Römerberg
Mediathek: Seit 20 Jahren am Puls der Zeit
„Ich war damals für das Land Rheinland-Pfalz unterwegs und habe den Aufbau der Offenen Kanäle organisiert“, erzählt Manfred Scharfenberger (CDU). Bevor er Bürgermeister seiner Heimatgemeinde wurde, war der Römerberger nämlich Mitarbeiter der Landeszentrale für Private Rundfunkveranstalter. Als solcher lernte er auch das Medienzentrum in Wittlich kennen, das ihn begeisterte, weil es dort auch ein großes Angebot an digitalen Medien gab. Die Idee einer modernen multimedialen Einrichtung, die auch Veranstaltungen organisiert und eine soziale Funktion als Treffpunkt erfüllt, wollte Scharfenberger in Römerberg umsetzen. Dort gab es bis dato nur eine Gemeindebücherei auf engem Raum über der Feuerwache in Mechtersheim. „Wir hatten vorher nur zwei klitzekleine Räume. Die Ausleihe funktionierte noch über Karteikarten“, erinnert sich Marion Leutner, die von Anfang an beim Projekt Mediathek dabei war.
Gut traf sich Anfang des Jahrtausends, dass der Besitzer des Gasthauses „Zum Engel“ in Berghausen seine Nebenräume, die zuvor unter anderem von einer Kampfsportschule genutzt worden waren, gerne der Gemeinde vermieten wollte, wenn diese dort etwas Gemeinnütziges für alle Generationen schaffe. Im Gemeinderat waren damals nicht alle sofort begeistert von der Idee einer Mediathek. „Im ersten Anlauf ist es im Rat durchgefallen“, weiß Scharfenberger noch. Die Haushaltslage sei angespannt gewesen. Und mancher habe sich unter dem Schlagwort Mediathek nicht so recht etwas vorstellen können. In einer Zeit, als noch längst nicht jeder einen Internetzugang hatte, sollte die Einrichtung den Bürgern an öffentlich zugänglichen PCs Zugang zum weltweiten Netz verschaffen – die ersten 30 Minuten kostenlos. Beim zweiten Mal klappte es dann auch mit der Zustimmung des Gemeinderats. „Und mittlerweile will die Einrichtung keiner mehr schließen“, ist Scharfenberger sicher.
Diskussionen um Standort
Allerdings gab es in der Vergangenheit schon Diskussionen, die Mediathek an einen anderen Standort, in gemeindeeigene Räume zu verlegen. Manche Kommunalpolitiker liebäugelten mit einem Umzug in die Räume der ehemaligen Realschule. Doch diese werden derzeit zum Großteil von der Speyerer Pestalozzischule als Ausweichquartier genutzt. Anschließend dürfte die wachsende Grundschule Berghausen diese benötigen. Scharfenberger glaubt deshalb, dass ein Umzug vom Tisch ist, zumal für ihn wie für Büchereileiterin Julia Hegel auch die heimelige Atmosphäre im Hof neben dem „Engel“ ein großer Pluspunkt der Mediathek ist.
Von der Eröffnung bis zur Corona-Pandemie hat die Mediathek einen stetig wachsenden Zustrom an Lesehungrigen und anderen Medien Interessierten verzeichnet: Mehr als 21.000 Besucher waren es laut Hegel 2019, rund 1400 aktive Nutzer verzeichnet die Mediathek in ihrer von Anfang an digitalen Nutzerkartei. Bücher gibt es damals wie heute, auch wenn der Bestand laufend aktualisiert wird und alte Schmöker immer wieder auf dem Bücherflohmarkt landen. Die übrigen Medien unterlagen hingegen in den vergangenen zwei Jahrzehnten einem größeren Wandel: „Wir haben keine Videokassetten mehr und keine CD-Roms“,berichtet Hegel. Stattdessen gibt es heute beispielsweise Tonie-Figuren, aber auch Konsolenspiele und DVDs. Auch rein virtuelle Angebote macht die Mediathek: ein Film-Streaming-Dienst und eine Lern-App gehören dazu. Außerdem ermöglicht die Einrichtung das Nutzen der „Onleihe“, um E-Books auszuleihen.
Aufenthaltsqualität gesteigert
Nicht nur wegen dieser modernen Ausrichtung glaubt Leiterin Hegel, dass die Mediathek eine Zukunft hat. „Wir sind Begegnungsstätte und sozialer Raum“, sagt sie. „Und wir sind ein Ort, an dem man nichts konsumieren muss. Man muss nichts kaufen und auch keinen Kaffee bestellen.“ Für Familien – die Hauptzielgruppe der Einrichtung – sei die Mediathek auch ein Standortfaktor. „Diejenigen, die früher als Kinder gekommen sind, kommen heute mit ihren Kindern“, hat Marion Leutner beobachtet. Die Aufenthaltsqualität ist dabei über die Jahre immer weiter gesteigert worden: „Wir haben eine schöne Jugendecke und ein Lesecafé hinzubekommen“, nennt Hegel zwei Beispiele. 22 Stunden ist die Mediathek mittlerweile pro Woche geöffnet, fünf Mitarbeiter sorgen für den reibungslosen Ablauf bei der Ausleihe der rund 19.500 Medien.
Die Corona-Pandemie bedeutete auch für die Mediathek neue Herausforderungen: „Schon nach anderthalb Wochen haben wir angefangen, Medien mit dem Bürgerbus auszufahren“, berichtet Hegel. Denn der Hunger nach Büchern war damals besonders groß. „Es wurde viel gelesen, weil alles zu hatte“, sagt sie. „Die Leute standen an der Haustür und haben uns angestrahlt.“ Dennoch habe sich jeder gefreut, als es dann weiterging.
Termin
Die Mediathek feiert ihr 20-jähriges Bestehen am heutigen Donnerstag zunächst mit einer internen Feierstunde und anschließend, ab 19 Uhr, mit einer Lesung von Britta Habekost: Die Autorin liest aus ihrem Krimi „Stadt der Mörder“, dazu gibt es eine Weinprobe mit Weinen des Mechtersheimer Winzers Tobias Schmidt. Eintritt inklusive Weinprobe: 15 Euro. Stand Mittwoch sind noch einige Restkarten verfügbar.