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Dienstag, 19. Februar 2019 Drucken

Speyer: Kultur Regional

Was muss, das muss

Das Ensemble von „Bühne frei!“ zeigt in der Reihe „Music meets magic“ die neue Produktion „Das stille Örtchen“

Von Andrea Dölle

Singen auf dem Klo: Szene mit Julia Eckes und Tobias Schuster.

Singen auf dem Klo: Szene mit Julia Eckes und Tobias Schuster. ( Foto: Lenz)

Das „Stille Örtchen“ ist nicht immer still – und schon gar nicht ungestört. Die Musicalproduktion von „Bühne frei!“ im Stage Center in Speyer verbindet Musik mit Zauberei – und mit Witz und einer spannenden Geschichte sowieso.

Auf der Bühne : eine Bahnhofstoilette mit drei Kabinen: Damen, Herren und „Diverse“, wie man die Unisex-Toiletten auch nennt – man ist bei „Bühne frei!“ ganz auf der Höhe der Gender-Diskussionen.

Durchsagen der Deutschen Bahn – darunter eine schon kabarettreife Übersetzung ins „Denglische“– brachten Bahnhofsatmosphäre. Charlie (Tobias Schuster) ist der junge Putzmann im Klo, den keiner richtig wahr nimmt. Der verliebt sich in das hübsche Mädchen (Emely Valerius), das ständig „muss“ – und auf sehr wenig Verständnis von ihrem Freund (Benjamin Link) dafür stößt: „Musst du schon wieder! Wie kann man nur! Dann trink halt weniger!“, so und so ähnlich lauten die genervten Vorwürfe, und irgendwann reichts ihm so sehr, dass er geht. Der wegen seines Dienstes an einem etwas peinlichen Ort fast unsichtbare Charlie muss schon extra was tun, damit er bemerkt wird: „Ich hab da mal was vorbereitet“, sagt er, und dann gibt er dem Magier mit Kartentricks, Gedankenmagie mit Vorhersagen, verschwindenden und wieder auftauchenden Tüchern, Entfesselungskünsten und was die Trickkiste der Varieté-Zauberei sonst noch so hergibt. Außerdem singt er – aber das tun alle bei „Bühne frei!“.

Tobias Schuster hat beim Stage-Center schon so manchen Kindergeburtstag mit seinen Zauberkünsten verschönert. Für seine Tricks holt er sich Zuschauer auf die Bühne. Nach der Pause dürfen einmal alle mitspielen – zu diesem Zweck liegen auf jedem Stuhl Spielkarten, die die Zuschauer ganz klein reißen müssen. Die Schnipsel fliegen wie Konfetti durch den Raum. Zwei weitere Figuren haben keine Namen, aber bemerkenswerte Auftritte mit bemerkenswerter Stimmgewalt: Eine Punk-Lady (Julia Eckes) taucht immer mal wieder wie ein Sprung-Teufel aus der Kiste aus einer Klo-Kabine auf. Mal schmettert sie – mit noch offener Hose – ein Lied darüber, wie sie zu Hause nicht zur Ruhe kommt, weil eine Nachbarin in der Wohnung über ihr Opern-Arien üben muss und eine unter ihr Rockmusik, und dabei wechselt sie mühelos vom Opernsopran in die rockigen Töne. Dann rückt sie im geschlossenen Kleid unwiderstehlich dem armen Charlie auf die Pelle.

Julia Eckes hat ein Musicalstudium schon hinter sich und ist mitten in der Ausbildung zum Operngesang, sie ist also in allen Genres zu Hause. Eine weitere Klo-Dauerbesucherin ist Judith Janzen, Chefin von „Bühne frei!“ und ehemalige Opernsängerin, die man hier mal selber auf der Bühne sieht. Sie spielt und singt die selbstbewusste „American Woman“, die schon alles erlebt hat. Gegen Ende bekommt auch der Unisex-Klo noch seinen großen Auftritt: Benjamin Link erschein daraus als Drag-Queen mit hohen Stiefel-Absätzen und singt „Ich bin, was ich bin“ aus dem Musical „Ein Käfig voller Narren“, und schon allein für seine Aufmachung und das Stöckeln auf hohen Absätzen hatte er Sonder-Applaus verdient.

Die Musical-Produktion hatte Kirsten Riedel mit Songs aus etlichen bekannten Musicals zusammen gestellt und diesen einen ganz anderen Unterbau – eben die Klo-Geschichten – verpasst. Mit den drei Kabinen mit Schwingtüren konnten die Darsteller herrlich spielen, verschwinden und wieder auftauchen, dem Vorstellungsvermögen der Zuschauer einiges überlassen – unter den Türen konnte man die Beine sehen.

Einmal führte das recht weit, als Charlie, der Klo-Mann, einem jungen Mann mit Arm-Gips beim Öffnen und Schließen der Hose helfen musste. Das ging aber auch anders: mit Magie half er dem jungen Mann aus der benässten Unterhose – zu sehen war natürlich nur diese, die Jeans hatte er noch an. Auch die Putz-Utensilien waren für manchen Spaß gut – etwa die Bürsten, mit denen man Wasser spritzen konnte, oder Klopapierrollen, die wie Luftschlangen durch die Gegend flogen.

Info

Weitere Aufführungen finden statt am 11. Mai, 17. August und 19. Oktober – Karten gibt’s bei den Reservix-Vorverkaufsstellen oder unter 01806 700733.

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