Mutterstadt
Palatinum: Zaghafte Kultur und explodierende Preise
Vor der Pandemie war das Palatinum ein beliebter Austragungsort für Veranstaltungen aller Art – nicht zuletzt kulturelle – und entsprechend gut gebucht. Dennoch hat das Veranstaltungshaus auch damals schon im laufenden Geschäft jedes Jahr einen Verlust eingefahren. Den gleicht die Gemeinde aber stets aus ihren Etatmitteln aus, sodass der Jahresabschluss des Palatinums immer ausgeglichen ist. Auch 2021 waren die Ausgaben wieder höher als die Einnahmen, und zwar rund 179.000 Euro.
Dieses Minus liege ungefähr auf dem Niveau der Vorjahre, sagte die Erste Beigeordnete Andrea Franz (SPD) nun in einer gemeinsamen Sitzung des Mutterstadter Rats und seines Haupt- und Finanzausschusses. Ihr zufolge waren zwar die Einnahmen wegen Corona deutlich niedriger als früher, die Ausgaben allerdings auch. Außerdem sei momentan eine Halbtagsstelle nicht besetzt, da dies nicht nötig sei. „Wir warten die Entwicklung ab. Sollte die Stelle wieder notwendig werden, sorgen wir natürlich für Ersatz“, erklärte Franz.
Veranstalter zurückhaltend
„Corona merkt man immer noch“, ergänzte Kämmerin Elke Helm. So gebe es nur ganz wenige kulturelle Veranstaltungen. Trotzdem sei der große Saal ausgelastet und die Umsatzerlöse seien gar nicht so niedrig, „wie wir zunächst dachten“. Das liege teilweise auch daran, dass die Gemeinde selbst den Saal anmiete, räumte sie ein. Zum Beispiel für solche Sitzungen politischer Gremien. Doch bei kulturellen Terminen herrsche nach wie vor eine große Zurückhaltung. „Die Veranstalter können einfach nicht sicher planen, obwohl wir sehr kulant sind“, betonte sie.
So reize das Palatinum seine Geschäftsbedingungen nicht aus, verlange etwa keine Ausfallentschädigung, obwohl der Betrieb das eigentlich könnte. „Wir wollen ja unsere Stammkundschaft nicht verärgern.“ Im Ergebnis mache sich das nicht so bemerkbar, da die Ausgaben ebenfalls niedriger seien. Doch selbstredend wäre hier eine Belebung wünschenswert. Allerdings seien die Bürger ebenfalls noch ziemlich zurückhaltend, was den Besuch von Veranstaltungen betrifft.
Bei den Gaskosten sei das Palatinum ebenso wie die Kommune gut aufgestellt, erklärte Helm. „Da haben wir Verträge mit einem niedrigen Preis bis zum 31. Dezember 2023.“ Beim Strom dagegen sehe das anders so. „Da wissen wir schon, dass uns die Preise durch die Decke gehen werden“, kündigte sie an. Deshalb müssten auch die Nutzungsgebühren für das Palatinum entsprechend angepasst werden.
Gebühren gehen nach oben
Diese Aufgabe erledigte der Haupt- und Finanzausschuss. Die neuen Preise in Tarif B gelten ab dem 1. Januar 2023. So kostet die Miete des Saals einschließlich der Bühne statt 1050 Euro künftig 1250. Wer nur das Foyer nutzt, zahlt dafür 375 Euro statt 300 Euro, wer den Saal mitbucht, muss für das Foyer 200 statt 100 zahlen. Der große Saal schlägt statt mit 1180 Euro fortan mit 1500 zu Buche. Für alle Räume zusammen verlangt das Palatinum vom Jahreswechsel an nicht mehr 1400 Euro, sondern 2000. Trotz des recht erheblichen Preisanstiegs bewegten sich die künftigen Mietkosten im Rahmen dessen, was für vergleichbare Hallen in umliegenden Gemeinden verlangt werde, sagte Franz. Zugleich betonte sie, dass Tarif A für die Vereine nicht erhöht werde. „Das ist wichtig, damit sie ihre Angebote aufrechterhalten können“, sagte sie.
Erfreulicher gestaltete sich die Lage beim Abwasserbetrieb. Der erwirtschaftete vergangenes Jahr einen Gewinn von rund 521.000 Euro. Der sei durch viele verschobene Projekte und niedrige Instandhaltungskosten zustande gekommen, erklärte die Erste Beigeordnete. „Das ist ein ganz angenehmer Gewinn in dieser Höhe. Darüber sind wir auch froh, da wir in den nächsten Jahren einiges vorhaben“, sagte sie. So solle 2023 der Betonboden des Hauptgrundwerks erneuert werden.
Am Ende verabschiedeten Rat und Ausschuss die Jahresabschlüsse der zwei Eigenbetriebe für das Jahr 2021 einstimmig.