Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Kühn: Sparkassen-Filialschließungen sind „unvermeidbar“

Die Lager sind geteilt: Ist es notwendig, dass die Sparkasse zehn Filialen schließt – oder vergisst sie ihren Auftrag des Gemein
Die Lager sind geteilt: Ist es notwendig, dass die Sparkasse zehn Filialen schließt – oder vergisst sie ihren Auftrag des Gemeinwohls?

Seit einem Monat werden die Schließungen von zehn Filialen der Kreissparkasse Saarpfalz heftig diskutiert. Jetzt ist das Thema im Homburger Stadtrat gelandet.

Das treibt die Leute und damit auch die Stadtratsmitglieder um: Die zum 1. März geplante Schließung von zehn Sparkassen-Filialen im Stadtgebiet und im Umland. Mit Elan diskutierten die Ratsmitglieder dieses Thema bei der Sitzung am Donnerstag. Eingebracht hatte es die Fraktion der Linken. Am Ende herrschte Konsens, unbedingt den Dialog mit den Verantwortlichen der Kreissparkasse (KSK) zu suchen.

Barbara Spaniol (Die Linke) kritisierte das Vorgehen der KSK heftig und forderte, der Schließung Einhalt zu gebieten. Eine Ausdünnung des Filialnetzes zu Lasten der älteren Kunden bezeichnete sie als „Schlag ins Gesicht“ der Betroffenen. Sie sagte: „Man darf den älteren Menschen nicht ihre Sparkasse vor Ort wegnehmen.“ Gerade sie suchten das persönliche Gespräch und seien in ihrer Mobilität oft eingeschränkt.

Schließungen passen nicht zum Bild aufstrebender Orte

Auch seien sie nicht in der Lage, Bankgeschäfte online abzuwickeln. Die oftmals schlechte Internetverbindung auf dem Land hindere manchen außerdem, diese Alternative zu wählen. Weite Wege zu anderen Filialen belasteten das in diesen Zeiten ohnehin schmale Budget.

Ein weiteres Argument führte Spaniol ins Feld: Die von der Schließung betroffenen Stadtteile verfügten über eine gute Infrastruktur und Sehenswürdigkeiten. Dass hier nicht einmal eine Selbstbedienungsfiliale mit Geldautomat bleibe, passe nicht ins Bild aufstrebender Ortschaften. Schlussendlich, meinte die Fraktionschefin, seien Sparkassen dem Gemeinwohl verpflichtet und gehörten zur Daseinsvorsorge. Sie forderte den mit Kreistagsmitgliedern besetzten Verwaltungsrat der KSK auf, sein Handeln zu überdenken.

Fuchs rügt schlechte Informationspolitik der Kreissparkasse

Die Menschen sollten die Bankgeschäfte dort erledigen können, wo sie wohnen, schloss sich Wilfried Bohn (SPD) dem Antrag Linken an. In Jägersburg habe ein Einzelhändler angeboten, die Versorgung der Sparkassen-Kunden mit zu übernehmen, wusste Peter Fuchs (CDU). Das wäre doch ein guter Weg. Er rügte obendrein die schlechte Informationspolitik der KSK.

Aus betriebswirtschaftlichen Gründen sei dieser Schritt verständlich, aber er sei sicher nicht im Sinne der Menschen, meinte Katrin Lauer (Grüne). Die Begründung der KSK, die Besuche in den Filialen seien rückläufig, erachtete sie als fadenscheinig: „In der Pandemie haben die Leute Kontakte vermieden.“ Und wegen kranken oder fehlenden Personals sei die eine oder andere Filialen über längere Zeit geschlossen. Lauer wies auch auf manche dringende Sanierung und die soziale Verpflichtung der Sparkasse hin. Dennoch sollten die Verantwortlichen „die Radikalmaßnahmen überdenken“.

Termin mit Vorstand und Verwaltungsrat steht fest

Am Montag, 27. Februar um 17 Uhr sei ein Termin mit den betroffenen Ortsvorstehern – auch der anderer Kommunen –, dem Vorstand und Verwaltungsrat der Kreissparkasse anberaumt. Vielleicht sei eine „Schadensbegrenzung“ noch möglich, vielleicht könnten wenigstens Servicestationen aufrechterhalten werden.

Für einen Dialog plädierte auch Michael Rippel (CDU). Er fand es gut, dass das Thema im Jägersburger Ortsrat diskutiert und eine Resolution verabschiedet worden war. Der Kirrberger Ortsrat sammle gerade Unterschriften. Als Sanddorfer hat Rippel indes seine Erfahrungen mit der KSK: Bei der Schließungswelle vor fünf Jahren war sein Stadtteil betroffen. Eine Intervention half nichts. Nicht einmal auf einen Geldautomaten als Alternative habe sich die KSK eingelassen.

Dass die Kreissparkasse die Geldautomaten abbaue, hänge seines Wissens mit den häufigen Sprengungen in jüngster Zeit zusammen, wusste Markus Loew (AfD). Gefährdet seien obendrein die Menschen in den Wohnungen über den Filialen. Trotz dieses durchaus berechtigten Arguments verstand die AfD das radikale Vorgehen der KSK nicht und begrüßte den Antrag der Linken.

Ulmcke: Kreissparkasse ist „kein Sozialunternehmen“

Ganz anders die FWG: „Die KSK ist kein Sozialunternehmen. Sie muss eine schwarze Null schreiben“, sagte Axel Ulmcke. Da seien Schließungen eben nicht ausgeschlossen. Vielleicht, meinte er, könnten für die betroffenen Kunden Shuttle-Busse eingerichtet werden.

Ähnlich äußerte sich Jörg Kühn (FDP). Gemeinwohl dürfe nicht mit Gemeinnützigkeit verwechselt werden. Natürlich müssten die Sparkassen Gewinne erzielen. Nur so könnten sie soziale Projekte unterstützen und Gelder an den Kreis abführen. Diese Beiträge würden sinken, wenn die KSK mehr in die Filialen investierte – diese verschlingen ohnehin eine Viertelmillion Euro im Jahr.

Kühn: Schließungen sind notwendig

In Folge würde möglicherweise die Kreisumlage steigen, „was niemand wollen kann“. In Kühns Augen sind „Schließungen unvermeidbar“. Andere Banken handelten ebenso, was kaum jemand kritisiere. Und für alte und gehbehinderte Menschen werde die Sparkasse einen Bargeldservice einrichten.

Am Ende wurde die Verwaltung gebeten, den Kontakt mit den Verantwortlichen der Kreissparkasse Saarpfalz zu suchen und Vertreter der Stadtratsfraktionen zum Dialoggespräch am 27. Februar einzuladen.

x