyer verantwortlich ist. Es sei aber „nicht so dramatisch, dass sie gruppenweise schließen müssen“, wenngleich zum Beispiel in St. Hedwig die Betreuung bereits eingeschränkt worden sei. Nowicki treibt dabei auch die Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter um, die zu den Kleinkindern kaum Abstand halten könnten. Immerhin seien von den 170 pädagogischen Mitarbeitern in den sieben Kitas fast alle geimpft. Die anderen ließen sich „an einer Hand abzählen“ – und wie vorgeschrieben täglich testen.