HARTHAUSEN
Künftige Streuobstwiese beflügelt Fantasie
Etwas ungewöhnlich ist die geometrisch strenge Anordnung der Bäume auf der Fläche am östlichen Ortsausgang. Andreas Lochbaum, der Leiter des Fachbereichs Natürliche Lebensgrundlagen und Bauen bei der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, kennt nicht nur die genaue Größe des Grundstücks, das bis vor Kurzem noch ein Acker war: 5769 Quadratmeter. „Für die Neupflanzungen sind regionaltypische, robuste und an die örtlichen Boden- und Klimaverhältnisse angepasste Hochstamm-Obstsorten – Stammhöhe mindestens 1,60 Meter – zu verwenden“, zitiert er aus den sogenannten textlichen Festsetzungen zum Bebauungsplan.
Vorgegeben ist dort zudem, dass die Pflanzdichte 50 Bäume je Hektar (10.000 Quadratmeter) beträgt, verschiedene Obstarten verwendet werden und der Pflanzabstand zehn bis 15 Meter bemisst. So gesehen, müssten noch zwei, besser drei Bäume auf dem Grundstück gepflanzt werden. „Die Bäume sind dauerhaft zu pflegen und bei Verlust zu ersetzen“, heißt es darüber hinaus in den Bestimmungen für die ökologische Ausgleichsfläche. Wie genau die Bäume auf dem Grundstück, das im Besitz der Ortsgemeinde ist und bisher an einen hiesigen Landwirt verpachtet war, verteilt werden sollen, wird in den Festsetzungen offengelassen.
Fragen aufgeworfen
Bei Einwohnern der Verbandsgemeinde hat die Anlage der Pflanzung am „Vogelkreisel“ Fragen aufgeworfen. Christiane Brell, die Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins Dudenhofen, hat sich bei der Verwaltung erkundigt, welche Obstbaumsorten auf der künftigen Streuobstwiese gepflanzt wurden. Die Diplom-Biologin erfuhr, dass die Gemeinde als Auftraggeberin des Projekts die Pfalzwerke mit der Ausführung der Anlage beauftragt habe. Dieses Unternehmen wiederum habe die Umsetzung an eine Fachfirma vergeben. Die Anlage der Fläche ist dann nach RHEINPFALZ-Informationen bereits im Frühjahr begonnen worden, obwohl ein hiesiger Landwirt das Grundstück noch von der Gemeinde gepachtet hatte.
Eine Anfrage der RHEINPFALZ bei Verwaltung und Pfalzwerken, welche Obstbäume genau auf der Ausgleichsfläche stehen, ist bis gestern nicht beantwortet worden. Biologin Brell, die ebenfalls nachgehakt hatte, erhielt vor wenigen Tagen die Information: Goldrenette und Weinling (Äpfel), Gräfin von Paris und Großer Katzenkopf (Birnen) sowie Graf Althanns Renneklode (Zwetschge) und Löhrpflaume. An der Auskunft ist auch Reinhard Steiger stark interessiert. Der Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins Harthausen wundert sich über den für Obstbäume ungewöhnlichen Pflanzschnitt der Gehölze. Bevor die Bäume austrieben, sei praktisch nicht zu erkennen gewesen, dass es sich überhaupt um Obstgehölz handelt, sagt er. „Äpfel und Birnen“ konnte Steiger im April anhand der Blüten und Blätter identifizieren.
Auf der Ausgleichsfläche soll sich laut behördlicher Vorgaben außerdem eine „extensive Wiesenfläche in Form einer mehrjährigen Blühwiese“ entwickeln, die mit „autochthonem Saatgut für Feldraine und Säume aus dem Ursprungsgebiet ,Oberrheingraben mit Saarpfälzer Bergland’ angesät wird“. Autochthon heißt einheimisch. Biologin Christiane Brell hat der Gemeindeverwaltung davon abgeraten, Saatgutmischungen wie etwa „Blühende Landschaft“ zu verwenden, die aus ökologischer Sicht problematische Pflanzensamen enthielten. Sie kenne mehrere Mischungen, die vollständig aus geeigneten Samen aus der Region bestünden. „Ich habe der Gemeinde angeboten, ihr bei der Auswahl des Saatguts mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, teilt Brell mit. Die Aussaat der Wiese solle im Herbst erfolgen, denn das Frühjahr sei zu weit fortgeschritten, um das noch umzusetzen, informiert sie.
Nahes Naturschutzgebiet
Ortsbürgermeister Harald Löffler (CDU) sieht in der neuen Ausgleichsfläche sowohl ein bedeutendes Element der Biotopvernetzung, als auch einen Ort, an dem einmal ein „Streuobstwiesenfest“ gefeiert werden könnte. Die Fläche liegt nur einen Katzensprung vom Naturschutzgebiet Woogwiesen entfernt. Dort gibt es artenreiche Wiesen und besonders seltene Schilfröhrichtbestände. Es ist eines der Ziele des CDU-Politikers, naturnahe Lebensräume für bedrohte Tiere und Pflanzen in Harthausen zu erhalten und zu mehren, wie er hervorhebt.
Löffler ist es außerdem ein besonderes Anliegen, den Bürgern und vor allem der Jugend den hohen Wert der natürlichen Lebensgrundlagen zu vermitteln. „Wir haben zweimal ein Streuobstwiesenfest gefeiert. Das ist bei der Bevölkerung sehr gut angekommen“, blickt er zurück. Nach dem Abzug der Bundeswehr aus Speyer habe dann die logistische Unterstützung gefehlt, um weitere solche Feste weit entfernt von der Ortsbebauung auf die Beine stellen zu können. Die Einhaltung der Hygienevorschriften nennt Löffler dabei als Knackpunkt. „Die neue Streuobstwiese liegt nahe bei der ehemaligen Kläranlage. Es sollte möglich sein, dass wir Strom- und Wasserleitungen von dort zu der Fläche für ein Fest verlegen können“, sagt er.