Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Verein(t) in der Region: Team 31 – zwischen Bürokratie und Erfolgsgeschichten

Das Team 31 feiert 2020 als Verein seinen fünften Geburtstag. Die Initiative gibt es schon länger. Der Vorsitzende Karl-Josef Fi
Das Team 31 feiert 2020 als Verein seinen fünften Geburtstag. Die Initiative gibt es schon länger. Der Vorsitzende Karl-Josef Fischer stellt mittlerweile aber fest: »Das Engagement wird geringer – aus den verschiedenste Gründen.«

Deutschkurse, Bewerbungen am PC und Hilfe bei Behördengängen – der Verein Team 31 in Schifferstadt unterstützt Flüchtlinge auf vielfältige Weise. Dank Stadt- und Kreisverwaltung stehen den Mitgliedern eigene Räume zur Verfügung, in denen es mittlerweile auch eine Teestube für gesellige Treffen, Spiele und Gespräche gibt.

Die Wurzeln des heutigen Team 31 reichen ins Jahr 2013 zurück – auf eine Flüchtlingsinitiative einer rund fünfköpfigen Gruppe von Schifferstadtern, die den damals in der Bahnhofstraße 31 wohnenden Flüchtlingen zur Seite gestanden hat. Sie halfen den Menschen, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden. Zwei Jahre später wurde aus der Gruppe ein Verein 31, der in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen feiert. Mittlerweile ist die Anzahl der Engagierten und Helfer beträchtlich angewachsen, auch wenn der Vorsitzende Karl-Josef Fischer feststellt: „Das Engagement wird geringer – aus vielen verschiedenen, teils auch persönlichen Gründen wie berufliche Veränderung und Umzug.“ Daher sind neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter willkommen. Vor allem Paten, die die Menschen mit Migrationshintergrund begleiten, werden stets gesucht, sagen Fischer und seine Vorstandskollegen Ralph Schäffner, Claus Markert und Carolin Kremer.

Integration ist heute der Schwerpunkt

Die Flüchtlinge kommen unter anderem auf Empfehlung der Stadt Schifferstadt auf den Verein zu – aber auch durch den Flyer, der im Foyer ausliegt. Die Informationen über das Team 31 verbreiten sich auch dank des Netzwerks der Flüchtlinge bei allen, die Hilfe und Unterstützung brauchen, sagt Fischer. Kontakte vermittelt auch das Ehepaar Nabil und Sawsan Al Ghanem, die mit ihren Kindern vor einigen Jahren aus Syrien gekommen sind und sich mittlerweile selbst im Verein engagieren. „Sie sind unsere Brücke zu ihren Landsleuten – dadurch haben wir eine Chance, sie zu erreichen“, beschreibt Caroline Kremer die wertvolle Vermittlerrolle des Ehepaars.

Während es vor einigen Jahren noch darum ging, die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft zu unterstützen, gehe es heute um Integration, wobei der Sprachunterricht nach wie vor eine wichtige Rolle spielt. So bietet die Kreisvolkshochschule in den Vereinsräumen in der Mutterstadter Straße 20 Deutschkurse für die Geflüchteten an. Und das Team 31 leistet auch einen wertvollen Beitrag: „Wir haben samstags ein offenes Deutschangebot – da kommen Teilnehmer mit ganz verschiedenen Deutschkenntnissen, und ein Team ehrenamtlicher Sprachlernbegleiter übt gezielt Lesen, Hören, Sprechen und Briefeschreiben für die Prüfung“, erläutert Carolin Kremer. Ein so genannter E-Learning-Raum ist mit Wlan und PCs ausgestattet: für Internetrecherchen, Bewerbungen schreiben und Online-Sprachkurse. Freitags von 17 bis 21 Uhr bietet die Teestube Besuchern die Gelegenheit zu Gesprächen oder auch Spielen.

Bürokratie ist eine große Herausforderung

Große Themen, das sind mittlerweile für den Verein auch die Bereiche Arbeit und Wohnen, wie die Vorstandsmitglieder berichten, aber auch Fragen zu Kindertagesstätte und Schule für Familien mit Kindern. „Wir begleiten sie zum Beispiel zum Jobcenter oder zu anderen Behörden und unterstützen sie beim Kontakt, in dem wir ihnen bei den Formularen helfen“, sagt Karl-Josef Fischer. „Wobei die Formulare auch uns oft vor Herausforderungen stellen“, ergänzt Vorstandsmitglied Ralph Schäffner mit einem Schmunzeln an.

