Speyer
Feuerwehr: Über 1000 Einsätze im Jahr, mehr Ehrenamtliche gesucht
50 hauptamtliche Einsatzkräfte der Feuerwehr werden zur Zeit von 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt. Um den Einsatzstandards zu genügen, müssten es 250 Helfer sein, ,so Peter Eymann, Leiter der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz bei der Stadt Speyer. Doch die hohen Einsatzzahlen, die die Feuerwehr auch für das Jahr 2023 ausweist – 1048 gegenüber 1153 im Vorjahr –, geben Eymann auch aus einem anderen Grund zu denken. Seien sie doch zugleich Ausdruck mangelnder Fähigkeit von Bürgern zur Selbsthilfe.
Auch die Bereitschaft in der Bevölkerung, einander Nachbarschaftshilfe zu leisten, nimmt nach Einschätzung des Speyerer Feuerwehrchefs ab. In vielen Fällen sei zudem eine mangelnde Anpassung an Witterungsverhältnisse zu beklagen, meint Eymann. Dass es im Winter schneien kann oder die Sommerhitze zu bestimmten Verhaltensweisen nötigt, sei immer weniger Menschen bewusst.
Anweisungen werden ignoriert
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) pflichtet dem Inspekteur beim Pressegespräch über die Einsatzstatistik für 2023 bei. So führten Katastrophenwarnungen vor Eis und Schnee im Winter dazu, dass saisonal bedingte Verhältnisse als Ausnahmen angesehen würden – und geräumte Wege und Straßen als Normalfall. Gleichzeitig sei festzustellen, dass öffentliche Anweisungen in Notlagen immer öfter ignoriert würden. Ihr Beispiel vom Rhein: bei Hochwasser die Absperrungen zu beachten und nicht über den Deich zu laufen.
Dass die Einsätze im vergangenen Jahr teils unter dramatischen Voraussetzungen stattgefunden haben, verhehlt Eymann nicht. So habe ein Unfall auf der A61, bei dem die Eltern dreier Kinder, die auf der Rückbank saßen, ums Leben kamen, den beteiligten Helfern schwer zugesetzt. Ein solcher Einsatz gehe „extrem an die Nieren“. Ein psychologischer Fachberater sei eingeschaltet worden.
Tierrettungen in Statistik vorn
Unter den Hilfeleistungen des vergangenen Jahres nehmen Tierrettungen mit 14 Prozent den größten Anteil ein. Darunter sei auch die eine oder andere verletzte Taube oder ein Igel am Straßenrand. An dieser Anzahl zeigt sich aus Sicht des Feuerwehrinspekteurs ein mangelndes Bewusstsein für die tatsächlichen Aufgaben der Brand- und Katastrophenschützer. Ihnen zollt die Oberbürgermeisterin ein umso größeres Lob. Sie hält es für erforderlich, über zusätzliche Anreize für Ehrenamtliche nachzudenken. In der Debatte war dazu etwa schon eine „Feuerwehr-Rente“.
Politischer Konsens sei es, die Feuerwehr künftig mit höheren Finanzmitteln auszustatten. Den angekündigten Ausbau der Hauptwache in der Industriestraße zählt Seiler zu den dringend notwendigen Maßnahmen. Auch Eymann geht davon aus, dass die Investitionen in den Brand- und Katastrophenschutz steigen werden. Eine Aufstockung des hauptamtlichen Personals hält er obendrein für unerlässlich. Er betont: „Jeder Euro, der für uns ausgegeben wird, ist ein teurer, aber gut investierter Euro.“
Im 175. Jahr ihres Bestehens hat die Speyerer Wehr 2023 auch einen Tag für weibliche Interessierte am Ehrenamt veranstaltet. Der Frauenanteil im Brand- und Katastrophenschutz beträgt aktuell rund 20 Prozent – wünschenswert wären laut Eymann 50 Prozent. Von der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit dürfe man sich nicht entmutigen lassen.
