Rhein-Pfalz-kreis
Fahrraddiebstahl: Polizei gibt Tipps zur Vorbeugung
Im Frühjahr und Sommer, wenn die Temperaturen steigen, haben Fahrraddiebe Hochsaison. „Wir haben darauf ein Augenmerk, vor allem an Plätzen, die für solche Delikte bekannt sind, weil dort viele Fahrräder stehen“, sagt Ute Henn, stellvertretende Leiterin der Polizeiwache Maxdorf. Sie meint vor allem Bahnhöfe, Schulen und Supermärkte. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Tätern im Rhein-Pfalz-Kreis eher um Einzelpersonen als um Banden handelt. „Der ein oder andere sucht gezielt nach Diebesgut, viele aber greifen spontan nach einem ungesicherten Rad und werfen es nach einigen Metern ins Gebüsch“, weiß Henn. Der Trend bei diesen Delikten sei aber eher rückläufig.
Das sieht man, wenn man in die Statistik schaut: So wurden 2019 noch 387 Fahrraddiebstähle im Rhein-Pfalz-Kreis angezeigt, 2021 waren es nur noch 251. Besonders deutlich wird der Rückgang in Limburgerhof, wo 2019 noch 112 Fahrraddiebstähle gezählt wurden, im vergangenen Jahr nur 21. In Schifferstadt gingen die Fallzahlen in dem Zeitraum von 101 auf 82 zurück. In Römerberg hat sich die Zahl der als gestohlen gemeldeten Räder von 2019 bis 2021 in etwa halbiert (17 auf neun Fälle). In Dudenhofen wurden im Corona-Jahr 2020 mit 14 Fällen fünf Fahrräder weniger entwendet als 2019, im vergangenen Jahr sank die Zahl auf fünf Fälle ab.
In Bobenheim-Roxheim wurden 2019 noch 25 Fahrraddiebstähle erfasst, in den beiden Folgejahren blieb es bei 18 Fällen. In Lambsheim stiegen die Fallzahlen entgegen dem Kreistrend von zehn Fällen (2019) auf 21 (2020) und 14 im vergangenen Jahr. In diesem Jahr wurden dort bereits 13 Fahrräder gestohlen. „Das ist ein bisschen mehr als in der Vergangenheit, aber noch nicht so, dass wir von einem Schwerpunkt sprechen“, erklärt Henn.
Publikumsverkehr schreckt Täter ab
Damit es gar nicht erst zum Diebstahl kommt, ist zunächst einmal der Abstellort wichtig. „Wenn möglich sollte das Rad nicht in einer dunklen Ecke stehen, sondern dort, wo viel Publikumsverkehr den Täter abschreckt“, sagt Henn. Gerade bei hochwertigen Räder kann sich das Mieten spezieller Fahrradboxen, wie es sie beispielsweise in Schifferstadt gibt, lohnen. „Vor allem an Bahnhöfen, wo viele Pendler ihre Räder abstellen, ist das sicherer“, meint Henn. Zu Hause sollte das Rad nicht leicht zugänglich in der Hofeinfahrt geparkt werden.
Die Wahl des Fahrradschlosses macht bei Dieben einen entscheidenden Unterschied. Ein gutes Ketten-, Bügel- oder Faltschloss sollte nach Empfehlung der Polizei etwa fünf bis zehn Prozent des Fahrradpreises kosten und umso schwerer sein, je leichter das Rad ist. Außerdem sollte das Schloss groß genug sein, um das Rad bequem an einem Ständer oder Laternenmast anschließen zu können. „Je schwieriger es dem Tätern gemacht wird, weil er zum Beispiel größeres Werkzeug braucht, um mein Schloss zu knacken, desto besser ist das Rad geschützt“, erklärt die Polizistin.
Aber auch das beste Schloss nützt nichts, wenn es falsch angebracht wird. Vorder- sowie Hinterreifen und wenn möglich auch der Rahmen sollten laut Henn fest an- und abgeschlossen werden. Je höher die Anschlussstelle am Rad, desto schlechter kann ein Dieb sein Werkzeug einsetzen. Besitzer von E-Bikes sollten Zubehör wie Akku und Display nicht am Rad belassen, sondern mitnehmen. Bei teuren Rädern kann sich auch ein GPS-Tracker lohnen, mit dem sich der Drahtesel jederzeit orten lässt.
