Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Invasiver Krebs auf dem Vormarsch

Gefährlich für die hiesigen Gewässer: Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs.
Gefährlich für die hiesigen Gewässer: Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs.

Amerikanische Einwandererkrebse nutzen die Infrastruktur der Vorderpfalz zur schnellen Verbreitung. Das ist nicht neu, doch richtig Kummer bereitet den Naturschützern ein neuer Eindringling. Jetzt soll es ihm an den Kragen gehen. Die Invasion zu stoppen, könnte aber Jahre dauern.

Gefräßig, aggressiv, schnellwüchsig – schlicht als Gefahr für die Gewässer und die Naturschutzgebiete bezeichnete Thomas Springenberg von der Unteren Naturschutzbehörde den Roten Amerikanischen Sumpfkrebs in der Umweltausschusssitzung des Rhein-Pfalz-Kreises am Mittwoch im Kreishaus in Ludwigshafen. Er löste im Rhein-Pfalz-Kreis bereits die Vorherrschaft des Kalikokrebses ab, ebenfalls ein Einwanderer aus Nordamerika. Horrorszenario: Gelingt dem Sumpfkrebs der Sprung in die Auenlandschaft am Rhein oder in die Seenlandschaft um Bobenheim-Roxheim, wird er nach Ansicht von Springenberg kaum noch zu stoppen sein. „Das Problem wäre nicht mehr beherrschbar.“ Zu viele Verstecke gebe es dort für den Krebs.

Sein enormer Hunger – er macht vor Fisch- und Amphibienlaich und Muscheln nicht Halt – könnte dafür sorgen, dass der Krebs das Nahrungsangebot und damit die Artenvielfalt reduziert, die Wasserqualität verschlechtert und so insgesamt das Gleichgewicht der Gewässer zerstört. Am Ende könnte er „tote Gewässer“ hinterlassen, zeichnete Springenberg ein düsteres Bild. Dass es so weit kommt, gelte es zu verhindern. Kein leichtes Unterfangen. Es wird nach Ansicht von Springenberg Jahre dauern.

Einwanderer schleppen Krebspest ein

Längst seien die einheimischen Krebsarten wie der Edel- oder der Seekrebs in die Mittelgebirge zurückgedrängt worden. Die Wasserwelt der Vorderpfalz dominieren der Kalikokrebs, der Signalkrebs, der Marmorkrebs und eben der Rote Amerikaner – alles Einwanderer aus Nordamerika. Allen gemein ist, dass sie Träger und Überträger der Krebspest sind. Selbst sind sie immun dagegen, nicht aber die einheimischen Krebsarten, die innerhalb kürzester Zeit daran versterben.

Alles begann im Rhein-Pfalz-Kreis mit dem Fund eines Sumpfkrebses durch einen Spaziergänger in einem Biotop in Großniedesheim nahe des Eckbachs im Oktober 2019. Seit dieser Zeit bemüht sich die Untere Naturschutzbehörde mit den sehr engagierten Mitgliedern des Sportanglervereins Lambsheim (SAV) darum, das Problem einzudämmen und einzugrenzen. Inzwischen sei festgestellt worden: Die Ausbreitung des Roten Amerikaners ist schlimmer als befürchtet, sagte Springenberg. Ausgegangen werde davon, dass sie irgendwo flussaufwärts ihren Ausgang nahm und nicht in dem Großniedesheimer Biotop. Näher am Rhein wurden noch keine Roten Sumpfkrebse gefunden, weder im Roxheimer Altrhein noch rund um den Silbersee oder im Kräppelweiher auf Frankenthaler Gemarkung. Dies gelte es weiterhin zu verhindern, betonte Springenberg.

Vorderpfalz als „Krebsautobahn“

In 32 Fangwochen im Rhein-Pfalz-Kreis wurden bisher rund 2000 Krebse in den ausgelegten Reusen, den stationären Fangvorrichtungen, gezählt. Mit 58 Prozent der registrierten Krebse war der Rote Amerikaner dominant. Er konnte den bisherigen Marktführer, den Kalikokrebs, somit bereits übertrumpfen.

Die Vorderpfalz mit ihren Entwässerungsgräben und Bächen bezeichnete Springenberg als „Krebsautobahn“. Bezeichnenderweise liegt der bisher ausgemachte Hotspot des Roten Sumpfkrebses an der Autobahn 61 in der Nähe des Autobahnkreuzes Frankenthal im Schrakelbach, dessen Ursprung westlich von Flomersheim liegt. Im Schrakelbach wurden auch zahlreich andere amerikanische Einwandererkrebse nachgewiesen. In dem Biotop bei Großniedesheim seien fast ausschließlich Rote Amerikaner gefunden worden, allerdings im Vergleich zum Schrakelbach – dort wurden bisher 583 Exemplare gefunden – recht wenige, erklärte Springenberg.

Mit „Baustellen“ Wanderungen stoppen

Mit Wanderbaustellen den Verkehr auszubremsen: Was im Straßenverkehr erfolgreich ist, soll nun auch im Eckbach und dessen Zuflüssen umgesetzt werden. Abschnittsweise soll flussaufwärts der Roten Amerikaner mit Reusen abgefischt sowie dessen Wanderung mit Sperrnetzen gestoppt werden. Dabei hofft man, dass der Krebs die Sperren nicht umläuft. Im Anschluss sollen Monitoring-Punkte angelegt werden, um zu kontrollieren, dass der Krebs nicht doch wieder wandert. Denn was den Roten neben den bisher genannten Eigenschaften so gefährlich macht: Er hat die Fähigkeit, auch längere Trockenphasen zu überstehen und er kann sich laut Springenberg zwei bis vier Kilometer über Land bewegen. Darüber hinaus macht den Naturschützern die hohe Vermehrungsrate Sorgen. 200 bis 800 Eier könne ein Weibchen pro Jahr legen. Und in der Pfalz, das haben die Naturschützer registriert, macht der Krebs entgegen seinen anderen Verbreitungsgebieten nicht einmal eine Winterpause bei der Fortpflanzung.

Roter Amerikaner auf EU-Liste

Inzwischen wurde der Sumpfkrebs von der Europäischen Union auf die Unionsliste der invasiven und gebietsfremden Arten gesetzt. Legal darf er in der EU nicht mehr gehandelt werden. Illegal gebe es diese Bestrebungen im Internet wohl, meinte Springenberg. Da inzwischen festgestellt wurde, dass sich der Rote Amerikaner nicht an Kreisgrenzen hält und das Problem von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises alleine kaum mehr zu bewältigen sei, soll diese Aufgabe an die Obere Naturschutzbehörde, die bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd angesiedelt ist, abgegeben werden, informierte Springenberg.

Springenberg lobte den Einsatz der Lambsheimer Sportangler, die beim Fangen der Krebse helfen. Ein kleiner Lohn ist es, dass sie den schmackhaften Krebs dann auch verspeisen dürfen. Dass dies ungefährlich ist, sei extra von einem Lebensmittellabor überprüft worden. Eine weitere Auszeichnung der Sportangler wurde in der Sitzung von Ratsmitgliedern angeregt. Landrat Clemens Körner (CDU) appellierte zudem an Besitzer von Aquarien oder Teichen, Fische und Krebse nicht einfach in die einheimischen Gewässer auszusetzen.

Die Lambsheimer Sportangler helfen beim Fangen der Eindringlinge – und dürfen sie dafür auch verspeisen.
Die Lambsheimer Sportangler helfen beim Fangen der Eindringlinge – und dürfen sie dafür auch verspeisen.
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