Eine Herausforderung stelle die Bürokratie generell dar – das merken die Ehrenamtlichen, wenn sie Flüchtlinge begleiten, die sich einbürgern lassen wollen: „Dann geht es darum, für die hiesige Verwaltung Urkunden und Dokumente aus dem Heimatland zu beschaffen – was oft sehr schwer ist.“ Um der Menschen willen, denen sie helfen wollen, würden sie am Ball bleiben, auch wenn es viel Energie kostet: „Für die Einbindung der zu uns geflohenen Menschen bedarf es eines langen Atems und längerfristigen ehrenamtlichen Engagements“, sind Fischer und seine Mitstreiter im Vorstand überzeugt. Was die Mitglieder des Team 31 anspornt, sind aber auch Erfolgserlebnisse, die sie immer wieder erleben: „Beeindruckende Biografien von Menschen, die sehr motiviert sind – davor haben wir einen großen Respekt.“

Zur Sache: Hausnummer im Vereinsnamen

Sein fünfjähriges Bestehen kann der Verein Team 31 in diesem Jahr feiern. 2013 hat eine Gruppe von fünf bis sechs Ehrenamtlichen als Initiative begonnen, Flüchtlingen bei der Ankunft in Schifferstadt zu helfen. Einige der Flüchtlinge wohnten seinerzeit in der Bahnhofstraße 31 – die Hausnummer bildete zwei Jahre später bei der Vereinsgründung einen Teil des Namens. Einige der heutigen Mitglieder sind von Anfang an dabei. Die Vereinsgründung habe sich als sinnvoll erwiesen, wenn es um den Erhalt von finanzieller Unterstützung geht, heißt es vom Vorstand.

Heute engagieren sich rund 50 Mitglieder und darüber hinaus zwischen 80 und 90 ehrenamtliche Mitarbeiter. Sie verstehen sich als Ansprechpartner für Flüchtlinge in Schifferstadt. Die Stadt vermittelt Flüchtlingen, die sich im Rathaus melden, den Kontakt zum Team 31. Der Verein wird von der Stadt und dem Kreis unterstützt. So etwa mit der Bereitstellung der Räume in einem Gebäude in der Mutterstadter Straße 20. Seit 2017 wird dort Deutschunterricht und Nachhilfe angeboten. Auch die monatlichen Teamtreffen finden hier statt. Inzwischen wurden in Eigenleistung sowie mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren Schritt für Schritt eine Küche, eine Teestube und ein Materiallager eingerichtet, die seit Anfang 2019 genutzt werden können. Dazu kam die Ausstattung mit Wlan und PCs im sogenannten „E-Learning-Raum“. Seit 2013, als die Flüchtlingsinitiative startete, geht es darum, Flüchtlinge zu begleiten – wenn sie in Schifferstadt ankommen, bei der Wohnungssuche und der Erstausstattung, aber auch bei Themen wie Kita oder Schule beziehungsweise Ausbildung und Arbeitsplatz. Dank des großen Engagements der Vereinsmitglieder und ehrenamtlichen Helfer habe diese Unterstützung und Begleitung geleistet werden können. Dazu erhält das Team 31 auch finanzielle Unterstützung von Sponsoren.

Kontakt

Team 31, Ludwigstraße 18, Schifferstadt, Vorsitzender Karl-Josef Fischer, Telefon 06235/1754, E-Mail: team31e@gmail.com, im Netz: www.team31.jimdo.com.

Ich bin dabei ...

..., „weil meine Frau und ich dem Verein Team 31 dankbar sind“, sagt Nabil Al Ghanem. „Wir waren erstaunt über die große ehrenamtliche Arbeit. Als wir aus Syrien gekommen sind, haben wir viel Hilfe vom Team 31 und unserer Patenfamilie bekommen. Wir haben gedacht, dass es nun der richtige Zeitpunkt ist, etwas an den Verein und an die Gesellschaft zurückzugeben.“ Nabil Al Ghanem möchte anderen Flüchtlingen helfen, sie unterstützen und an seinen Erfahrungen teilhaben lassen. „Wenn man als Flüchtling hier ankommt, braucht man viel Hilfe, weil man sich ja nicht auskennt“, sagt er. Dank des Teams 31 müsse man nicht allein zur Stadtverwaltung oder zum Jobcenter. Auch beim Ausfüllen von Formularen oder beim Schreiben eines Briefs bekommen Flüchtlinge Hilfe. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich Flüchtlinge fühlen, wenn sie hier ankommen – weil es mir ja auch so gegangen ist“, erzählt der 50-Jährige. „Ich habe im Moment wegen meiner Ausbildung noch nicht so viel Zeit, aber ich mache, was ich kann. Wenn ich meine Ausbildung im Sommer fertig habe, habe ich wieder mehr Zeit. Meine Frau Sawsan hilft jetzt schon viel. Sie hat zum Beispiel das Café Kommt, das von der evangelischen Kirche und vom Team 31 angeboten wird, gemanagt.“

Nabil Al Ghanem
Nabil Al Ghanem
Team-31-Vorsitzender Karl-Josef Fischer.
Team-31-Vorsitzender Karl-Josef Fischer.
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