Fotos und Daten zum Rad helfen der Polizei
Aber was tun, wenn trotz aller Vorsicht das Fahrrad doch weg ist? Henn empfiehlt, sofort Anzeige zu erstatten, entweder persönlich in einer Polizeidienststelle oder bequem über die Online-Wache im Internet. Damit sich die Chance erhöht, dass das Rad wieder auftaucht, benötigt die Polizei möglichst viele Daten, darunter Marke und Typ, den Kaufbeleg als Eigentumsnachweis, Fotos und die individuelle Rahmennummer. „Mit der Rahmennummer können wir das Rad in unserem polizeilichen Fahndungssystem ausschreiben, das heißt, dass wir bei einer Kontrolle feststellen können, ob es gestohlen worden ist“, erklärt Henn. „Wenn man gar nichts hat, wird es natürlich schwerer.“
Sie empfiehlt, sich beim Kauf die Fahrradpass-App herunterzuladen, in der man alle Infos einträgt und im Schadensfall gleich parat hat. „Es kann auch helfen, einen ganz besonderen Hinweis anzubringen, etwas einzuritzen oder aufzukleben, um zu zeigen: Das ist mein Fahrrad.“ Hochwertige Fahrräder werden laut Henn oft auf einschlägigen Foren im Netz zum Kauf angeboten. „Die Anzeigenerstatter weisen wir darauf hin, dort selbst mal nachzuschauen.“ So hätten in der Vergangenheit Räder wieder zu ihrem Besitzer zurückgefunden. Wer sein gestohlenes Rad irgendwo wiederentdeckt, darf es übrigens nicht einfach mitnehmen. „Lieber bei der Polizei anrufen“, rät Ute Henn.
Es gibt einfachen und schweren Diebstahl
Die Polizei unterscheidet zwischen einfachem und schwerem Fahrraddiebstahl. Ein einfacher Diebstahl ist es, wenn jemand ein nicht gesichertes Rad entwendet. Dafür droht dem Täter eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Von einem „Diebstahl im besonders schweren Fall“ ist die Rede, wenn Schlösser oder Türen geknackt werden oder das Diebesgut gewerbsmäßig weiterverkauft wird. Das kann mit drei Monaten bis zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.
2020 wurden im Rhein-Pfalz-Kreis zwölf Fahrraddiebstähle aufgeklärt, das entspricht einer Aufklärungsquote von 22,6 Prozent bei einfachem Diebstahl sowie 6,3 Prozent bei besonders schwerem Diebstahl. Ein Jahr später wurden acht Fälle aufgeklärt, die Quote sank damit auf 17,8 beziehungsweise 2,9 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 gab es 829 Fälle von Sachbeschädigung im Kreis, von denen 25,7 Prozent aufgeklärt wurden.
Wichtig: Fälle anzeigen
Die geringere Quote bei den Fahrraddiebstählen kommt laut Henn einerseits daher, dass der Polizei oftmals nur wenige Daten zum gestohlenen Rad vorliegen, andererseits gestalteten sich die Ermittlungsansätze schwierig. Trotzdem wirbt die Polizistin dafür, im Schadensfall Anzeige zu erstatten. „Wenn mir das Fahrrad gestohlen wurde, bin ich Opfer einer Straftat geworden. Wenn ich das nicht anzeige, gibt es keine Chance, das Rad zurückzubekommen.“ Wer den Diebstahl seiner Versicherung meldet, braucht sowieso eine Anzeigebestätigung der Polizei.
Selbst wenn das Strafverfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde, hört die Polizeiarbeit nicht auf, betont Henn. Hinweisen von Bürgern auf herrenlose Fahrräder geht die Polizei nach. Und auf Streife könne man auch noch später auf ein gestohlenes Rad stoßen, sofern es im Polizeisystem erfasst wurde. Sie rät dazu, im Schadensfall immer die Polizei anzurufen, anstatt nur in sozialen Medien über die Fälle zu diskutieren. „Um zusätzlich Aufmerksamkeit zu generieren, kann das helfen. Aber man sollte die Polizei da nicht außen vor lassen.“
Termin
„Tipps zum richtigen Sichern von Pedelecs und Fahrrädern“, Webseminar der Polizei Mainz und des Landeskriminalamts mit Fragerunde am Dienstag, 28. Juni, 10 bis 10.45 Uhr. Anmeldung unter
