Zur Sache
Zahlreiche Anfragen in Rathäusern der Kreisgemeinden
Gunther Holzwarth kann die genaue Anzahl von Bürgern, die nach dem Cyberangriff auf den Kreis das Rathaus in Mutterstadt wegen Kreisangelegenheiten aufgesucht haben, nicht beziffern. Der Büroleiter ist sich aber sicher, dass es deutlich mehr Personen als sonst waren. „Wenn wir selbst helfen können, machen wir das natürlich“, nennt Holzwarth das Motto der Mutterstadter Rathausmitarbeiter. Seine Kolleginnen und Kollegen sind seit dem Hackerangriff auf die Kreisverwaltung zusätzlich belastet. „Wir sind die Mehrbelastung durch Corona gewohnt. Ständig kommt jemand und fragt nach einem Thema, für das eigentlich andere Behörden zuständig sind“, sagt Holzwarth, der mit Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) und den Beigeordneten an der Spitze des Mutterstadter Rathauses steht.
In dieser Woche haben die Gemeinden im Rhein-Pfalz-Kreis Unterstützung erhalten. Zirka 20 Mitarbeitende wurden in die Rathäuser entsandt und stehen den Bürgern dort zu den Öffnungszeiten des jeweiligen Bürgerbüros als direkte Ansprechpartner für Kreisangelegenheiten zur Verfügung. Gunther Holzwarth rechnet damit, dass sich die Situation nun verbessert.
Im Heßheimer Rathaus der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim sind nach Angaben von Bürgermeister Michael Reith (SPD) zwei Mitarbeiterinnen der Kfz-Zulassung untergekommen sowie jemand von der Kreis-Bußgeldstelle und zwei Kräfte, die erste Ansprechpartner für Bürger in Kreisangelegenheiten sein sollen.
Kasse und Bauverwaltung besonders betroffen
In Bobenheim-Roxheim sind zwei Teilzeitkräfte in dieser Funktion präsent. Büroleiter Markus Pfeffer nennt auf Anfrage die Bereiche IT, Organisation und Kasse/Finanzen als Abteilungen der Gemeinde, die vom Netzwerksausfall der Kreisverwaltung besonders tangiert sind. Ein Beispiel seien Zwischenbuchungen auf Verwahrkonten, die später an den Kreis überwiesen werden müssten.
Gefragt nach Beeinträchtigungen der Verwaltungsarbeit in seiner Verbandsgemeinde nennt Michael Reith die Bauabteilung. Die müsse derzeit ihre auf Papier vorliegenden Daten zu Bauanträgen weitergeben, das führe zu Verzögerungen. Auch seien VG-eigene Bauprojekte vom Hackerangriff betroffen, denn beim Kreis sei die Bauaufsicht angesiedelt. Kompliziert sei es jetzt mit der Auszahlung von Leistungen an Asylbewerber. „Wir haben uns nur an den Kontodaten aus dem vergangenen Monat orientieren können und die gleichen Beträge wieder ausgezahlt“, so Reith. Das müsse irgendwann auf seine Richtigkeit hin überprüft werden.
Bürgertelefon war überlastet
Froh ist der Bürgermeister, dass es für die in die Verbandsgemeinde entsandten Ansprechpartnerinnen jetzt eine eigene Telefonnummer gibt: 06233 3791-470. Dahin könnten VG-Bürger, die in einer Kreisangelegenheit die zentrale Behördennummer 115 wählen, direkt verbunden werden. In der ersten Zeit nach dem Hackerangriff, so Reith, sei nämlich das Bürgertelefon der VG mit weitergeleiteten Anrufen überlastet gewesen. Den zusätzlichen Publikumsverkehr in der Heßheimer Verwaltungsstelle bezeichnet Reith dagegen als „überschaubar“.
Der Cyberangriff auf den Kreis ist für die Kommunen eine Warnung. „Wir achten auf Spam-Mails und halten regelmäßig Rücksprache mit unserer EDV-Abteilung“, sagt Patrick Fassott (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen. Mit seinen Fachbereichsleitern hat er sich Gedanken gemacht, wie seine Verwaltung auf einen Hackerangriff reagieren würde. Bei diesem Gespräch kam heraus, dass das Personalamt nicht vollständig digital arbeite und die Hacker damit nicht an die „Kronjuwelen der Verwaltung“ – alle Daten der Mitarbeitenden – kommen würden. „Das freut uns, und wir sind in so einem Fall doch froh, dass wir manche Akten in Papierform vorliegen haben“, sagt Fassott. Künftig müsse wohl zweigleisig gearbeitet werden – sowohl digital als auch in Papierform.
