Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Es weihnachtet sehr

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Mangelware: Zeit im Advent

Durchatmen, es ist Weihnachten! Hoffentlich ist es all jenen, für die das Fest wichtig ist, im Advent gelungen, sich darauf vorzubereiten. Auf dass Frieden einkehre an Christbaum und Krippe. Natürlich waren die Wochen der Besinnung vor dem großen Fest auch 2022 für viele nicht so besinnlich wie erhofft. Warum nur ist der Terminkalender immer im Dezember besonders vollgepackt? Wir in der Lokalredaktion haben die „Weihnachtsfeier“ schon mal vorsichtshalber in den Januar gelegt, weil sich gegen Ende des Jahres die internen Konferenzen ebenso häufen wie Benefizaktionen oder auch Sitzungen politischer Gremien, über die wir berichten.

Nicht nur im Speyerer Stadtrat stand in dieser Zeit die Haushaltsdebatte an, in der – als die Fußball-WM noch lief – die FDP in einer Spezialform von sportlichem Wettbewerb obsiegte: Würde man die Länge der Haushaltsreden 2022 in eine Rangfolge bringen, wäre der Liberale Mike Oehlmann mit 44 Minuten „Speyerer Meister“ auf Platz eins der Tabelle. Es folgten Unabhängig für Speyer (32 Minuten), CDU (24), Linke und SWG (je 23), Grüne (18), AfD (13), SPD (10) und die Wählergruppe Schneider (8). Die Länge sagt dabei nicht unbedingt etwas über die Redequalität aus: In der Kürze kann die Würze liegen.

Philipp Brandenburger (SPD) zum Beispiel brachte in seiner kurzen Ansprache prägnant und konzentriert seine Inhalte rüber. Die Inhalte freilich waren im Wesentlichen Lob für Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und ihre Stadtverwaltung. Dieser Woche setzten die Genossen mit einer Pressemitteilung, in der sie Seilers Wirtschaftsförderung in Schutz nehmen, nochmals einen drauf. Das ist alles in Ordnung und hat auch damit zu tun, dass sich die Fraktion eben nicht mehr an einem CDU-OB abarbeiten muss. Aber: Da geht mehr! Noch zu Beginn der Legislaturperiode 2019 war die Fraktion ein Aktivposten im Stadtrat. Heute stellt sie zwar die größte Gruppe im Parlament, hat zuletzt allerdings spürbar an Innovationskraft verloren. Vielleicht geht ja wieder was nach dem Weihnachtsfrieden ...

Ministerpräsident: Stolz auf Speyer

Ausgerechnet im stressigen Dezember feiert mit Bernhard Vogel Speyers einziger lebender Ehrenbürger seinen Geburtstag. Und das seit 90 Jahren! Am Montag gab es zu seinen Ehren einen Empfang im Technik-Museum, am Dienstag einen im Rathaus, am Mittwoch ließ sich der Politiker dann in Erfurt gratulieren, bevor er am Donnerstag in Speyer die neuerlichen Querelen in der rheinland-pfälzischen CDU einordnete („Die Chancen der CDU sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen, aber gewonnen werden kann erst bei der Landtagswahl“).

Vogel hat vieles schon erlebt, und deshalb konnte er scherzen, als er am Dienstag unter anderem den früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel begrüßte, der ihm unter den 59 Kolleginnen und Kollegen in diesem besonderen Amt in seiner langen Amtszeit der liebste gewesen sei. „Das macht mir für die Zukunft Mut“, kommentierte er die Anwesenheit des früheren Speyerer Uni-Rektors Rudolf Morsey, der schon 95 Jahre alt ist. Und weil ihn Oberbürgermeister a.D. Werner Schineller (74) nach tiefem Griff in sein Privatarchiv so schön würdigte, sagte ihm Vogel auch schon die erneute „Buchung“ für den nächsten runden Geburtstag zu. Schließlich gab es noch einen Seitenhieb auf die wegen ihrer Rolle in der NS-Zeit umstrittene, inzwischen verstorbene Luise Herklotz, ebenfalls Speyerer Ehrenbürgerin: Er sei stolz auf die Ehrenbürgerwürde, so der frühere Ministerpräsident, „und Gott sei Dank gibt es bisher keine Diskussion darüber, sie mir abzunehmen“.

Menschenauflauf: Termin im Mai

Wenn der Advent absolviert ist und alle Geburtstage inklusive dem von Jesus gefeiert sind, kann der Blick ins neue Jahr gerichtet werden. Das beginnt traditionell mit Neujahrsempfängen aller Art, wobei in Speyer die Stadt mit üblicherweise gut 1000 Leuten in der Stadthalle größter Veranstalter ist. 2023 verzichtet sie wegen der Infektionsgefahr aber nochmals auf die Veranstaltung und plant stattdessen erstmals einen Bürgerschaftsempfang im Mai. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler kündigt ein buntes Programm rund um die Stadthalle an, bei dem Musik, Kultur und Angebote für Kinder für eine lockere Atmosphäre sorgen sollen. Gute Gespräche wie sonst beim Neujahrsempfang dürften auch in diesem Rahmen möglich sein. Und wenn es so toll wird wie angekündigt, dann klingt das Bedauern, das Seiler in ihre Pressemitteilung zur Reform eingebaut hat, fast übertrieben: „Mir ist bewusst, dass viele Menschen den traditionellen Neujahrsempfang vermissen werden.“ Selbst falls dem so sein sollte: Speyer wird es verkraften.

Marschrichtung: Auf nach Bethlehem

„So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa.“ Das Weihnachtsevangelium würde als Roadmovie bestens funktionieren. Oder in das Speyer von heute transportiert: So zog auch der Sepp aus der Siedlung hinauf zum Germansberg. Oder so ähnlich. Bei den Weisen, die dem Stern folgten, könnte es darum gehen, ob sie vorbei an der Elendherberge, einem Gässchen am Rand des Hasenpfuhls, den Weg nach Bethlehem fänden. Auch Bethlehem als Jesu Geburtsort gibt es jetzt nämlich in Speyer: Ein grünes Gaststättenschild in der Gilgenstraße trägt den Schriftzug. „Libanesische Spezialitäten“ soll es dort einmal geben, aber die Vorbereitungen ziehen sich seit Monaten hin, ohne dass das Lokal schon geöffnet wäre. Auch in dieser Herberge ist offenbar nicht ausreichend Platz ... Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Zu den Verzögerungen passt in Speyers Weihnachtszeit übrigens die Klage des Hasenpfühlers, dass seine Frau schon seit einem halben Jahr an ihm herumnörgele. Auf die mitfühlende Nachfrage seines Stammtischbruders, woran das liege, soll der Mann entgegnet haben: „Sie will unbedingt, dass ich den Weihnachtsbaum wegräume.“

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