DUDENHOFEN / SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Ungestört sprießende Herkules-Stauden: Niemand fühlt sich zuständig

Breiten sich seit Jahren entlang des Woogbachs aus: Herkulesstauden.
Breiten sich seit Jahren entlang des Woogbachs aus: Herkulesstauden.

Hinter dem Vereinsgelände des Pfälzerwald-Vereins Dudenhofen blühen auf einer Länge von hundert Metern Herkulesstauden. Die Pollen der Pflanze verursachen Atemwegserkrankungen, in Verbindung mit Sonnenlicht führt ihr Saft zu schweren Verbrennungen der Haut. So richtig zuständig fühlt sich für das Gewächs an der Gemarkungsgrenze zu Speyer allerdings niemand.

Von der Straße aus, der Verlängerung des Boligwegs Richtung Speyer, ist das Band gut zu sehen. Nähern sollten sich Interessierte und Naturliebhaber ihm wegen der gesundheitlichen Gefahren aber besser nicht. Schon vor mehr als zehn Jahren entdeckte ein Dudenhofener, der in der Zeitung namentlich nicht genannt werden möchte, am Hang des ehemaligen Schuttabladeplatzes der Gemeinde die Herkulesstaude. Damals waren es lediglich zwei, drei Pflanzen, sagt er. Heute sind es geschätzt etwa 500. Und sie verbreiten sich immer weiter. Seitlich zu den Bäumen und Hecken sowie zur Böschung des 50 Meter dahinter fließenden Woogbachs. Mittlerweile wachsen einige Exemplare auch auf dem angrenzenden Spargelacker.

Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten produziert eine Staude im Jahr rund 60.000 Samen, die bis zu 40 Jahre im Boden keimfähig bleiben. Während der Hauptblütezeit zwischen August und Oktober könnten sich pro Pflanze durch den Wind bis zu eine Milliarde Pollen über teils große Distanzen verbreiten. Bei optimalen Bedingungen könne sie zwei Meter groß werden. Ursprünglich stamme sie aus Nordamerika und dem Kaukasus.

Vor einigen Jahren, berichtet der Mann, habe der verstorbene Siegfried Tretter sowohl die Gemeinde Dudenhofen wie auch die Stadtverwaltung Speyer über das Vorkommen informiert. Passiert sei nichts. „Die schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu“, ist seine Vermutung, weil die Pflanze an der Gemarkungsgrenze wächst. Er fordert „endlich eine gemeinsame Aktion der beiden Kommunen zur Entfernung der Stauden“.

Die Verbandsgemeindeverwaltung Römerberg-Dudenhofen erklärte sich auf Nachfrage für nicht zuständig. Man habe nachgeschaut, die betreffende Fläche befinde sich auf Speyerer Gemarkung. Was der Bürger bezweifelt: „Der genaue Grenzverlauf lässt sich hier nur durch GPS bestimmen“, sagt er.

Zur Zuständigkeit der Beseitigung informiert eine Internetseite des Bürger- und Unternehmensservice Rheinland-Pfalz: „Sie obliegt dem Grundstückseigentümer, Bodennutzer und der unteren Umweltschutzbehörde.“ Der Mann sagt im RHEINPFALZ-Gespräch, nach seiner Kenntnis werde das Grundstück von einem Dudenhofener Landwirt, der darauf Spargel anbaut, genutzt. Das Gelände hinter dem Blühstreifen habe ein Bienenzüchter gepachtet.

Keine Pflicht zu handeln

Lisa-Marie Eschenbach, Pressesprecherin der Stadt Speyer, zitiert die entsprechende Passage des Naturschutzgesetzes: „Die Zuständigkeit für die Bekämpfung nichteinheimischer, gebietsfremder und invasiver Arten liegt bei den Behörden des Bundes und der Länder.“ Grundsätzlich bestehe weder seitens der Stadt, sollte ihr das Grundstück gehören, was zu prüfen wäre, noch des Eigentümers, wer immer das sei, die Verpflichtung, die Herkulesstaude zu bekämpfen.

Ungeachtet dessen, dass die Entfernung und Eindämmung nicht verpflichtend ist, hält sie „ein Zurückdrängen der Staude im Allgemeinen, vor allem auf besonders schutzwürdigen Flächen wie Naturschutzgebieten, Spielplätzen und öffentlichen Grünanlagen, für angebracht“.

Die ist allerdings sehr aufwendig, dauert mehrere Jahre und erfordert sorgfältige Nachkontrollen. Die Herkulesstaude hat eine rübenförmige Speicherwurzel und treibt aus deren oberem Vegetationskegel. Der sollte im Juni von der Blüte abgetrennt und der Neuaustrieb chemisch behandelt werden. Sitzt ab Juli der Samen an der Hauptdolde, müssen die Samen der Dolden entfernt und vernichtet werden, damit sich keine neuen Bestände bilden. In der Regel wachsen nach dem Entfernen der Altstauden auf der Fläche zwei Generation der Pflanze nach.

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