Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Poetenfest des Literarischen Vereins der Pfalz in Mutterstadt

Birgit Heid, Vorsitzende des Literarischen Vereins der Pfalz, mit Johann Seidl.  Foto: enk
Birgit Heid, Vorsitzende des Literarischen Vereins der Pfalz, mit Johann Seidl.

„Es ist nicht alles Gold….“ war das Poetenfest des Literarischen Vereins der Pfalz in Mutterstadt überschrieben. 15 Künstler aus der Pfalz, Nordbaden und Südhessen, sogar aus dem bayerischen Freising, sind am Samstag angereist. Und ihre tiefschürfenden und empfindsamen, philosophischen und psychologischen, satirischen wie ironischen Betrachtungen begeisterten die Zuhörer.

Die in Mutterstadt ansässige Autorin Katrin Kirchner – sie war Siegerin in der Kategorie Prosa des Dichterwettbewerbs anlässlich des 140-jährigen Bestehens des Vereins 2018 in Speyer – hatte den schönen Veranstaltungsort im örtlichen Seniorentreff vermittelt und auch selbst gelesen. Den Auftakt des bis in die Abendstunden dauernden Literaturmarathons machte der Schifferstadter Guido Lill. Neben Reflexionen über Fake News, den Aktienkurs der Wahrheit und Alternativen zum Alltagsgrau, wandte er sich den überwältigenden Superlativen der Natur zu und kam darüber zu einer zentralen Frage philosophischen Denkens und zur Auffassung „eigentlich bräuchte man gar nichts zum Anbeten“. Lill kommt von der Aktionskunst. „Da lag mein Anfang im Schreiben“, verdeutlichte er, „ich musste das ja irgendwie erklären“. Belehren wolle er nicht, unterstrich er, seine Gesellschaftskritik sei eher ein ironisch-satirisches Hinterfragen.

Der gebürtige Oberpfälzer Johann Seidl, Zweitplatzierter des Gedichtwettbewerbs beim „Festival des Bouquinistes et Artistes“ in Landau 2019, stellte in seinem Beitrag das idealistisch-überhöhte Kunstverständnis Kaiser Wilhelms ÌI. dem von Gottfried Benn gegenüber. Des preußischen Wilhelms Überzeugung, nicht in den Rinnstein hinabsteigen zu dürfen um das Übel der Welt krass überzeichnet zur Kunst zu erheben, kontrastierte er mit Benns Auffassung, dass Krüppel, Absonderliche und Psychopathen sich als wahre Schöpfer großer Kunst ausgewiesen hätten. In einem Ausflug in die Frühzeit des Menschen ließ er einen kunstsinnigen Höhlenmenschen mit Rötelstein ein Mammut zeichnen. In der Kunst sei immer auch etwas vom Künstler abgebildet.

Die Landauer Psychotherapeutin und Dichterin Katrin Sommer ließ einen Baum erzählen. Eine gequälte Kreatur sucht bei ihm Zuflucht. Der Baum steht für das Ewige, Unvergängliche, zieht Kraft aus der Erde, schafft Verbindung zum Himmel. Verzweiflung und Ausweglosigkeit plagen die Besucherin. Schon hat sie einen festen Ast ausgesucht, einen kräftigen Strick mitgebracht. Doch der Baum gibt ihr Kraft es nochmals mit dem Leben zu versuchen. Später kehrt sie mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Kind zurück zu dem lebensspendenden Retter. Eine erschütternde Geschichte, die das Publikum tief beeindruckte.

„Es ist das siebte Poetenfest das wir veranstalten“, sagte Birgit Heid, Vorsitzende des Literarischen Vereins der Pfalz. Die Autoren sollten „Boden, Licht und Wasser für andere literarische Pflänzchen“ sein und diese inspirieren. Alle würden ohne Gage auftreten.

Dichter aus der Nachbarschaft: Guido Lill aus Schifferstadt las aus seinen Werken.  Foto: enk
Dichter aus der Nachbarschaft: Guido Lill aus Schifferstadt las aus seinen Werken.
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